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Trotz Federer und Djokovic: Darum ist Nadal der Größte aller Zeiten

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Rafael Nadal

Fotocredit: Getty Images

VonTobias Laure
05/12/2019 Am 10:38 | Update 05/12/2019 Am 10:45

Roger Federer gilt gemeinhin als größter Tennisspieler aller Zeiten, was nicht erstaunt. Der Schweizer hat die meisten Grand-Slam-Titel geholt, die meisten Turniere gewonnen und die längste Zeit an Platz eins der Weltrangliste verbracht. Dennoch wird bei genauerem Hinsehen klar, dass der "Titel" des größten Spielers aller Zeiten genauso Rafael Nadal gebührt. Eurosport.de nennt die Gründe.

Es war Roger Federer, der die Misere seines großen Rivalen auf den Punkt brachte: "Nadal ist bei Weitem nicht nur der Sandplatzkönig", erklärte der Schweizer im vergangenen Jahr. "Immer wenn er in Paris gewonnen hat, wird nur über Sand gesprochen - aber er ist viel mehr als das." Genau das wurde über Jahre in Abrede gestellt, wenn Nadal mit Federer und Novak Djokovic verglichen wurde.

Die Zeiten, in denen an den Allround-Qualitäten des zwölfmaligen French-Open-Champions gezweifelt wurde, sind inzwischen vorbei. Mehr noch: In der ewigen Frage nach dem größten Spieler aller Zeiten, dem GOAT, sammelt Nadal fleißig Argumente in eigener Sache.

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Mit 19 Grand-Slam-Titeln ist er nur noch hauchdünn hinter Federer (20) zurück. Dazu kam der 33-Jährige in der Saison 2019 auf drei (Sand, Hartplatz, Indoor) von vier offiziellen Belägen der ATP auf die höchste Siegquote aller Spieler - nur auf Rasen musste er sich mit Rang vier begnügen. Der Mallorquiner ist in der Lage, sein perfekt auf Sand ausgelegtes Powerspiel mit Extrem-Spin so zu modifizieren, dass er auch auf den übrigen Belägen der Beste der Welt sein kann.

Nun ist die Frage nach dem größten Spieler aller Zeiten freilich eine theoretische, nicht abschließend beantwortbare. Schwer genug, Nadal, Federer und Djokovic zu vergleichen - aber was ist mit Björn Borg, Pete Sampras, Roy Emerson oder Rod Laver? Es wäre eine Endlos-Debatte.

Nadal der größte Fighter aller Zeiten?

Es gibt allerdings einen - zugegebenermaßen nicht messbaren - Grund, der aus Sicht vieler Spieler, Trainer und Experten für Nadal spricht: die emotionale Stärke, der mitunter übermenschlich scheinende Wille. Der aktuelle Weltranglistenachte Matteo Berrettini etwa erklärte im September:

Rafa ist der größte Kämpfer, den es in diesem Sport je gegeben hat.

Es sei schlicht "unglaublich", Nadals Einstellung sei "nah dran an der Perfektion". Diego Schwartzman verglich Nadal derweil mit einem "Löwen inmitten des Dschungels".

"It ain’t over till it’s over" - das berühmte Sportler-Zitat, das Baseball-Legende Yogi Berra zugeschrieben wird, passt wohl zu keinem Tennisprofi besser als zu Nadal. Tatsächlich liefert Nadal Saison für Saison eindrucksvolle Bestätigungen seiner mentalen Stärke ab. So wie im November bei den ATP Finals in London, als er Daniil Medvedev nach einem 1:5-Rückstand im entscheidenden dritten Satz noch schlug.

Rafael Nadal im Gespräch mit Roger Federer

Fotocredit: Eurosport

Es sind Matches wie dieses, mit denen sich Nadal unglaublichen Respekt bei der Konkurrenz verschafft. Respekt, aber auch Bewunderung. So verwundert es kaum, wenn Federer sagt:

Wer hätte gedacht, dass er in diesem Jahr - elf Jahre, nachdem er zum ersten Mal die Nummer eins der Welt war - wieder Weltranglistenerster sein wird?

Es sei immer gesagt worden, so Federer, "dass sein Spiel zu brutal sei. Aber er hat einen Weg gefunden und erneut ein unglaubliches Jahr mit zwei Grand-Slam-Siegen gehabt."

Woher Nadal diese Zähigkeit, diesen Kampfgeist hat, erschließt sich, wenn man seinem langjährigen Trainer und Onkel Toni Nadal zuhört. "Es ist viel besser, auf harte Arbeit zu setzen, als auf Talent", hatte der 58-Jährige stets gepredigt. Bei Nadal kommen beide Komponenten zusammen, vielleicht sogar in höherem Maße als bei allen anderen Spielern der Tennis-Historie.

Nadal - ein Mann der Rekorde

Wer es mehr mit messbaren Erfolgen und Rekorden hat, wird bei Nadal ebenfalls fündig. Dass kein anderer Spieler 12 Titel bei einem Grand-Slam-Event gewonnen hat, ist hinlänglich bekannt. In Vergessenheit gerät derweil gerne, dass Nadal bereits mit 24 Jahren alle vier Majors mindestens einmal für sich entschieden hatte - als jüngster Profi der Open Era.

Der Superstar aus Spanien ist bis heute der einzige Spieler der Geschichte, der neben den vier Grand-Slam-Wettbewerben Olympia-Gold im Einzel und Doppel geholt hat. Damit einher geht der sogenannte Karriere-Golden-Slam, der Gewinn der vier Grand-Slam-Turniere sowie des Olympia-Titels im Einzel. Diesen Erfolg darf sich neben Nadal nur André Agassi in die Vita schreiben. Nadal triumphierte überdies in 13 verschiedenen Spielzeiten bei einem Grand-Slam-Event - auch das ein Rekord. Seine Serie von 81 Siegen in Serie auf Sand - unerreicht.

French-Open-Champion Rafael Nadal

Fotocredit: Getty Images

Was auffällt: Obwohl Nadal einen Spielstil pflegt, der ihn körperlich extrem belastet und ihm vor allem massive Knieprobleme einbrachte, verordnete er sich über viele Jahre ein enormes Pensum. Im Unterschied zu Federer und Djokovic war Nadal regelmäßig im Davis Cup aktiv - und gewann ihn mit Spanien auch satte fünf Mal. Die Rivalen aus der Schweiz und Serbien triumphierten mit ihren Ländern jeweils "nur" einmal.

Die Frage, ob all' das reichen kann, um Nadal zum größten Spieler aller Zeiten zu machen, muss unbedingt bejaht werden. Oder um es mit den Worten von Federer zu sagen: "Rafa ist so gut, er wird vielleicht als größter Spieler aller Zeiten in die Geschichte eingehen."

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