French Open - Alexander Zverev mit Rückkehr ohne Happy End: Olympiasieger tankt neues Selbstvertrauen

Das kleine Märchen endet ohne das große Happy End: Alexander Zverev ist nach einer beeindruckenden Rückkehr zu den French Open im Halbfinale an Casper Ruud gescheitert. Auch, weil dem Olympiasieger erneut der Körper einen Strich durch die Rechnung machte. Doch der 26-Jährige zieht trotz der Niederlage das Positive aus zwei Wochen Paris - und nimmt mit neuem Selbstbewusstsein alte Ziele ins Visier.

Matchball Becker nach Zverev-Aus im Halbfinale

Quelle: Eurosport

Auch nach seinem letzten Spiel bei den French Open wurde Alexander Zverev wieder von Kameras eines Streamingdiensts begleitet. Auf Schritt und Tritt waren ihm die Mitarbeiter zum Training, zu den Match-Vorbereitungen, durch die Katakomben und zu den Pressekonferenzen gefolgt, seit der Deutsche vor 13 Tagen aus Genf in die französische Hauptstadt gereist war.
Das ganz große Happy End für die zweite Staffel der von den Verbänden der Herren- und Frauentour ATP und WTA promoteten Dokuserie, die Anfang 2024 erscheinen wird, war am Freitag nach der 3:6, 4:6, 0:6-Niederlage im Halbfinale des wichtigsten Sandplatzturniers der Welt gegen Casper Ruud ausgeblieben. Dass das alles aus verschiedenen Winkeln für die Nachwelt festgehalten wurde, freute Zverev dennoch.
"Ich werde unfassbar glücklich sein, nach dem was letztes Jahr passiert ist. Ein Jahr später stand ich jetzt wieder im Halbfinale", antwortete Zverev, angesprochen auf die Dreharbeiten mit Stolz in der Stimme. Danach galten seine Aussagen sofort wieder dem Match, das er nach eigenen Angaben leicht beeinträchtigt hatte bestreiten müssen.
"Dass ich heute verloren habe, ist wirklich klar. Casper ist aber einer der besten Spieler auf Sand. Wenn du gegen ihn nicht bei 100 Prozent bist und gegen ihn kein physisches Match daraus machen kannst, hast du gegen ihn keine Chance. Und ich hatte heute keine Chance", sagte der 26-Jährige. Er habe sich am Donnerstag im Training kurz vor Schluss eine leichte Zerrung im Oberschenkel zugezogen.
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Halbfinale: Zverev gegen Ruud beinahe chancenlos - Highlights

Quelle: Eurosport

Zverev: "Ich hatte meine Probleme"

Die letzten Reporter hatten das Trainingsgelände Jean Boin rund 15 Minuten vor Ende der Einheit verlassen und nichts mitbekommen. Sein Team und auch sein Bruder Mischa während der Übertragung bei Eurosport hatten nichts vermeldet. Erst in der Pressekonferenz gab er auf konkrete Nachfragen Auskunft.
Im englischen Teil der Frage-Antwort-Runde war Zverev bereits gefragt worden, ob er physisch bei voller Leistungsfähigkeit gewesen sei. Zverev überlegte mehrere Sekunden, ehe er sich äußerte. "Schauen Sie, ich will nichts von Caspers Leistung schmälern. Er war der viel bessere Spieler, aber ich hatte meine Probleme." Das führte naturgemäß zu einigen Nachfragen, die Zverev später auf Deutsch mit der Zerrung beantwortete.
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Zverev klärt nach Pleite auf: "Kleine Zerrung" am Oberschenkel

Quelle: Eurosport

"Trotzdem", sagte Zverev am Ende, "glaube ich, wenn ich ein, zwei Bälle besser spiele, kann sich das Match auch drehen." Er verwies auf zwei Breakchancen. Im ersten Satz hatte er bei 3:5 mit einer einfach verschlagenen Vorhand verpasst, in den Satz zurückzufinden. Von den Kameras eingefangen, sah man den sonst eher stoischen Vater Zverevs sich ungläubig die Haare raufen.
Im darauffolgenden Satz bei 1:2 spielte Zverev bei Breakball für sich einen miserablen Vorhandstopp, der auch gar nicht zu seinem Repertoire gehört.

