Justin Engel greift nach Titel-Coup in Hamburg bei den Next Gen ATP Finals in Jeddah an - mit ambitioniertem Ziel
Justin Engel gilt als hoffnungsvollstes Talent im deutschen Tennis. Nach einer Saison mit Höhen, Tiefen und dem bislang größten Titel der Karriere greift der 18-Jährige nun bei den Next Gen ATP Finals in Jeddah an. Allein das ist aus deutscher Perspektive historisch, doch Engel hat noch etwas mehr vor. Die nötigen Qualitäten bringt der Franke mit, was nicht zuletzt an Philipp Kohlschreiber liegt.
Teenager Engel siegt bei ATP-Premiere in Kasachstan
Quelle: Perform
Zwei Worte brachten es auf den Punkt: "Making history", schrieb die ATP Ende der vergangenen Saison, als Justin Engel zum ersten Spieler des Jahrgangs 2007 oder jünger avancierte, der ein Match auf der Tour gewinnen konnte. Das sei "das beste Gefühl, dass ich mir vorstellen kann", sagte der damals 17-Jährige in Almaty.
Seitdem legte der Nürnberger eine bemerkenswerte Entwicklung hin. Zu Jahresbeginn an Position 398 der Weltrangliste notiert, arbeitete sich Engel mehr als 200 Plätze nach oben und ist derzeit an Nummer 187 des ATP-Rankings zu finden.
Und auch dabei setzte das deutsche Toptalent einen historischen Akzent: Beim ATP-Rasenturnier in Stuttgart schwang sich Engel zum zweitjüngsten Spieler seit Rafael Nadal im Jahr 1990 auf, der auf allen drei Belägen ein Tour-Match für sich entscheiden konnte. Der drittjüngste Profi, dem dies gelang, heißt übrigens Alexander Zverev.
Eine Parallele, die Hoffnungen nährt, dass Engel irgendwann in die Sphären vordringen kann, die Zverev erreicht hat. Nachvollziehbar, aber auch sehr früh und nicht unbedingt hilfreich, wie Philipp Kohlschreiber unterstrich. "Er ist ein junger Mensch, es prasselt unglaublich viel auf ihn ein. Die Erwartung an Justin ist durch den medialen Auftritt höher geworden", erklärte der 42-Jährige, der dem Rechtshänder in diesem Jahr für ein paar Monate als Coach zur Seite stand.
Künftig wird Engel seinen Lebensmittelpunkt nach Monaco verlegen, um von den guten dortigen Trainingsbedingungen zu profitieren auf dem Weg zu neuen Meilensteinen in 2026: "Mein Ziel für nächstes Jahr ist, dass ich mich für einen Grand Slam qualifiziere. Egal ob über die Rankings oder die Quali. Und am Ende des Jahres Top-100", sagte Engel in einer Gesprächsrunde der ATP: "Großes Ziel, aber ich sehe es positiv und gebe mein Bestes."
Kohlschreiber lobt Engel: "Er ist eine Arbeitsmaschine"
Die Kooperation mit Kohlschreiber war eine wichtige Zwischenetappe auf Engels Weg, der trotz des großen Talents ein steiniger bleibt, Rückschläge eingeschlossen. Topergebnissen wie dem Viertelfinaleinzug beim ATP-Event in Stuttgart standen eine Reihe von Auftaktniederlagen bei Challenger-Wettbewerben wie jenen in Koblenz, Braunschweig, Hagen, Saint-Tropez oder Olbia gegenüber. Auch der Traum von der ersten Grand-Slam-Teilnahme platzte bei den US Open bereits in der 1. Runde der Qualifikation.
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Coach Philip Kohlschreiber beim Training mit Justin Engel
Fotocredit: Imago
Engel aber bringt die Schlüsselqualität mit, um diese - normalen - Enttäuschungen wegzustecken. "Er hat einen unglaublichen Willen, er ist eine Arbeitsmaschine", betonte Kohlschreiber. "Man muss ihn nie motivieren, eher bremsen." Er habe seinen Schützling darauf vorbereitet, dass Rückschläge kommen, dass es "schwere Phasen" geben und "nicht immer steil nach oben" gehen wird. Das habe hervorragend funktioniert.
Engel nach Titel-Coup: "Es war einfach unglaublich"
Neben Kohlschreiber, dessen Engagement vorerst ausgelaufen ist, kann Engel auf seinen Vater Horst als Coach bauen. Dazu arbeitete der Weltranglisten-187. zuletzt mit Ulf Fischer zusammen, der sich unter anderem als Co-Trainer der deutschen Davis-Cup-Auswahl einen Namen machte. Personalentscheidungen, die offensichtlich clever gewählt waren.
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Justin Engel greift bei den Next Gen ATP Finals an
Fotocredit: Imago
Der Lohn ließ indes nicht lange auf sich warten: Ende Oktober feierte Engel den bislang größten Erfolg seiner jungen Laufbahn und gewann in Hamburg auf Hartplatz seinen ersten Titel auf Challenger-Niveau. "Es war einfach unglaublich", freute sich der 18-Jährige. "Mittlerweile ist Hamburg meine Lieblingsstadt." Ein echter Lieblingsbelag dürfte sich dagegen erst noch herausbilden. Bislang favorisiere "alles im Freien, wenn die Sonne scheint", zitiert die ATP den Youngster, zu dessen Paradeschlägen die Rückhand "down the line" gehört.
Next Gen ATP Finals - Engel schreibt Geschichte
Der Titel in der Hansestadt aber war ohne Zweifel ein Statement, ein klares Signal, wohin die Reise gehen soll. Durch den Erfolg und die Absage von Jakub Mensik gelang sogar auf den letzten Drücker die Qualifikation für die Next Gen ATP Finals im saudischen Jeddah (17. bis 21. Dezember). Beim Saisonabschlussevent der acht besten U20-Spieler der Saison geht Engel als jüngster Teilnehmer an den Start.
"Als ich die Nachricht von meinem Manager bekommen habe, habe ich mich so gefreut, dass ich gefühlt durch die ganze Halle geschrien habe", berichtet Engel: "Yes! Das war ein mega Gefühl."
Er ist - und jetzt wird es wieder historisch - der erste deutsche Tennisspieler, der jemals bei dem 2017 eingeführten Turnier aufschlägt. In der Roten Gruppe bekommt es Engel zum Auftakt mit dem Belgier Alexander Blockx) zu tun, danach geht es gegen Dino Prizmic aus Kroatien und Nishesh Basavareddy (USA).
Die Teilnahme mag überraschend gekommen sein, ein ambitioniertes Ziel hat Engel aber trotzdem im Gepäck dabei: "Ich genieße es und ich will mich für das Halbfinale qualifizieren", stellte der Teenager klar. Gelingt der Sprung in die K.o.-Runde, würde Engel, man ahnt es, deutsche Tennis-Geschichte schreiben ...
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Highlights: Auger-Aliassime zu stark - Engel-Lauf gestoppt
Quelle: SNTV
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