US Open: Alexander Zverev steht im Finale von New York

Alexander Zverev hat bei den US Open mit einer historischen Aufholjagd das Finale erreicht. Der Deutsche bezwang im Halbfinale den Spanier Pablo Carreño Busta nach 0:2-Satzrückstand 3:6, 2:6, 6:3, 6:4, 6:3 und ist damit der erste Deutsche seit Rainer Schüttler 2003 bei den Australian Open, der ein Grand-Slam-Finale erreicht. In Endspiel trifft Zverev am Sonntag auf den Österreicher Dominic Thiem.

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Für Alexander Zverev (Hamburg/Nr. 5) war es bei der 20. Grand-Slam-Teilnahme das erste Mal, dass er einen 0:2-Satzrückstand noch drehen konnte. Nach 3:22 Stunden verwandelte der 23-Jährige seinen zweiten Matchball.
"Das war das erste Mal in meiner Karriere. Ich bin froh, dass es mir auf dieser Bühne, einem Grand-Slam-Halbfinale gelungen ist", sagte Zverev zu seiner Aufholjagd.
Der im Laufe der Partie am Rücken angeschlagene Pablo Carreño Busta (Spanien/Nr. 20) verpasste derweil wie 2017 den Einzug ins Finale der US Open - vor drei Jahren war er an Kevin Anderson gescheitert.
Dabei sah zunächst alles nach einem sicheren Finaleinzug des Spaniers aus. Zverev fand in einer alles andere als hochklassigen Partie in den ersten zwei Sätzen überhaupt nicht zu seinem Spiel, machte viel zu viele Fehler und servierte zu inkonstant. So lag der Weltranglistensiebte im ersten Satz schnell 1:5 und im zweiten 0:5 hinten.
"Ich habe auf die Anzeigetafel geschaut und es nicht glauben können", erzählte Zverev später im Siegerinterview: "Ich spiele hier ein Halbfinale, in dem ich der Favorit sein sollte, und bin chancenlos, weil ich so schlecht spiele." Carreño Busta, 27. der Weltrangliste und zuvor wie Zverev noch nie in einem Grand-Slam-Finale vertreten, reichte tatsächlich Normalform, um Zverev im Zaum zu halten.

Alexander Zverev steigert sich

"Er ist zu nervös, nicht aggressiv genug vom Kopf her. Ich habe das Gefühl, er ist immer noch beim Warmmachen", monierte Bruder Mischa Zverev nach dem zweiten Satz in einer Videoschalte bei Eurosport.
Als hätte er es gehört, startete der jüngere Zverev dann aber deutlich verbessert in den dritten Durchgang. "Ich wusste, dass ich besser und stabiler spielen musste", sagte er später. Der Deutsche stellte per Break auf 3:1, kassierte das Rebreak, breakte jedoch erneut (4:2) und holte sich den dritten Satz 6:3. Bei Carreño Busta machten sich Verletzungsprobleme im Rückenbereich bemerkbar, der Spanier servierte nur noch mit verminderter Geschwindigkeit.
Zverev ging dagegen aggressiver zur Werke, ging auch mit dem zweiten Aufschlag mehr Risiko. "Ich musste etwas ändern, aggressiver werden. Das hat sich ausgezahlt", sagte der Deutsche, der sogar einmal einen zweiten Aufschlag mit 208 km/h servierte und insgesamt 24 Asse schlug (bei acht Doppelfehlern).

Zverev besser beim Breakfestival

Auch der vierte Durchgang startete turbulent: Zverev erarbeitete sich gleich im ersten Aufschlagspiel seines Gegenübers einen Breakball - der Spanier parierte. Zverev breakte Carreño Busta zwei Spiele später zum 2:1, dem Spanier gelang jedoch sofort das Rebreak. Beim 3:2 für Carreño Busta ging es abermals über Einstand, bei 3:3 nahm Zverev dem 29-Jährigen erneut dessen Service ab und blieb bis zum 6:4 stabil - Satzausgleich.
Zum Start des Entscheidungssatzes nahm sich Carreño Busta eine Pause und ließ sich vom Physio am Rücken behandeln. Prompt nahm ihm Zverev zum siebten Mal den Aufschlag ab und hielt seinen Aufschlag trotz zweimaligem Einstand (2:0). Danach brannte nichts mehr an. Bei 5:3 verwandelte Zverev bei Aufschlag Carreño Busta seinen zweiten Matchball.
"Die Bedingungen heute waren komplett anders", sagte der Sieger: "Sonst habe ich immer tagsüber gespielt. Diesmal war der Ball nicht so schnell, darum war mein Aufschlag nicht so effektiv. Aber jetzt stehe ich in meinem ersten Grand-Slam-Halbfinale und das ist alles, was zählt."
In Summe brachte Zverev am Ende 62 Prozent seiner ersten Aufschläge ins Feld. Mit dem zweiten Service gewann er aber nur 37 Prozent der Punkte. Insgesamt ergaben sich so 38 Breakchancen für beide Halbfinalisten (21 für Zverev). Zverev gelangen acht Breaks, seinem Gegner sieben.

Zverev auf den Spuren von Boris Becker

Der letzte Deutsche in einem Grand-Slam-Finale war zuvor Rainer Schüttler, der 2003 bei den Australian Open Andre Agassi unterlag (2:6, 2:6, 1:6).
Als letzter deutscher Grand-Slam-Sieger steht aktuell noch Boris Becker in den Geschichtsbüchern (Australian Open, 1996 - 6:2, 6:4, 2:6, 6:2 gegen Michael Chang). Becker war 1989 auch der bislang einzige Deutsche, der in New York den Titel gewinnen konnte (7:6, 1:6, 6:3, 7:6 gegen Ivan Lendl). Letzter deutscher Finalist bei den US Open war Michael Stich 1994 (1:6, 6:7, 5:7 gegen Andre Agassi).
"Das war großer Sport, das war Weltklasse", lobte Eurosport-Experte Becker, der in der Kommentatorenkabine neben Matthias Stach still mit zwei erhobenen Fäusten mitgejubelt hatte:

Zverev will noch einen Schritt gehen

Zverev, der bei den Australian Open 2020 als bis dato bestes Karriere-Ergebnis das Halbfinale erreicht hatte, trifft im Finale am Sonntag (22:00 Uhr live bei Eurosport) auf Dominic Thiem (Österreich/Nr. 2), der ihm in Melbourne noch das Endspiel verwehrt hatte (6:3, 4:6, 6:7, 6:7). Thiem setzte sich am Abend glatt gegen Daniil Medvedev durch.
"Ich könnte nicht glücklicher sein", sagte Zverev: "Aber ich habe noch einen Schritt vor mir."

Das Gelbe vom Ball - der Tennis-Podcast von Eurosport:

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