Erst die Met Gala in New York, dann die Londoner Fashion Week und dazwischen TV-Interviews. Für Emma Raducanu müssen die vergangenen Wochen wie ein Traum gewesen sein. Nach ihrem US-Open-Triumph gegen Leylah Fernandez hat die 18-Jährige die Tennis-Welt im Sturm erobert.
Nicht nur in ihrer Heimat Großbritannien wird Raducanu, Tochter eines Rumänen und einer Chinesin, geboren in Kanada und aufgewachsen in der britischen Stadt Bromley, als der nächste große Superstar der Sportwelt gefeiert.
PR-Experten sagen der jungen Athletin mögliche Karriereeinnahmen von über eine Milliarde Euro voraus. Firmen wie Nike, Aston Martin und Chanel haben Interesse. Ein neuer Sponsorenvertrag mit Juwelier Tiffany & Co. soll ihr bereits eine siebenstellige Summe einbringen.
ATP Halle
Vertragsverlängerung: Zverev bleibt Turnier in Halle treu
22/09/2021 AM 12:12
Doch langsam, langsam. Erst einmal steht Raducanu vor der Aufgabe, den neugewonnenen Ruhm zu verarbeiten und an ihren Erfolg bei den US Open anzuknüpfen.

Emma Raducanu wohl in Indian Wells dabei

Sportlich legt die Britin nach ihrem Grand-Slam-Sieg aktuell eine Pause ein. Ihre Teilnahme am WTA-Turnier in Chicago, das in der kommenden Woche beginnt, sagte sie ab. Nun rechnen alle mit einer Rückkehr beim prestigeträchtigen Masters in Indian Wells (ab 6. Oktober). Für dieses Turnier muss Raducanu allerdings trotz ihres US-Open-Titels auf eine Wildcard hoffen oder in der Qualifikation starten.
Denn die Meldungsphase für Indian Wells endete noch vor den US Open. Damit zählt dort ihre alte Weltranglistenposition 150, die sie vor New York inne hatte. Mittlerweile liegt die 18-Jährige auf Rang 22. Ein Startplatz in Indian Wells dürfte Raducanu nach ihrem Durchmarsch bei den US Open - als erste Qualifikantin in der Grand-Slam-Geschichte holte sie den Titel - aber sicher sein.
Das neue, strahlende Gesicht des Tennis-Sports wird jeder Veranstalter gerne an Bord haben, zumal mit Roger Federer, Rafael Nadal und Serena Williams gleich mehrere Top-Stars in Indian Wells fehlen werden.

Emma Raducanu auf der Londoner Fashion Week

Fotocredit: Eurosport

Lob für Raducanu: "Wie Steffi Graf"

Die 18-Jährige, die für ihren Sieg bei den US Open rund 2,1 Millionen Euro Preisgeld kassierte, wurde seit ihrem Triumph geradezu mit Lob überschüttet. Nicht nur Queen Elizabeth II. und viele weitere Prominente gratulierten Raducanu. Auch aus der Tennis-Welt gab es von vielen Experten Anerkennung.
Die ehemalige britische Tennisspielerin Jo Durie zog in der "Daily Mail" bereits Vergleiche zu großen Namen: "Emma hat denselben Antrieb, wie ihn auch Jennifer Capriati oder Steffi Graf hatten. Wenn ich gegen Steffi oder Jennifer gespielt habe, fühlte es sich an, als käme mir der Platz entgegen." So dürften sich auch die Gegnerinnen von Raducanu fühlen, mutmaßte die ehemalige Nummer fünf der Welt. Raducanu sei "furchtlos".
Scott Loyd, der Chef des britischen Tennisverbandes (Lawn Tennis Association), warnte jedoch davor, zu viel von dem Tennis-Juwel zu erwarten: "Sie wird sich anpassen und etwas durchatmen müssen. Es wird ein paar Rückschläge geben. Daran muss sie sich gewöhnen."

Emma Raducanu mit ihrem Vater Ian.

Fotocredit: Eurosport

Ex-Star-Coach warnt vor zu hohen Erwartungen

Auch Nick Bollettieri, Ex-Trainer von André Agassi und Maria Sharapova, erklärte in der "Daily Mail": "Die nächsten Turniere, auch bei den Grand Slams, sind wichtig. Wir werden sehen, wie sie mit dem Ruhm und den Erwartungen umgeht, etwas nie Dagewesenes geschafft zu haben." Raducanus mentale Kontrolle sei jedoch "großartig": "Sie ist nicht zerbrochen, sondern hat gelächelt und weitergemacht."
"Bemerkenswert war aber vor allem ihre Fußarbeit", analysierte Bollettieri: "Das ist das Fundament für alles." Man könne dennoch nicht mit Sicherheit sagen, ob Raducanu diese Leistungen konstant abrufen kann, so der ehemalige Star-Coach: "Ich sehe ihr Potenzial. Ich hoffe, sie macht so weiter. Aber bleibt locker und lasst sie atmen. Sie wird ihren Weg gehen."
Auch die Teenagerin selbst nimmt sich nach ihrem Überraschungscoup nicht allzu wichtig. Angesprochen auf die Frage, ob sie sich von dem Preisgeld schon etwas gekauft habe, sagte Raducanu bei der "BBC": "Meine Eltern kümmern sich darum. Ich habe noch nichts gekauft. Tennis ist ein teurer Sport, die ganzen Reisen und Ausgaben. Ich werde es wahrscheinlich dafür nutzen."
Ob die 18-Jährige schon bald an ihren Triumph anknüpfen kann, wird sich zeigen. Eines ist jedoch sicher: Den Namen Emma Raducanu sollte man sich merken.
Das könnte Dich auch interessieren: Big Three nicht dabei: Das sind jetzt die Anführer beim Laver Cup

Das Gelbe vom Ball – Der Tennis-Podcast von Eurosport:

Becker sicher: Raducanu und Fernandez revolutionieren das Damentennis

WTA Ostrau
Überraschung in Ostrau: Kerber scheitert in Runde eins
21/09/2021 AM 21:24
Tennis
"Eindimensional": Tsitsipas wundert sich über Medvedevs Spielstil
21/09/2021 AM 15:25