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US Open: Alexander Zverev mit klarem Nachteil gegen Carlos Alcaraz im Viertelfinale - der Coup ist trotzdem drin
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Publiziert 06/09/2023 um 11:19 GMT+2 Uhr
Alexander Zverev scheint sehr gut gerüstet für die große Aufgabe bei den US Open. Der 26-Jährige will im Viertelfinale Titelverteidiger Carlos Alcaraz aus dem Turnier werfen. Allerdings geht Zverev, trotz seiner extrem steil ansteigenden Formkurve, mit einem klaren Nachteil gegenüber dem Spanier ins Match. Diesen wettzumachen ist die wohl größte Schwierigkeit, die der Hamburger zu bewältigen hat.
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Auf diesen einen Tag im Mai blickt Alexander Zverev sicher mit gemischten Gefühlen zurück.
Madrid ist eines seiner Lieblingsturniere. Den Masters-Wettbewerb gewann er bereits zweimal. Die Höhe und der damit verbundene massive Absprung der Bälle beim Aufschlag machen es in der Caja Mágica für Zverevs Gegner nochmals etwas schwerer als ohnehin schon.
Carlos Alcaraz aber fegte an diesem 2. Mai über Zverev hinweg - 6:1 und 6:2 lautete der Endstand im Achtelfinale und das Ergebnis spiegelte den deutlichen Spielverlauf wieder, in dem mehr als ein Klassenunterschied zu sehen war.
Ein paar Wochen später spielte Zverev bei den French Open die Bedeutung dieses Matches herunter, er sei zu jenem Zeitpunkt erst kurz schmerzfrei gewesen und noch nicht da, wo er sein müsste, um Alcaraz ein Match bieten zu können.
Die allgemeinen Rahmenbedingungen haben sich seitdem immens verbessert. Die regenerativen und physischen Voraussetzungen in dieser zweiten Grand-Slam-Woche aber, sie sprechen klar für Alcaraz.
Zverev: "Bin physisch wieder da"
Zverevs Formkurve zeigt nach oben. Die US Open sind Zverevs zehntes Turnier seit diesem Match in Madrid. Fünfmal hat er mindestens das Halbfinale erreicht, dabei zwei Top-10-Spieler besiegt. Zuletzt im "Marathon" gegen Jannik Sinner in der Nacht zum Dienstag im Achtelfinale von New York. Alleine während dieses Grand-Slam-Turniers, als Referenz dient das Match gegen Daniel Altmaier in Runde zwei, hat sich Zverev extrem gesteigert.
Wie bereits nach dem Sieg in der Runde zuvor gegen einen in den ersten beiden Sätzen brutal gut spielenden Grigor Dimitrov, lobte Zverev auch nach der Sinner-Partie in der Pressekonferenz das Level. "An erster Stelle zunächst mal war es ein sehr hohes Niveau."
Auch den Gesamtkontext dieser Leistung, die den erst zweiten Sieg gegen einen Top-10-Spieler bei einem Grand Slam besiegelte, ordnete Zverev ein. "Das zeigt so ein bisschen, dass ich physisch wieder da bin. Ich bin im Viertelfinale und möchte mich vorbereiten."
Pressekonferenz im Schnelldurchlauf
Viel mehr Sätze gab Zverev den Reportern nicht. Nach den fast fünf Stunden auf dem Center Court und einiger weiterer Zeit für die ersten regenerativen Maßnahmen mit seinem Team nach so einem extremen Match schleppte sich Zverev mitten in der Nacht noch zur anberaumten Presserunde, die der Pressesprecher der ATP in nur fünf Minuten abhielt - wohlgemerkt in englisch und in deutsch.
Aus Zverevs Position war der Schnelldurchgang verständlich. Er hatte schon zu diesem Zeitpunkt einen erheblichen Wettbewerbsnachteil gegenüber Alcaraz. Der Spanier hatte seinen italienischen Gegner Matteo Arnaldi in der "Day Session" klar und schnell unter zwei Stunden in drei Sätzen besiegt und hatte bereits am frühen Abend mit seinen Medienverpflichtungen abschließen können.Im Turnierverlauf stand Alcaraz nur 8:36 Stunden auf dem Platz, Zverev fast sechs Stunden mehr (14:15).
