Die Tennis-Welt schaut in den kommenden Tagen gebannt nach Paris, wo ab Sonntag mit den French Open das zweite Grand-Slam-Turnier des Jahres beginnt. Angelique Kerber blickt dem Turnier im "SID"-Interview "mit gemischten Gefühlen" entgegen.
Zwar schaffte es die ehemalige Weltranglistenerste schon zweimal ins Viertelfinale, allerdings scheiterte sie zuletzt gleich zweimal in Runde eins.
Die French Open sind der einzige Grand-Slam-Titel, der Kerber noch fehlt, für sie spielt das aber keine wichtige Rolle. "Ich versuche das Turnier dieses Jahr mit weniger Druck und etwas mehr Gelassenheit anzugehen. Also nicht mit den ganz großen Erwartungen und dem Gedanken, dass es mir noch in meiner Grand-Slam-Sammlung fehlt", sagt Kerber.
French Open
Becker: Zverev hat French-Open-Rekord drauf - unter einer Bedingung
25/05/2021 AM 11:17
Zugleich freut sie sich über die schrittweise Rückkehr der Zuschauer. "Vor Fans zu spielen, ist durch nichts zu ersetzen", meint Kerber.
Das komplette Interview:
Frau Kerber, Ihre 14. Teilnahme bei den French Open steht kurz bevor. Welche schönen Erinnerungen haben Sie an Ihre bisherigen Auftritte?
Angelique Kerber: Spontan denke ich da an meine beiden Viertelfinalteilnahmen in Paris. Aber es gab auch andere Jahre mit einigen Enttäuschungen und Erstrundenniederlagen, wie in meinem insgesamt besten Jahr 2016. Insgesamt überwiegen dennoch die schönen Erinnerungen. Nicht nur an die French Open, vielmehr auch an die Stadt Paris. Dort konnte ich bei einem Hallenturner zu Beginn meiner Karriere auch mein erstes WTA-Turnier gewinnen.
In Roland Garros haben Sie sich zuletzt schwergetan und zwei Erstrundenniederlagen erlitten. Ist es dennoch ein Turnier, das Sie mögen?
Kerber: Es ist ein Turnier, dem ich aus sportlicher Sicht mit gemischten Gefühlen entgegensehe. Auf der einen Seite ist da die Faszination eines Grand-Slam-Turniers, die Energie des Publikums auf der Anlage. Ich habe dort schon als Juniorin gespielt, und es ist auch nicht so weit weg von zu Hause. Wenn ich aber zurückschaue und es mit anderen Grand-Slam-Auftritten vergleiche, dann ist meine Bilanz bei den French Open durchwachsen. Was sicherlich auch damit zu tun hat, dass es auf Sand stattfindet, was nicht unbedingt mein Lieblingsbelag ist. Dieses Jahr habe ich wieder eine neue Chance, und wir werden sehen.

Bei den French Open 2020 scheiterte Angelique Kerber (l.) in der ersten Runde an Kaja Juvan aus Slowenien

Fotocredit: Getty Images

Was nehmen Sie sich 2021 für das Turnier vor?
Kerber: Ich versuche das Turnier dieses Jahr mit weniger Druck und etwas mehr Gelassenheit anzugehen. Also nicht mit den ganz großen Erwartungen und dem Gedanken, dass es mir noch in meiner Grand-Slam-Sammlung fehlt. Es ist einfach der nächste Grand Slam, den ich gut spielen möchte. Es geht darum, sich auf jede einzelne Runde zu fokussieren, vielleicht bin ich für eine Überraschung gut.
Wie fühlt sich Ihre Form an? Zuletzt haben Sie die frühere Paris-Finalistin Marketa Vondrousova geschlagen und machten auch in anderen Matches den Eindruck, wieder näher dran zu sein ...
Kerber: Es geht auf jeden Fall in die richtige Richtung. Die Quarantäne in Australien hat mich zurückgeworfen, das war vom Kopf her und auch körperlich nicht so einfach. Ich brauchte eine etwas längere Anlaufzeit, um wieder in den Matchrhythmus zu finden. Es waren in den letzten Wochen gute Matches auf Sand dabei, mit steigender Formkurve, selbst, wenn ich einige davon nicht gewinnen konnte. Es liegt noch viel Arbeit vor mir, aber ich fühle mich körperlich schon ganz gut.
Paris ist auch das letzte Turnier vor dem Cut für Olympia. Werden Sie in Tokio gemeinsam mit Alexander Zverev im Mixed antreten, sollten die Weltranglisten-Platzierungen reichen?
Kerber: Die Verabredung steht auf jeden Fall, mit Alex im Mixed anzutreten. Und zwar schon seit einigen Jahren. Wir haben im Hopman-Cup für Deutschland schon Erfahrung gesammelt und erfolgreich zusammen gespielt.

