Andreas Mies sank wie vom Blitz getroffen zu Boden und streckte alle Viere von sich, wenige Meter daneben ging Kevin Krawietz in die Knie - das deutsche Erfolgsdoppel hatte soeben seinem Tennis-Märchen bei den French Open ein weiteres glorreiches Kapitel hinzugefügt.

Trotz der Schutzmasken ließ sich auch später das Grinsen auf den Gesichtern noch deutlich erahnen, als der Coburger und der Kölner wie schon im Vorjahr den silbernen Pokal in die Höhe reckten. 6:3, 7:5 hatten sie das kroatisch-brasilianische Duo Mate Pavic/Bruno Soares im Finale geschlagen.

French Open
"Was für ein Moment!" Krawietz/Mies verteidigen Titel in Roland-Garros
10/10/2020 AM 17:00

Damit haben Krawietz/Mies deutsche Tennisgeschichte geschrieben.

Krawietz/Mies stoßen in neue Sphäre vor

Nur Claudia Kohde-Kilsch und Philipp Petzschner haben ebenfalls zwei Grand-Slam-Titel gewonnen, allerdings nicht mit deutschen Doppelpartnern.

Khode-Kilsch triumphierte mit der Tschechin Helena Suková bei den US Open 1985 und in Wimbledon 1987. Petzschner war zusammen mit dem Österreicher Jürgen Melzer 2010 in Wimbledon und 2011 bei den US Open erfolgreich.

Darüber hinaus gewann Steffi Graf 1988 zusammen mit Gabriela Sabbatini aus Argentinien die Doppel-Konkurrenz in Wimbledon, ehe Laura Siegemund vor rund vier Wochen mit der Russin Vera Zvonareva beim Major-Turnier in New York die Krone holte.

Krawietz/Mies exklusiv: "Gott sei Dank spielt Rafa kein Doppel!"

1992 war es dann Michael Stich, der mit dem großen John McEnroe in Wimbledon den Titel holte.

Krawietz und Mies ragen heraus, eine Grand-Slam-Titelverteidigung ist zuvor noch keinem deutschen Profi gelungen.

Wie einst Oliver Kahn ...

Als die alten und neuen Champions später von Eurosport-Moderator Matthias Stach an die berühmte Oliver-Kahn-Nummer erinnert wurden, zögerten Krawietz und Mies keine Sekunde. "Da ist das Ding", brüllten die beiden Tennisprofis in Erinnerung an den Jubel des einstigen Bayern-Keepers in die Kamera.

Dessen Motto "weiter, immer weitermachen" passt auch zu Deutschlands bestem Doppel.

Im Achtelfinale hatten die "KraMies" gegen die Franzosen Benjamin Bonzi/Antoine Hoang drei Matchbälle abwehren müssen, danach zeigten sie von Match zu Match enorm souveräne Leistungen. "Wenn wir unsere Stärken auf den Platz bekommen, sind wir sehr schwer zu bespielen und extrem schwer zu schlagen", befand Mies - und sollte Recht behalten.

Das kann nicht einmal Nadal von sich behaupten

Eigentlich sind die Beiden in Paris überhaupt nicht zu schlagen. Zweimal nahmen sie an den French Open zusammen teil, zweimal holten sie den Titel - zwölf Matches, zwölf Siege. Bei acht Grand-Slam-Teilnahmen seit Wimbledon 2018, als die beiden erstmals zusammen antraten und sich damals als Qualifikanten immerhin bis ins Achtelfinale vorspielten, haben sie nun zweimal gewonnen und einmal das Halbfinale erreicht (US Open 2019).

Highlights: So holten sich Krawietz und Mies den Titel

Krawietz und Mies sind beim Sandplatz-Klassiker also noch ungeschlagen, was nicht einmal Rafael Nadal von sich behaupten kann. "Gott sei dank spielt Rafa nicht im Doppel mit", scherzte Krawietz im Exklusiv-Interview mit Eurosport.

Das Ziel sei es, ergänzte Kollege Mies scherzend, am Ende der Karriere eine bessere French-Open-Bilanz als der zwölfmalige Champion zu haben (der bei 99:2-Siegen in Roland-Garros steht).

Die French Open vom 27.9. bis 11.10. LIVE im Eurosport Player und im TV

Der neuerliche Erfolg sei schlicht "unglaublich, irreal. Ich weiß nicht, wie lange es diesmal dauert, das zu realisieren", so Mies.

Mies zieht Vergleich zu Becker

Immerhin fand der 30-jährige Kölner noch einen treffenderen Vergleich: "Das ist wie bei Boris '85 und '86."

Der Leimener hatte damals zweimal in Folge Wimbledon gewonnen. Mies weiß natürlich, dass Becker 1989 einen dritten Titel nachlegte.

Der Matchball: So gewannen Krawietz/Mies die French Open 2020

Gelingt dem deutschen Erfolgs-Duo bei den French Open 2021 ebenfalls der dritte Streich, wäre es das erste Mal überhaupt in Roland-Garros, dass einem Doppel drei Turniersiege in Serie gelingen.

Krawietz und Mies würden wohl wieder brüllen: "Da ist das Ding!"

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