Zverev: "Musste Schuhe dreimal wechseln"
Obwohl es nicht regnete, spielte Alcaraz - anders als Zverev in der Nacht - unter geschlossenem Dach. Der Hamburger ließ es sich nicht nehmen, das zu erwähnen. "Es war heute der heißeste Turniertag, den wir hatten und am Nachmittag haben sie mit geschlossenem Dach gespielt. Und das war auch ein kleiner Vorteil", befand er, nicht ohne einen kleinen Lacher anzusetzen. Die Hitze, aber vor allem die extreme Luftfeuchtigkeit sei es gewesen, die "uns beide gekillt" habe, sagte er über Sinner und sich selbst.
"Ich bin jemand, der eigentlich kaum schwitzt. Ich musste heute meine Klamotten zweimal und die Schuhe sogar dreimal wechseln", erklärte Zverev auf Nachfrage. Sinner habe im dritten Satz gekrampft. "Dann war ich im vierten Satz plötzlich völlig fertig", gab Zverev zu.
Deshalb musste Zverev länger arbeiten, als es ihm recht war und als es nötig gewesen wäre, um gegen Alcaraz gleiche Bedingungen herzustellen. Zverev, so ist aus seinem Team zu vernehmen, ist nicht vor fünf Uhr am Dienstagmorgen Ortszeit schlafen gegangen. Dementsprechend schwierig gestaltete sich der freie Mittwoch, was den Rhythmus angeht. Zverev trainierte dennoch. Er brauche das Training, wie er zuletzt im Podcast bei Toni und Felix Kroos bekannte. Sein Körper fahre ansonsten komplett runter.
Zverevs Plan: Zwei spezielle Matches verhindern
Trotz der Nachteile gab Zverev auch kämpferische Töne von sich."Vor dem Turnier hat jeder auf zwei Spiele gewartet: Alcaraz gegen Novak (Djokovic) im Finale und Alcaraz gegen Sinner im Viertelfinale. Vielleicht kann ich sicherstellen, dass beides nicht passiert."
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Alexander Zverev bei den US Open 2023
Fotocredit: Imago
Angesprochen darauf, ob mit dieser Vorbereitung überhaupt noch etwas möglich sei gegen Alcaraz, entgegnete Zverev zum Abschluss leicht genervt: "Ja, ist es." Anschließend ging es mit seinem Physiotherapeuten zur Behandlung.
Hoffnung machen darf Zverev der direkte Vergleich, den er mit drei Siegen bei fünf Matches anführt. Bei den French Open 2022 gewann er in einem Duell auf Augenhöhe eine der wichtigsten Begegnungen seiner Karriere. Es war damals der lang ersehnte erste Top-10-Sieg bei einem Grand Slam. Danach folgte die Horrorverletzung samt Saisonende.
Zverev bleibt Außenseiter gegen Alcaraz, aber ...
Ein weiterer Hoffnungsschimmer für Zverev: Alcaraz selbst, der spielerisch, physisch und mental auf dem allerhöchsten Level agiert, spielte mit einem Oberschenkelverband und wird das auch gegen Zverev tun. Dies sei kein Grund zur Sorge, versicherte der amtierende US-Open-Champion auf der Pressekonferenz in New York. Es handele sich um eine reine Vorsichtsmaßnahme, wenngleich er durchaus "etwas Schmerzen im linken Bein" verspürt habe.
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Carlos Alcaraz bei den US Open 2023
Fotocredit: Getty Images
Zverev wird unabhängig vom Ausgang der Partie am Montag wieder unter den Top Ten der Weltrangliste gelistet sein. Ein Sieg gegen Alcaraz wäre der erste Top-5-Sieg bei einem der vier größten Turniere. Zverev bleibt spielerisch, aber auch wegen der regenerativen Rahmenbedingungen klarer Außenseiter.
So deutlich wie in Madrid wird es aber sicher nicht. Die Konkurrenzfähigkeit hat sich Zverev hart erarbeitet.
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