French Open: Zverev nur noch einen Schritt von Erfüllung seines Grand-Slam-Traums entfernt - aller guten Dinge sind vier

Am Sonntag greift Alexander Zverev im Finale der French Open gegen Flavio Cobolli (15:00 Uhr) nach seinem ersten, lang ersehnten Grand-Slam-Titel im vierten Versuch. Es wäre die Vervollständigung seiner bis hierhin bereits großen Karriere. Vor Ort in Paris zieht sich Zverev vor dem wohl wichtigsten Spiel seiner Laufbahn so gut es geht zurück. Die Erwartungshaltung an den Olympiasieger ist immens.

Halbfinale: Zverev knackt Mensik und bucht Finale - Highlights

Quelle: Eurosport

Alexander Zverev überlegte einen Moment, ob er auf diese Frage antworten sollte. Dann blickte er auf und sprach mit einem leichten Grinsen im Gesicht: "Um ehrlich zu sein, will ich über diese Dinge im Moment gar nicht nachdenken. Frag' mich am Sonntag nochmal."
Über was er nun, da ihn seine Entwicklung in sein viertes Grand-Slam-Finale geführt hat, rückblickend in seiner von vielen Aufs und Abs geprägten Karriere, nachdenke. Was ihn hier her geführt habe, das wollte er in seiner Pressekonferenz am Freitagabend nicht besprechen.
Ähnlich lief es ab bei weiteren Fragen, die in irgendeiner Art und Weise von Sonntag abwichen oder Druck und Erwartungshaltung schürten. So war die deutsche Presserunde in nur zweieinhalb Minuten abgehandelt.
Die internationalen TV-Sender hatten zuvor je nur eine Frage erhalten. Zverev sprintete quasi durch die Mixedzone - im Gepäck sein Mantra: "Ich muss mir selbst vertrauen und auf mich schauen." Das sprach er aus, ohne unhöflich zu werden, aber mit der Bestimmtheit eines Grand-Slam-Finalisten, der gerade nicht im Scheinwerferlicht stehen möchte.

Zverev schottet sich in Paris vom Druck ab

Dann verschwand er mit Bruder und Manager Mischa und Sergej Bubka Junior in den Katakomben. Zverev, das ist in diesen Tagen von Paris die ganz klare selbst auferlegte Strategie, lässt sich auf keine Gedankenspiele ein und hält sämtliche seiner Verpflichtungen so kurz wie möglich.
Das ist seine Umgangsform mit einem immensen Druck und der Erwartungshaltung, welche hier seit der zweiten Woche der French Open auf dem Olympiasieger lastet.
"Seit der Niederlage von Jannik Sinner redet jeder davon, dass Alexander Zverev nun der Favorit ist", sagte etwa Eurosport-Experte Boris Becker: "Er geht damit hervorragend um, denn der Druck liegt bei ihm, egal, was er sagt."
Für Becker ist der Rückzug nach den Matches genau die richtige Strategie: "Er schottet sich ab, er hat seine Familie um sich und spielt vor allem hervorragendes Tennis - und zwar genau dann, wenn er es muss."

Zverev mit viel Erfahrung ins Finale

Den großen Titeldruck durch Sinners frühes Aus, der Niederlage von Novak Djokovic, den Pleiten weiterer Top-Ten-Spieler und das Fehlen des verletzten Titelverteidigers Carlos Alcaraz meistert Zverev tadellos.
Auch der 7:5, 6:2, 3:6, 6:3-Halbfinalsieg gegen den Tschechen Jakub Mensik geriet deshalb nie wirklich in Gefahr. "Ich hatte ein schlechtes Aufschlagspiel im dritten Satz nach seiner medizinischen Auszeit. Das passiert. Das ist Grand-Slam-Tennis", resümierte Zverev mit der Erfahrung eines 29-Jährigen, der auf Grand-Slam-Ebene bereits alles erlebt hat.
Die French Open sind sein 41. Grand-Slam-Turnier. In Paris stand er in Relation zu seinen frühen Erfolgen relativ spät erstmals im Viertelfinale eines Majors - 2018 war das. Seitdem folgten auf der größten Tennis-Bühne zehn Halbfinals, drei Finalteilnahmen samt zwei bitteren Niederlagen und eine brutale Knöchelverletzung inklusive einjähriger Comeback-Arbeit.
picture

Becker-Analyse: So gut war Zverevs zweiter Aufschlag im Halbfinale

Quelle: Eurosport

Cobolli kampflos ins Finale - Zverev nicht besorgt

Sprechen möchte er über diese Phasen zurzeit nicht. Dafür hat Zverev warme Worte für seinen Finalgegner Flavio Cobolli übrig, der am Freitag kampflos in sein erstes Grand-Slam-Finale einzog.
Ein Virus setzte Landsmann Matteo Arnaldi außer Gefecht. Der 25-Jährige hatte noch genügend Energie, um mit Cobolli zusammen eine Pressekonferenz abzuhalten. Das Duo hielt zwar rund drei Meter Abstand. Das Risiko Cobollis, sich zwei Tage vor dem größten Spiel seiner jungen Karriere solch einer nicht absehbaren Situation auszusetzen, sorgte in Paris jedoch für Kopfschütteln.
Zverev saß wenige Minuten später exakt dort, wo Arnaldi Platz genommen hatte. "Er ist super talentiert, super jung, er verbessert sich immer wieder", meinte der Deutsche über Cobolli, den er bei bislang vier Duellen dreimal besiegen konnte. Die einzige Niederlage kassierte Zverev in dieser Saison in München. In Madrid wenige Wochen später ging allerdings wieder der Hamburger als Sieger hervor.
picture

Zverev nach Finaleinzug: "Wird ein taffes Match"

Quelle: Eurosport

Zverev über Finalgegner Cobolli: "Er hat ein gutes Herz"

Dass der 24-jährige Cobolli im Halbfinale gar nicht spielen musste, mache für ihn "keinen Unterschied", meinte Zverev: "Ich fühle mich gut, ich habe auch keine brutal langen Matches gehabt." Den Deutschen und Cobolli verbindet zudem eine Freundschaft, die italienische Presse war ganz wild auf Infos zum Verhältnis der beiden.
"Für mich ist er einfach ein netter Mensch. Er hat ein gutes Herz", erklärte Zverev. Natürlich versuche man immer noch, den Gegner zu schlagen und zu gewinnen, aber das sei in Ordnung. Für ihn und auch Cobolli sei ein Grand-Slam-Finale "die höchste Stufe im Tennis", und es sei "schön, das zu teilen".
Den Italiener habe er beim Laver Cup in Berlin 2024 kennen- und schätzen gelernt. "Sein Vater und seine Familie sind einfach gute Leute", sagte Zverev noch, der verriet das Cobollis Vater ihn und seinen Vater in der Vergangenheit in schwierigen Momenten um Rat gefragt habe.
Das wird vor Sonntag aber nicht passieren - bei aller Freundschaft.
picture

Da staunt auch Agassi: Die Top-5-Punkte im Halbfinale Zverev vs. Mensik

Quelle: Eurosport


Mehr als 3 Mio. Sportfans nutzen bereits die App
Bleiben Sie auf dem Laufenden mit den aktuellsten News und Live-Ergebnissen
Download
Diesen Artikel teilen
Werbung
Werbung