US Open: Sebastian Gorzny mit Sensationssieg als Nr. 731 - eine inspirierende Geschichte nach Hirninfektion und Koma

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Eine der Überraschungen der ersten Runde bei den US Open war Sebastian Gorzny. Der 22-Jährige bezwang Raphael Collignon nach einem fast vierstündigen Kampf, der sich aufgrund einer regenbedingten Unterbrechung über zwei Tage erstreckte, 3:6, 6:3, 3:6, 6:3, 7:6 und wehrte dabei fünf Matchbälle ab. Dies gelang ihm als Nummer 731 der Welt bei seinem allerersten Grand-Slam-Auftritt.

Sebastian Gorzny sorgte in der ersten Runde bei den US Open für eine Sensation

Fotocredit: Getty Images

Sport ist schön, weil er es ermöglicht, jeden Tag eine andere, verborgene Geschichte zu erzählen, die vielleicht jemanden inspirieren kann. Tennis ist in dieser Hinsicht ein nicht zu unterschätzender Multiplikator - angesichts der Vielzahl an Turnieren, die jede Woche ausgetragen werden, und der großen Zahl an beteiligten Athleten.
Die US Open 2026 bilden da absolut keine Ausnahme. Nach der historischen Niederlage von Novak Djokovic gegen Mariano Navone war Sebastian Gorzny zweifellos eine der Hauptfiguren des zweiten Turniertages.
Zwei Tage Verzögerung wegen Regens, fast vier Stunden Kampf - 3:58 Stunden, um genau zu sein - und fünf abgewehrte Matchbälle: Das war die Odyssee, die Sebastian Gorzny durchstehen musste, um sich in der ersten Runde der US Open 2026 3:6, 6:3, 3:6, 6:3, 7:6 gegen Raphael Collignon durchzusetzen.
Bis hierhin nichts Ungewöhnliches, ein Grand-Slam-Match wie jedes andere, könnten viele sagen. Doch der 22-Jährige aus Fountain Valley (Kalifornien) vollbrachte dieses Kunststück als Nummer 731 der ATP-Rangliste bei seinem Grand-Slam-Debüt – dank einer Wildcard, die ihm von der USTA gewährt wurde.

Gorzny: Erster Sieg bei einem Grand Slam als Nr. 731

Sebastian Gorzny hat sich die Wildcard tatsächlich hart erarbeitet. Er sicherte sie sich durch seinen Sieg im Playoff auf dem USTA National Campus in Orlando (Florida). Das Kuriose an der Geschichte: Bis zum 27. Juni – dem Tag, an dem er sich einen Platz im Hauptfeld der US Open 2026 sicherte – hatte er noch nie ein offizielles Match auf ATP-Ebene bestritten.
Auch in Winston-Salem wäre er nicht zum Einsatz gekommen, wo er anschließend in der ersten Runde gegen Cruz Hewitt verlor, hätte er nicht nach der Absage von Dino Prizmic als "Lucky Loser" nachnominiert worden.

Gorzny und der Doppeltitel in Wimbledon

Und doch ist Sebastian Gorzny für aufmerksame Beobachter kein völlig unbekannter Name. Zusammen mit dem weitaus bekannteren Alex Michelsen gewann er 2022 in Wimbledon den Titel im Junioren-Herrendoppel. Im Finale besiegten sie Gabriel Debru und Paul Inchauspé mit 7:6 und 6:3.
Danach schlugen die beiden unterschiedliche Wege ein: Während der aus Aliso Viejo stammende Michelsen die Rangliste erklomm und sogar bei Grand-Slam-Turnieren als gesetzter Spieler antrat, hatte sein gleichaltriger Landsmann deutlich weniger Glück und schaffte nie den großen Durchbruch.

Mit 15 Jahren im Koma wegen Hirninfektion

Und dabei hätte all das gar nicht passieren können, wenn im Jahr 2019 nicht ein kleines Wunder geschehen wäre. Bei den Kalamazoo Boys’ 16s National Hardcourts erkrankte Sebastian Gorzny an einer Hirninfektion, die wahrscheinlich auf ein durch einen Mückenstich übertragenes Virus zurückzuführen war. Die Infektion führte zu Krämpfen und Bewusstlosigkeit. Gorzny fiel für vier Tage ins Koma und musste auf der Intensivstation des Bronson Methodist Hospital in Michigan behandelt werden.
Nach acht Tagen wurde Gorzny aus dem Krankenhaus entlassen und reiste nach Austin (Texas), wo seine Mutter lebt. Dort absolvierte er Physiotherapie, um seine verlorene Kraft und sein Gleichgewicht wiederzuerlangen. Nach anderthalb Monaten nahm er das Training mit seinem Vater Ted wieder auf, und innerhalb von 90 Tagen war er bereit für sein erstes Turnier.
Die medizinischen Kosten waren allerdings nicht so leicht zu stemmen. Deshalb wurde eine GoFundMe-Seite mit dem Titel "Seb’s Comeback" eingerichtet, auf der mehr als 31.000 Dollar von 257 Spendern gesammelt wurden - darunter auch einige ehemalige Gegner.
Er selbst erzählte später: "Ich habe mein Erstrundenmatch gespielt und fühlte mich nicht schlecht, aber ich habe nicht gut gespielt. In der zweiten Runde konnte ich mich dann weder bewegen noch spielen und musste im ersten Satz aufgeben. Ich bin ins Bett gegangen und erst vier Tage später wieder aufgewacht. Es war schade, was mir passiert ist, aber Verletzungen und solche Dinge passieren vielen Menschen. Man darf niemandem die Schuld geben und muss nach vorne schauen, denn zurückzuschauen bringt nichts."
Dank seiner Glanzleistung in der ersten Runde hat er sich nun ein Duell gegen Daniil Medvedev gesichert. Und wer weiß, vielleicht gelingt ihm ja die nächste Überraschung …

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