Vom ersten Ballwechsel an entwickelte sich auf Court Nr. 2 ein hochklassiges Duell, das von vielen langen Ballwechseln geprägt war.
Alleine die ersten vier Spiele dauerten 27 Minuten. Kerber spielte einen starken ersten Satz und glänzte durch ihr vielseitiges Spiel. Beim Stand von 4:3 nahm die Kielerin ihrer spanischen Gegnerin zum ersten Mal den Aufschlag ab und hatte anschließend die Chance, bei eigenem Aufschlag den ersten Satz für sich zu entscheiden.
Sorribes Tormo erspielte sich anschließend drei Breakbälle, welche Kerber alle abwehren konnte - der vierte Breakball war dann jedoch einer zu viel: Mit einer zu langen Vorhand gab Kerber ihren Service schließlich doch ab. Nach 57 Minuten glich Sorribes Tormo zum 5:5 aus.
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In dieser Phase spielte Kerber nicht mehr so stark wie zu Beginn. Dennoch ging sie erneut mit 6:5 in Führung. Bei Aufschlag Sorribes Tormo erkämpfte sich Kerber in einem ganz starken Ballwechsel zwei Satzbälle. Mit einem "Komm jetzt!" pushte sich die dreimalige Grand-Slam-Siegerin noch einmal. Es half: Mit einem brillanten Rückhand-Stopp nutzte Kerber nach 70 Minuten ihren zweiten Satzball zur 1:0-Führung.

Traumstart in den zweiten Satz hilft Kerber wenig

Der zweite Satz begann für die Kielerin eigentlich perfekt. Nachdem sie ihr eigenes Aufschlagspiel durchbrachte, breakte sie Sorribes Tormo direkt zum 2:0. Dann ließ sie sich jedoch re-breaken. Anschließend nutzte die Spanierin ihren Aufschlag zum 2:2-Ausgleich.
Lange in der Reihe blieb die Partie allerdings nicht. Kerber holte sich ihr zweites Break zum 4:2. Verwerten konnte sie dieses aber nicht, denn die Nummer 50 der Welt erkämpfte sich erneut das Re-Break. Auch in der entscheidenden Phase ließ keine der beiden nach. Das Duell blieb weiterhin hochklassig und hart umkämpft.
Bei Aufschlag Sorribes Tormo erspielte sich Kerber einen Matchball, konnte diesen aber nicht nutzen. Die Spanierin stellte stattdessen auf 5:5 und erzwang die Verlängerung. Mit einem Stoppball ins Netz ermöglichte Kerber ihrer Gegnerin das Break zum 5:6. Die Chance auf den Satzausgleich ließ sich Sorribes Tormo nicht entgehen.
Mit dem zweiten Satzball, natürlich nach großartiger Rally, bescherte sie den begeisterten Fans auf Court Nr. 2 einen dritten Durchgang.

Satz drei wird zum Break-Festival

Den Schwung aus dem Comeback im zweiten Satz nahm Sorribes Tormo mit in den entscheidenden Durchgang und schockte Kerber direkt mit Break. Dieses hielt jedoch nicht lange, Kerber brachte das Spiel direkt wieder in die Reihe. Anschließend wehrte die Deutsche ihrerseits drei Breakchancen ab und ging mit 2:1 in Führung.
Im vierten Spiel hielt sich Kerber nach Ballwechseln mehrmals ihre linke Hand. Dennoch schaffte sie erneut ein Break: 3:1. Es war die Geschichte des dritten Satzes, keine der beiden Spielerinnen konnte sich bei eigenem Aufschlag sicher sein. Dementsprechend folgerichtig nahm Sorribes Tormo der Deutschen wiederum den Service ab und verkürzte auf 2:3. Kerber schlug anschließend ihrerseits zurück.
Im siebten Spiel hatte die gebürtige Bremerin dann ordentlich Glück: Mit einem Netzroller, bei dem die Filzkugel gleich zweimal auf dem Netz hopste, gelang es ihr den eigenen Aufschlag zu halten und auf 5:2 zu stellen.

Sorribes Tormo kommt nach 2:5 nochmal zurück

Aber, wie könnte es auch anders sein, war dies noch nicht die Entscheidung. Denn die 24-jährige Spanierin nutzte ihren eigenen Aufschlag zum 3:5 und holte sich per Break auch das 4:5.
Bei eigenem Service hatte Sorribes Tormo die Möglichkeit, das 5:5 zu erzwingen. Doch dazu kam es nicht mehr: Mit einem Doppelfehler ermöglichte sie Kerber die Matchbälle zwei, drei und vier. Die Weltranglisten-28. brauchte von diesen jedoch nur einen und entschied das Marathon-Match nach 3:19 Stunden für sich.
Nach dem Spiel sagte Kerber bei "Sky": "Nach dem zweiten Satz, als ich den Matchball nicht nutzen konnte, war es nicht einfach. Ich wusste, ich muss aggressiv bleiben und das Spiel selber in die Hand nehmen. Das war nicht so einfach, denn sie (Sara Sorribes Tormo, Anm. d. Red.) hat kaum Fehler gemacht. Sie hat jeden Ball zurückgeholt. Ich habe einfach versucht, dranzubleiben und daran zu glauben. Ich habe immer gehofft, dass ich diese Chance bekomme. Das habe ich dann im letzten Spiel gespürt und da war ich dann auch direkt da."

Kerber: "Ich kann's noch"

Auf der Pressekonferenz erklärte Kerber: "Ich bin erleichtert, dass ich das Match gewonnen habe. Das war wirklich ein großer Kampf von uns beiden." Die Kraftanstrengung ging an ihr natürlich nicht spurlos vorbei. "Ich bin froh, dass ich morgen einen Tag zum Regenerieren habe", so Kerber.
Gleichzeitig gibt ihr diese Partie aber auch Kraft für die kommenden Aufgaben. "Das war eines meiner besten Spiele in den letzten Monaten. Das gibt mir das kleine Selbstvertrauen und das kleine Etwas für die nächste Runde. Weil ich weiß, ich habe so ein Match wieder gewonnen und ich kann's noch", sagte Kerber zufrieden.
In der dritten Runde trifft Kerber entweder auf die Belarussin Aliaksandra Sasnovich, die die Japanerin Nao Hibino mit 6:4, 7:6 (7:4) bezwang.
Kerber, die 2018 in Wimbledon triumphierte, steht damit bereits zum achten Mal beim Rasen-Klassiker in London in der dritten Runde.
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