Zverev zufriedem mit Comeback in Paris

Die leichte Verletzung habe die Struktur seines Spiels verändert, mitunter zu kürzeren Ballwechseln geführt, meinte Zverev. "Dann probiere ich Dinge aus, bei denen ich mich nicht so wohlfühle. Dann wird es einfacher gegen mich."
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Alexander Zverev bei den French Open

Fotocredit: Getty Images

Das große Ganze betrachtend, schien Zverev nach den besten zwei Wochen seit seinem Comeback aber zufrieden mit sich und wirkte insgesamt viel entspannter als noch vor zwei Tagen nach seinem Viertelfinalerfolg. Boris Becker, der in der jüngsten Vergangenheit auch gemahnt hatte, lobte Zverev am Eurosport-Mikrofon.
"Wenn man sieht, dass er vor einem Jahr den Centre Court in Tränen und auf Krücken verlassen hat, dann ist er nun wieder zurück: Sascha ist wieder ein Weltklassespieler und stand erneut in einem Grand-Slam-Halbfinale. Das muss er optimistisch sehen. Er ist wieder da - das ist die beste Botschaft."

Zverev: "Bin zurück auf dem Level"

Zverev selbst fand in der Pressekonferenz ähnliche Worte: "Ich bin zurück auf dem Level, auf dem ich war vom Tennisspielen her. Von heute kann ich das jetzt nicht wirklich behaupten, das war nicht wirklich gut. Aber wenn man sich die zwei Wochen gesamt anschaut, kann man sagen, ich spiele wieder auf einem sehr hohen Niveau, was angenehm für mich ist. Ich muss die komplette Zeit hier sehen."
Kurzzeitig für Verwirrung sorgte die Frage eines Reporters nach dem Turnier in Stuttgart. Das Rasenturnier, das bereits am Wochenende beginnt, hatte Zverev eine Wildcard freigehalten.
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"Da ist es passiert!" Zverev verliert gegen Ruud im Halbfinale

Quelle: Eurosport

Zverev blickte nach rechts zu seinem Manager Sergej Bubka junior. Nach einem kurzen Austausch in russisch und einem Schmunzler, antwortete Zverev: "Keine Ahnung. Wenn ich gewonnen hätte, hätte ich Sonntag das Finale gespielt. Ich gehe davon aus, dass ich jetzt erstmal nach Hause fahre. Stuttgart war der Plan, aber mein Körper ist mir wichtig auch."

Top Ten in Reichweite

Zverev wird erst wieder in Halle aufschlagen und dann in Wimbledon, wo er nicht zu den Favoriten zählt. Trotz seiner Größe und Aufschlagstärke fühlt sich Zverev, wie er Freitag wiederholte, nicht wirklich wohl auf dem grünen Untergrund. Es ist das einzige Grand-Slam-Turnier, bei dem er noch nie das Viertelfinale erreichen konnte.
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Alexander Zverev bei den French Open

Fotocredit: Imago

Langfristig aber sollten diese zwei Wochen von Paris Mut machen für den Rest der Saison. Zverev hat seine Punkte und damit auch die Setzung in Wimbledon verteidigt. Das hatten ihm nicht viele zugetraut. Bleibt er verletzungsfrei, sollte er spätestens zur Hardcourt-Saison in Nordamerika im Spätsommer in der Lage sein, die Top 10 der Weltrangliste anzugreifen.
Da gehört er mit dem in Paris abgerufenen Niveau definitiv hin. Für Siege bei Grand-Slam-Turnieren, Zverev hat erst einen Top-10-Sieg bei den vier großen Events, braucht es die totale Fitness, weniger Tiefs und noch mehr durchgehendes Zutrauen in die eigene Stärke.
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Zverev exklusiv: Körper hat "die größte" Rolle gespielt

Quelle: Eurosport

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