French Open: Alexander Bublik nach Überraschungssieg im Viertelfinale gegen Jannik Sinner - Erfolg mit anderen Mitteln

Alexander Bublik steht zum ersten Mal in seiner Karriere im Viertelfinale eines Grand-Slam-Turniers. Sein Sieg im Achtelfinal-Erfolg gegen den an Nummer fünf gesetzten Jack Draper war eine der größten Überraschungen des Turniers. Der Kasache war bisher in seiner Karriere nicht für seine Liebe zur roten Asche bekannt - oder für andauernde Konstanz auf hohem Niveau. Nun wartet Jannik Sinner.

Achtelfinale: Spektakel pur! Bublik stellt Draper kalt - Highlights

Quelle: Eurosport

Es war "der größte Moment seines Lebens", sagte Bublik nach seinem Viersatzerfolg gegen Draper (5:7, 6:3, 6:2, 6:4) und kämpfte mit den Tränen. Ein Blick auf die nackten Zahlen macht diese Aussage sehr glaubhaft: Die Nummer 62 schlägt die Nummer fünf der Welt, um ein Viertelfinale bei einem Major zu erreichen.
Für den Kasachen ist es trotzdem eine sehr ungewöhnliche Aussage. Seit 2016 ist er Profi und seitdem nicht mit einer Einstellung aufgefallen, die vermuten ließe, dass ein Tennismatch ein "größter Moment" sein könnte. Für Bublik ist Tennis ein Job. Ein Job, in dem er talentiert genug ist, um einer der besten der Welt darin zu sein.
Die Topspieler, die "Maschinen", wie Bublik sie nennt, leben ihren Sport. Novak Djokovic etwa denke 24/7 an sein Spiel, richtet alles danach aus. Nicht so der 26-Jährige, der sich freut, dass er mit diesem Beruf gutes Geld verdienen kann. Er hat andere Prioritäten: "Es gibt andere Dinge in meinem Leben, ich bin ein Vater, ich bin ein Freund", sagte er im Interview mit Eurosport nach seinem Sieg im Achtelfinale: "Ich habe andere Prioritäten, die den gleichen Stellenwert für mich haben wie Tennis."
Diese Aussage sollte man nicht mit fehlendem Ehrgeiz verwechseln. Bublik will erfolgreich sein, aber nach seinem eigenen Rezept. "Was sie leisten, jeden Tag, das kann ich nicht", sagte Bublik über Carlos Alcaraz, Jannik Sinner und Co.: "Ich muss also einen Weg finden, um sie manchmal zu schlagen, weil ich ein Top-50- oder Top-20 Spieler sein will."
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Unberechenbar - im Guten und im Schlechten

Diesen Weg fand Bublik in seiner Karriere schon ein ums andere Mal. Vier Titel gewann er auf der ATP-Tour, darunter in Halle 2023. Sein Charakter zeigt sich auch in seinen Instagram-Posts nach den Turniersiegen: Man sieht ein Foto von ihm mit Pokal, in der Bildunterschrift steht ein lapidares "hehe".
An einem guten Tag kann er auch die Top-Spieler schlagen. Weil der Kasache unberechenbar spielt - Aufschläge von unten nach einem 235-km/h-Ass, Stopps, Vorhand-Slice - manchmal hat man das Gefühl, er weiß selbst nicht, welcher Schlag als Nächstes kommt.
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Willkommen zur Bublik-Show: Sensationsvolley zum Satzausgleich

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Auf diese Weise - und durch sein großes Talent - ist er immer wieder in der Lage, Spieler zu schlagen, die in der Weltrangliste deutlich höher platziert sind. Auf Sand war das bisher allerdings nicht der Fall. Alle seine Titel und Finals hat er auf Hartplatz oder Rasen erreicht. Die bisherige Saison verlief für Bublik zudem katastrophal. Von Platz 33 im Ranking stürzte er auf 82 ab.
"Ich war kurz davor aufzuhören", gestand er in einer TNT-Sports-Runde. Es schien so, als wäre in der heutigen Tennis-Welt kein Platz mehr für Charaktere wie Bublik. Die Spieler um ihn herum und deren Umfeld werden immer professioneller, die jungen Spieler immer schneller immer besser.
In Madrid verlor er glatt gegen den 19-jährigen Jakub Mensik und beklagte sich beim Seitenwechsel bei Schiedsrichter Mohamed Lahyani: "Mohamed, erinnerst du dich noch, als Tennis einfach war? Vor fünf Jahren war das alles noch leichter. Da gab es Top-50-Spieler, die sich kaum bewegt haben. Dieser Typ ist nicht mal Top 5, nicht mal Top 10. Was ist das?"

Ausflug nach Vegas als Wendepunkt

Aber Bublik berappelte sich. Der Knackpunkt: Ein Ausflug nach Las Vegas. Eigentlich wollte der Kasache mehr trainieren, aber Coach Artem Suprunov lehnte ab. "Er sagte: 'Entspann dich. Du trainierst seit einem Jahr hart und verlierst die ganze Zeit. Das bringt nichts. Mach was anderes, du musst weniger trainieren und wieder mehr genießen. Du kannst alles auf dem Platz, erinnere dich daran, wir werden gar nicht trainieren.'"
Für den 26-Jährigen offenbar eine Erfolgsformel. Er gewann einen Challenger in Turin und stand in Phoenix im Finale. Auf Sand gewann er schon in Madrid einige Spiel. "Ich hatte einfach nicht die Option rumzuheulen", erklärte er. "Ich bin in der Weltrangliste abgerutscht, ich hatte gar keine Wahl als mich zusammenzureißen. Wenn ich die Wahl gehabt hätte, hätte ich mich auf jeden Fall fürs rumheulen entschieden, das ist immer der einfachere Weg."
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Standing Ovations für Bublik - Tennis-Star komplett gerührt

Quelle: Eurosport

Bei den French Open hat er bislang noch keinen Grund gefunden, um "rumzuheulen". Außer nach dem verwandelten Matchball gegen Draper, was zu dem für ihn ungewohnten emotionalen Ausbruch führte. Warum, weiß er selbst nicht so genau.
Vielleicht, weil er beim Aufschlagspiel zum Matchgewinn vier Breakbälle abwehren musste. "Ich wusste, das ist meine einzige Chance. Hätte ich dieses Spiel verloren, hätte ich vielleicht aufgegeben, manchmal weiß man, dass man nur eine Gelegenheit hat."
Er nutzte sie. Jetzt muss er gegen Jannik Sinner spielen, die Nummer eins der Welt (Mi., ca. 15:30 Uhr im Liveticker). Wieder wird er keine andere Wahl haben, als sein bestes Tennis zu zeigen. Und genau dann, ist Bublik am gefährlichsten.
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Sabalenka zu Ansetzungen: "Wir verdienen eine gleiche Behandlung"

Quelle: Eurosport


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