DTB weist Vorwürfe von Boris Becker zurück - Veronika Rücker widerspricht Kritik am deutschen Tennis-Nachwuchs
Publiziert 21/05/2026 um 15:22 GMT+2 Uhr
Boris Becker hat mit seiner Kritik am deutschen Tennis-Nachwuchs eine Debatte ausgelöst. Der frühere Wimbledon-Sieger stellte Trainingsfleiß und Entwicklung der Talente infrage. Der Deutsche Tennis Bund (DTB) widerspricht den Vorwürfen des 58-Jährigen jedoch deutlich. DTB-Vorständin Veronika Rücker verteidigte die Arbeit mit den Nachwuchsspielern und betonte deren hohe Einsatzbereitschaft.
Becker ordnet Alcaraz und Sinner ein: "Wie Feuer und Eis"
Quelle: Perform
Die deutschen Tennis-Talente zeigen gute Ansätze, sind aber noch weit von der Weltspitze entfernt. Becker äußerte kürzlich Kritik am Nachwuchs. Auf Nachfrage von Eurosport wies DTB-Vorständin Veronika Rücker diese Vorwürfe zurück.
Der Deutsche Tennis-Nachwuchs stand zu Beginn des ATP-500-Turniers am Hamburger Rothenbaum im Fokus. Der 18-jährige Max Schönhaus qualifizierte sich erstmals in seiner Karriere für das Hauptfeld eines ATP-Turniers, scheiterte aber in der 1. Runde an seinem Landsmann Yannick Hanfmann.
Der ebenfalls 18-jährige Justin Engel machte gegen den Franzosen Ugo Humbert (ehemalige Nummer 13 der Weltrangliste) ein starkes Spiel, verlor aber ebenfalls in Runde eins.
Die beiden Jungprofis bewiesen ihr Potenzial, bekamen viel Applaus – aber genügt das? Engel steht auf Platz 190 der Weltrangliste, Schönhaus auf Platz 452. Die weiteren Talente Tom Gentzsch (22 Jahre, Platz 219), Marko Topo (22 Jahre, Platz 272) oder Diego Dedura (18 Jahre, Platz 281) sind in Lauerstellung, warten aber noch auf ihren Durchbruch.
Becker: Früher in dem Alter Grand Slams gewonnen
Tennis-Legende Becker merkte bereits im März in seinem Podcast mit Andrea Petkovic an: "Es gab Zeiten, da haben Spieler in diesem Alter Grand Slams gewonnen. Jetzt freuen wir uns, wenn ein 19-, 20-Jähriger in der Nähe von den ersten 100 kommt. Also haben sich unsere Ansprüche verlagert?"
Rücker, die im DTB-Vorstand u.a. für die Nachwuchsarbeit zuständig ist, wies dies auf Nachfrage von Eurosport von sich. "Ich finde nicht, dass sich die Ansprüche geändert haben. Man darf nicht verkennen, dass wir aktuell immerhin die Nummer drei der Welt aus Deutschland haben - das wird in der kritischen Berichterstattung häufig vergessen", sagte sie in Anspielung an Alexander Zverev.
Alcaraz und Sinner absolute Ausnahmen
Den jüngeren Talenten müsse man Zeit geben: "Ich glaube, die Wege sind heute nicht mehr so wie früher, dass man einfach durchstartet. Ein Carlos Alcaraz ist aus meiner Perspektive eine Ausnahme, Jannik Sinner auch. Wenn wir die langfristige Entwicklung betrachten, kommen die Spieler heute deutlich später. Deshalb sollten wir die Erfolge, die sie bereits haben, auch würdigen und als positive Signale sehen - und ihnen Zeit geben."