Beim Hopman Cup 2019 schafften es Angelique Kerber und Alexander Zverev ins Finale

Fotocredit: Getty Images

Tokio nimmt in der öffentlichen Wahrnehmung schon viel Raum ein. Es gibt optimistische und skeptische Stimmen. Wie blicken Sie auf die anstehenden Sommerspiele?
Kerber: Man hat etwas gemischte Gefühle, und ich kann beide Seiten verstehen. Es ist für mich immer wieder eine große Ehre, für Deutschland zu spielen. Nach den letzten Olympischen Spielen in Rio 2016 war ich unglaublich stolz, mit der Silbermedaille als Teil des Teams zurückzukehren. Deshalb herrscht prinzipiell eine große Vorfreude, wobei noch viele Fragen ungeklärt sind, was den Ablauf angeht und in welchem Rahmen die Spiele letztendlich stattfinden können. Auch Olympia wird wohl nicht so sein, wie wir es bisher kannten.
Die French Open und Tokio sind zwei Highlights. Was sind ansonsten für Sie große Ziele in dieser Saison?
Kerber: Ich schaue jetzt tatsächlich von Etappe zu Etappe. Nach Paris geht es Schlag auf Schlag weiter, dann direkt von Sand ohne Pause auf Rasen, und ich freue mich, dass ich zwei Turniere in Deutschland habe mit Berlin und natürlich meinem Turnier in Bad Homburg. Das wird ein besonderes Highlight für mich und umso schöner, dass wahrscheinlich auch einige Zuschauer bei der Premiere mit dabei sein werden. Das motiviert und freut mich umso mehr.
Welche Erfahrungen haben Sie in der Vorbereitung des Turniers gewonnen?
Kerber: Ich weiß jetzt mittlerweile als Organisatorin im Hintergrund, wie viel Arbeit, wie viel Aufwand dahintersteckt. Auf der anderen Seite kenne ich die Erwartungen der Spielerinnen an eine solche Veranstaltung. Ich kenne jetzt beide Seiten, deshalb ist es umso emotionaler für mich, auch selber mit dabei zu sein und zu spielen. Dann kommt nach den Heimturnieren auf Rasen direkt Wimbledon im Anschluss. Das ist für mich nochmal das große Highlight, bevor es Richtung Japan und Amerika geht.
Die Corona-Situation verbessert sich aktuell mehr und mehr. Inwieweit beeinflusst die Aussicht auf mehr Zuschauer und mehr Normalität Ihre Karriereplanung auch über das aktuelle Jahr hinaus?
Kerber: In den letzten Wochen ist viel passiert, und wir stehen kurz davor, dass wieder mehr Zuschauer zugelassen werden. Ich freue mich sehr über die Entwicklung, selbst, wenn es schrittweise geschieht und am Anfang nur ein Teil zugelassen wird. Vor Fans zu spielen, ist durch nichts zu ersetzen. Wir sind auf einem guten Weg zurück zur Normalität, aber ich denke, es wird noch etwas dauern. Ich hoffe, dass die nächste Saison von Anfang an mit Zuschauern gespielt wird. Aber ich glaube, es ist schwer, da eine Prognose zu treffen.
Was Ihre persönlichen Planung angeht, bleibt es dabei, dass Sie Schritt für Schritt weiterschauen?
Kerber: Momentan bin ich mitten in der Saison, das zählt für mich. Ich plane ansonsten nicht zu weit voraus.

DIE GROSSEN OLYMPIA-GESCHICHTEN - der Eurosport-Podcast

Alle Folgen der Olympia-Geschichten findet Ihr auf Spotify, Apple Podcast oder der Plattform deiner
Das könnte Dich auch interessieren: Traumauftakt in Paris: Deutsche Profis meistern erste Auftakthürde
(SID)

Genialer Lob! Moutet fügt Medvedev nächste Sandplatz-Pleite zu

French Open
"Ich bin sehr traurig": Shapovalov muss für Paris absagen
24/05/2021 AM 16:28
ATP Tour
Weltrangliste: Tsitsipas baut Vorsprung auf Zverev aus
24/05/2021 AM 13:41