US Open 2024: Alexander Zverev blüht im Glutofen von New York auf - Deutsche Nummer eins kann auf alte Stärke bauen

Die Bedingungen bei den diesjährigen US Open sind ob der anhaltenden Hitze in den ersten Tagen brutal. Nahezu allen Spielern bereiten die Bedingungen Probleme. Selbst der so erfahrene und immer noch so fitte Novak Djokovic bekommt die Temperaturen zu spüren. Ausgerechnet Alexander Zverev, der vor, während und nach Olympia über bislang unbekannte Symptome klagte, macht das alles gar nichts aus.

Alexander Zverev bejubelt seinen Zweitrundensieg in New York

Fotocredit: Imago

Alexander Zverev hechtete gekonnt von links nach rechts über den blauen Hardcourt der US Open. Immer wieder übermittelten seine von jahrelanger Fitnessarbeit gestählten Beine die nötige Kraft, sich mit Sidesteps in die Ecken und wieder in die Mitte der Grundlinie zu katapultieren.
Es gab in der Geschichte des Profitennis keinen Spieler mit vergleichbarer Größe (Zverev ist 1,98 Meter groß), der sich derart flink und ausdauernd auf den Tennisplätzen dieser Welt bewegen kann.
Bis vor wenigen Wochen wäre das keinen Texteinstieg wert gewesen. Alexander Zverev ist 27 Jahre alt und mit exakt diesen Qualitäten gepaart mit einer brutalen Härte und Konstanz in den Grundschlägen hat er in den vergangenen zehn Jahren schon alle relevanten Profikollegen mindestens einmal überpowert und besiegt.
Doch ausgerechnet Zverev, der so stolz auf seine physische Grundverfassung ist, hatte in den vergangenen sechs Wochen Probleme mit der Physis beim Tennisspielen. "Das fing schon in Hamburg an", erklärte er nach seinem nur im zweiten Satz etwas wackligeren Zweitrundensieg am Mittwoch gegen den Franzosen Alexandre Müller.

Zverevs Veränderung von Olympia bis New York

Bei den Olympischen Spielen in Paris vermochte der Titelverteidiger nicht, seine physischen Stärken auf die Sandplätze in Roland Garros zu übertragen, wirkte bereits nach einem gespielten Satz sowie im Training kraftlos, verlor dementsprechend relativ chancenlos im Viertelfinale gegen Lorenzo Musetti.
Umso erstaunlicher wirkt die körperliche Konstitution nun in New York - allerdings nur für Außenstehende, die bei Temperaturen über 30 Grad in der Mittagshitze schon bei normalen Beschäftigungen zu kämpfen haben.
"Ich habe glaube ich noch nie so geschwitzt wie heute. Aber lustigerweise habe ich mich sehr, sehr gut gefühlt auf dem Platz. Ich hatte keine physischen Probleme. Ich war komplett nass, aber mir war nicht heiß", erklärte Zverev. Das sei in Paris ganz, ganz anders gewesen. "Das ist schon ein sehr, sehr positives Zeichen. Darüber bin ich sehr glücklich, dass ich mich auf dem Platz wirklich gut gefühlt habe trotz der Bedingungen."
Bei Zverev kam am Mittwoch lediglich das Material an die Grenzen. Der Weltranglistenvierte hatte allein gegen Müller drei Paar Schuhe verbraucht. Zverev war froh, dass er den Tiebreak im zweiten Satz beim Stand von 2:5 noch drehen zu vermochte und glatt in drei Durchgängen siegte.

Zverev gehen die Schuhe aus

Bei längerer Spielzeit "wäre es irgendwann schwieriger geworden, ich hatte drei Paar mit, die waren irgendwann total durch." Am Ende des zweiten Satzes im Tiebreak sei der ganze Boden vor ihm nass gewesen. Den Weg zur Handtuchbox tritt Zverev als einer der ganz wenigen Spieler aber so gut wie nie an. Zverev ließ das Handtuch sogar an der Bank.
"Ich glaube, viele Spieler nutzen das Handtuch nicht, weil sie schwitzen, sondern mehr als taktischen Vorteil. Ich habe es oft gesagt: Ich gewinne und verliere mit Tennisspielen. Damit kann ich leben." Handtuchpausen mag er nicht. "Heute war ich aber kurz davor, es zu holen."
Zurück zur besseren Verfassung, die sich Zverev nicht richtig erklären kann. "Vielleicht hatte ich in Paris doch einen Virus gehabt. Danach habe ich mich in Montreal und Cincinnati noch ein bisschen krank angehört. Ich habe mich wirklich, wirklich schlecht gefühlt in Paris."
Er habe anschließend aber nicht wirklich etwas verändert. "Ich hatte auch ein Blutbild gemacht und das war ok, nur ein paar Werte waren etwas niedriger als normal. Vielleicht war es einfach etwas zu viel Tennis im Sommer", sagte Zverev, der nach der zweiten Runde gut im Turnier angekommen zu scheint.

Zverevs spielerische Steigerung

Spielerisch steigerte sich Zverev gegenüber der Erstrundenpartie gegen Maximilian Marterer erheblich. Sein französischer Kontrahent habe ihn, so ehrlich müsse er sein, auch etwas mehr gefordert als sein Davis-Cup-Kollege.
Eine weitere Steigerung wäre unter normalen Umständen ebenfalls gegen Tomás Martín Etcheverry, gegen den Zverev 2023 im Viertelfinale der French Open spielte und gewann, zu erwarten. Doch der Argentinier hatte deutlich mehr zu kämpfen mit Bedingungen und Gegner.
Francisco Cerundolo, immerhin an 29 gesetzt, wehrte sich fünf Sätze lang und musste mit ansehen wie sein Landsmann und Kumpel sich während der Begegnung auf dem Platz übergeben musste.
Auch wenn es die kommenden Tage etwas abkühlen soll, liegen die spielerischen und körperlichen Vorteil am Freitag klar bei Zverev. Das war nach den Problemen der letzten Wochen so nicht unbedingt zu erwarten.

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