/origin-imgresizer.eurosport.com/2026/05/13/image-8a323f85-7885-477d-8cb8-10f83723c378.jpeg)
Carlos Alcaraz und Jannik Sinner pflegen ein gutes Verhältnis
Fotocredit: Getty Images
Als positives Beispiel nannte die DTB-Vorständin unter anderem Tom Gentzsch: "Er hat sich relativ spät entschieden, professionell zu spielen, und steht jetzt davor, sich für das Hauptfeld der French Open zu qualifizieren. Er ist 22 - aber das ist keine späte Entwicklung, sondern eine beeindruckende."
DTB weist Becker-Kritik zurück
Becker kritisierte auch den Trainingseifer vieler junger Spieler. "Trainieren die heute noch vier Stunden oder machen sie das über zwei Stunden? Weil ich weiß, Alcaraz und Sinner trainieren sechs Stunden. Wenn du etwas häufiger wiederholst, wirst du einfach besser, körperlich und geistig", sagte Becker. "Es ist immer die Frage, wohin möchte man. Ist man zufrieden mit den Top-100 der Welt, Top-50 der Welt oder will man der beste Spieler der Welt werden? Dann muss man aber mehr tun als der Rest."
Rücker empfand diese Worte als ungerechtfertigt: "Ich tue mich schwer mit der Kritik an der jungen Generation, weil ich den Eindruck habe, dass die Spieler alles geben, um ihren Traum vom Profidasein zu verwirklichen. Ich sehe keinerlei mangelnde Trainingsbereitschaft oder fehlende Bereitschaft, sich zu quälen."
/origin-imgresizer.eurosport.com/2026/05/21/image-8d5f3387-efc7-49a2-b327-0b03714570b9.png)
Boris Becker wird die French Open 2026 als Experte für Eurosport begleiten
Fotocredit: Eurosport
Zudem bezweifelt sie, dass es noch zeitgemäß wäre, sechs bis sieben Stunden am Tag zu trainieren: "Trainingsphilosophien haben sich in den vergangenen 20 bis 25 Jahren weiterentwickelt. Allein die Athletik hat heute eine ganz andere Bedeutung und Priorität als früher. Deshalb kann man die Maßstäbe von damals nicht einfach auf heute übertragen und daraus ableiten, die junge Generation tue nicht genug." Rücker sei sich absolut sicher, "dass diese Spieler mit viel harter Arbeit und viel Schweiß alles investieren, um ihren Traum zu verwirklichen."
Becker kritisiert auch Rücker
Auch Rücker selbst wurde von Becker in dem Podcast kritisiert, da sie selber keine aktive Erfahrung im Tennis sammeln konnte: "Ich will niemandem zu nahetreten, aber wenn ich in den Supermarkt gehe und für den Abend einkaufen soll, aber noch nie gekocht habe, weiß ich doch ich nicht, was ich einkaufen soll." Man brauche Menschen, "die schon mal gespielt haben, die wissen, wie international trainiert wird."
Wie diese Worte bei Rücker ankamen? "Die Kritik von Boris Becker hat mich tatsächlich überrascht, zumal wir bislang noch gar nicht viele Berührungspunkte hatten, in denen wir im Austausch waren", antwortete sie.
"Ich kann aber sagen: Wir haben das inzwischen geklärt. Wir haben ein Gespräch in München geführt und werden auch weiter im Austausch bleiben. Boris hat zugesagt, dass er sich unser neues Leistungssportkonzept detailliert anschauen wird und dann gegebenenfalls mit Optimierungsvorschlägen auf uns zukommt. Anschließend werden wir den Austausch fortsetzen."
Möglicherweise kommen Becker und der DTB ja doch noch auf einen Nenner…
Das könnte Dich auch interessieren: PK-Abbruch nach 15 Minuten: Tennis-Stars machen Druck auf French Open
/origin-imgresizer.eurosport.com/2026/05/20/image-9ce1add1-88f9-4f28-bc14-7995862399f5-85-2560-1440.png)
Er ist wieder da! Djokovic trainiert und scherzt mit Zverev in Paris
Quelle: SNTV
Ähnliche Themen
Werbung
Werbung