French Open: Alexander Zverev nach Gala gegen Carlos Alcaraz plötzlich Favorit - wen soll er jetzt noch fürchten?

Alexander Zverev hat sich mit einer glänzenden Vorstellung gegen Carlos Alcaraz bei den French Open freigespielt und zum Titelkandidaten aufgeschwungen. Damit wiederholt sich ein Phänomen, das beim 25-Jährigen häufig auftritt: Nimmt die Qualität der Gegner zu, steigt das Niveau bei Zverev deutlich an - unabhängig davon, wie gut oder schlecht die Matches zuvor waren. Trägt ihn das bis zum Titel?

Viertelfinale: Löwe Zverev knackt Wunderkind Alcaraz - Highlights

Quelle: Eurosport

Es war nur ein kleiner Nebensatz, eher ein Scherz. Alexander Zverev erklärte im Exklusiv-Interview mit Eurosport, wie das so mit dem Essen in Paris ist.
Kumpel Marcelo Melo bestelle jeden Abend dasselbe fürs Team. "Ich habe das schon satt, aber das wird jetzt natürlich bis Sonntag gegessen", ließ Zverev mit Blick auf die chinesischen Brokkoli-Nudeln wissen.
Wer das Turnier verfolgt, weiß: Am Sonntag ist das Finale in Paris.
Freilich hat Zverev das nur so dahingesagt. Unterbewusst mag ihm aber klar geworden sein, dass es nach dem überzeugenden 6:4, 6:4, 4:6, 7:6 (9:7) gegen Carlos Alcaraz keinen Grund mehr gibt, nicht an den Titel zu glauben. Das sah vor den French Open, zumindest in der Öffentlichkeit, noch anders aus.
Einige Experten und Wettanbieter hatten gar Alcaraz als Topfavoriten auserkoren. Gefiel Zverev überhaupt nicht, dass ihn da ein 19-Jähriger zu überflügeln drohte.

Zverev entschärft Powertennis von Alcaraz

"Da hat er gesagt: 'Weißt du, als es damals Nadal oder Djokovic waren, war es okay. Jetzt Alcaraz - nein!'", zitierte Mischa Zverev im Eurosport-Podcast Das Gelbe vom Ball aus einem Gespräch kurz vor Beginn des Sandplatzklassikers. Das Motto seines Bruders habe sinngemäß gelautet: "Das lasse ich mir nicht gefallen. Jetzt ist meine Zeit gekommen, jetzt möchte ich gewinnen, ich möchte der Favorit werden und es allen beweisen."
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Zverev trotz Gala selbstkritisch: "Weit von perfekt"

Quelle: Eurosport

Worte, die nach dem Viertelfinale in einem wesentlich helleren Lichte scheinen. Nach dem Fünfsatz-Marathon nebst abgewehrtem Matchball in Runde zwei gegen Sebastián Báez wirkte Zverev (noch) nicht so, als ob er auf der terre battue von Paris zum großen Schlag ausholen könnte.
"Viele haben mich irgendwie abgeschrieben, aber ich bin immer noch die Nummer drei der Welt", erinnerte er die Medien auf der Pressekonferenz in Paris an seinen Status. Nach dem Halbfinale gegen Rafael Nadal, der im Viertelfinale Novak Djokovic bezwang, würde es im Finale zum Kräftemessen mit Casper Ruud, Holger Rune, Andrey Rublev oder Marin Cilic kommen. Zverev wäre nach der Lage der Dinge klarer Favorit. Fürchten muss er niemanden mehr. Die "L'Equipe" räumte ihm in Paris ihre Titelseite frei und feierte seinen "grandiosen Sieg":
Was der 25-Jährige im Viertelfinale abzog, genügt höchsten Ansprüchen. "Die ersten beiden Sätze habe ich sehr, sehr gut gespielt und extrem dominiert", befand Zverev. Es war in der Tat beeindruckend, wie der Weltranglistendritte das Powertennis von Alcaraz entschärfte. Der Youngster, in diesem Jahr bereits mit vier Titel dekoriert, war phasenweise am Verzweifeln und lamentierte in Richtung seiner Box.

Perfektes Match? Zverev widerspricht

Als das Supertalent im dritten und vierten Satz Oberwasser bekam und die Fans mit Weltklassebällen in Serie von den Sitzen riss, reagierte Zverev cool. Die Körpersprache blieb positiv, der Hamburger vertraute auf seine Klasse und die größere Erfahrung. Zurecht, wie sich beim 9:7 im Tiebreak des vierten Satzes zeigte.
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Return ins Glück - Und dann bricht alles aus Zverev heraus

Quelle: Eurosport

Als ihm Bruder Mischa später zu einem perfekten Auftritt gratulieren wollte, stieg der Olympiasieger voll aufs Bremspedal. "Es war weit weg von perfekt. Um ehrlich zu sein, gibt es extrem viele Dinge, die ich noch besser machen kann", gab Zverev zu bedenken. "In manchen Situationen kann ich meine Chancen besser nutzen."
Insgesamt aber war es ein Auftritt, der eines Champions, genauer gesagt eines Grand-Slam-Champions, würdig war. "Der Spielplan war hervorragend - ab dem ersten Punkt. Sascha hat gut seine Vorhand cross ausgenutzt, die Rückhand longline, viel in die Vorhand von Alcaraz gespielt und gut aufgeschlagen", dozierte Mischa Zverev, der das Match als TV-Experte bei Eurosport begleitete. Er habe sich überdies "nicht ablenken" lassen.

Zverev: "Dann geht die Sonne weg ..."

Dennoch wurde bei aller Weltklasse deutlich, von wie vielen Faktoren es abhängt, ob Zverev sein volles Potenzial entfalten kann. Selbst die Uhrzeit und das Wetter haben massiven Einfluss auf die deutsche Nummer eins. "Dann geht die Sonne weg, auf einmal ist mein Aufschlag nicht mehr so schnell und der Ball springt nicht mehr so hoch ab", erklärte der Hamburger. Das habe das Spiel gegen Alcaraz schwieriger gemacht.
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Unfassbare Rückhand! Zverev lässt Publikum komplett ausflippen

Quelle: Eurosport

Trotz allem egalisierte Zverev nach drei Stunden und 18 Minuten mit dem Einzug ins Halbfinale sein Roland-Garros-Topresultat aus dem Vorjahr. Der erste Grand-Slam-Triumph ist zwei Siege entfernt.
Geht alles gut, dann muss Marcelo Melo noch fünfmal abends Essen bestellen. "Chinesische Nudeln mit Brokkoli und Beef", wie Zverev verriet.
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