French Open 2025 - Jannik Sinners einzige Schwäche wird gegen Carlos Alcaraz zum Problem: Maschine mit Marathon-Makel

Jannik Sinner sah im Finale der French Open gegen Carlos Alcaraz lange wie der sichere Sieger aus. 2:0-Satzführung, drei Matchbälle in Satz vier – all das reichte am Ende eines epischen Endspiels für den 23 Jahre alten Südtiroler nicht aus. Weil Sinner, der auf dem Court stets cool und gefasst, geradezu maschinenhaft daherkommt, seine womöglich einzige Schwäche offenbarte.

Finale: Alcaraz wehrt Sinner-Matchbälle ab und siegt - Highlights

Quelle: Eurosport

Als Jannik Sinner zu später Stunde auf dem Presseraum-Podest Platz genommen hatte, war der Glanz aus seinen Augen gewichen. Nur noch Mattheit und Müdigkeit.  
Wie soll es einem schon gehen, wenn man gerade knapp fünfeinhalb Stunden auf der größten Bühne überhaupt Tennis auf allerhöchstem Niveau gespielt respektive zelebriert hat und schließlich der Gegner jubelt?
Er sei wirklich stolz auf das, was er in den vergangenen zwei Wochen in Paris erreicht habe, sagte Sinner. Dennoch überwiege freilich der Schmerz nach der bitteren Fünfsatz-Niederlage gegen Carlos Alcaraz (6:4, 7:6, 4:6, 6:7, 6:7).  
"Ich brauche jetzt ein bisschen Zeit für mich, werde mit meiner Familie und Freunden zusammen sein – und mal an andere Sachen als Tennis denken", sagte Sinner mit Blick auf die kommenden Tage. Erst danach wolle er sich auf die anstehende Rasensaison und das damit verbundene Highlight Wimbledon vorbereiten.

Drei Matchbälle reichen Sinner nicht

Auf dem heiligen Rasen in London vermochte Sinner noch nicht zu triumphieren, die Wimbledon-Trophäe bleibt – wie la Coupe des Mousquetaires, die es für den Sieg bei den French Open gibt – ein Traum des 23-Jährigen. Dabei war er diesmal so nah dran im Stade Roland-Garros.
Zwei Sätze in Front, drei Matchbälle beim Stand von 5:3 und 40:0 im vierten Satz (nach 3:46 Stunden). Am Ende einer epischen Tennis-Schlacht im roten Sand behielt dennoch Alcaraz die Oberhand.
picture

Enttäuschter Sinner: Die Pressekonferenz auf Englisch nach dem Finale

Quelle: Eurosport

Sinners bittere Marathon-Match-Statistik

Einerseits hatte das Duell gezeigt, dass Sinner und der Spanier dieser Tage in einer eigenen Liga spielen. Andererseits offenbarte Sinner, der auf dem Platz stets nahe an der Perfektion, quasi maschinell, abliefert, dass er mitunter doch noch menscheln kann.
Nämlich dann, wenn sich Spiele in Richtung der Vier-Stunden-Marke bewegen. Sinners ernüchternde Grand-Slam-Bilanz bei Marathon-Matches jenseits der 3:50 Stunden? 0:7!
  • 2025 French-Open-Finale gegen Alcaraz – 4:29 Stunden
  • 2024 Wimbledon-Viertelfinale gegen Daniil Medvedev – 4:00 Stunden
  • 2024 French-Open-Halbfinale gegen Alcaraz – 4:09 Stunden
  • 2023 French-Open 2. Runde gegen Daniel Altmaier – 5:26 Stunden
  • 2023 Australian-Open-Achtelfinale gegen Stefanos Tsitsipas – 4:00 Stunden
  • 2022 US-Open-Viertelfinale gegen Alcaraz – 5:15 Stunden
  • 2021 Australian Open 1. Runde gegen Denis Shapovalov – 3:55 Stunden
Auf ebenjene Statistik auf der PK angesprochen, antwortete Sinner: "Man kann dieses Spiel nicht mit den anderen vergleichen, glaube ich. Mir ging es physisch gut. Ich war natürlich etwas müde, aber das war Carlos auch."
picture

Das große Finale: Das sagt Becker zum epischen Turnier

Quelle: Eurosport

Die Nummer eins der Welt ergänzte: "Es war auch ein Spiel auf mentaler Ebene. Am Ende kennen wir alle das Resultat. Es ist, wie es ist. Ich kann es nicht ändern." Tatsächlich erweckte Sinner nicht den Eindruck, körperlich abzubauen. Grundsätzlich hat er in den vergangenen Jahren seine vermeintlichen Schwächen sukzessive abgebaut – bis quasi keine mehr übrigblieb. Außer eben der Umstand, noch nie ein Vier-Stunden-Spiel bei einem Grand Slam gewonnen zu haben.

Das hat Alcaraz Sinner noch voraus

Und genau das hat Alcaraz ihm (noch) voraus. Alleine drei der sieben Marathon-Matches gingen für Sinner gegen den Mann aus Murcia verloren. Alcaraz hat seinen langen Atem schon diverse Male unter Beweis gestellt. Man erinnere nur an das French-Open-Finaleduell mit Alexander Zverev im vergangenen Jahr (6:3, 2:6, 5:7, 6:1, 6:2 – 4:19 Stunden) oder an das legendäre Wimbledon-Finale 2023 gegen Novak Djokovic (1:6, 7:6, 6:1, 3:6, 6:4 – 4:42 Stunden).
Sinner wird sich von derlei Zahlen nicht aus der Ruhe bringen lassen. Obwohl er erst einmal in der Heimat mit Family und Friends verweilen will, hat er sein erstes Wimbledon-Endspiel längst ins Visier genommen. Derzeit ist es schwer vorstellbar, dass er dort auf jemand anderes als Alcaraz treffen wird.
Die nächste Chance, den Marathon-Match-Makel abzulegen, ist also in greifbarer Nähe.
picture

Top 5 eines epischen Finals: Alcaraz lacht zuletzt

Quelle: Eurosport


Mehr als 3 Mio. Sportfans nutzen bereits die App
Bleiben Sie auf dem Laufenden mit den aktuellsten News und Live-Ergebnissen
Download
Diesen Artikel teilen
Werbung
Werbung