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Wimbledon: Matteo Berrettini wandelt auf den Spuren von Boris Becker - gelingt der Coup gegen Djokovic?
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Publiziert 11/07/2021 um 02:02 GMT+2 Uhr
Matteo Berrettini kann mit einem Finalsieg bei den All England Championships in Wimbledon in die Fußstapfen von Boris Becker treten. Dazu muss der 25-Jährige allerdings an Dominator Novak Djokovic vorbei. Viele Tennis-Experten trauen dem Italiener den Grand-Slam-Titel zu. Fußball-Nationaltrainer Roberto Mancini drückt seinem Landsmann am italienischen Super-Sonntag in London die Daumen.
Matteo Berrettini bestreitet in Wimbledon sein erstes Grand-Slam-Finale
Fotocredit: Getty Images
Im Jahr 1985 ging ein neuer Tennis-Stern auf.
Der damals 17-jährige Boris Becker gewann am 16. Juni bei seinem Debüt das Finale des Rasenturniers im Londoner Queen's Club gegen Johan Kriek (USA). Drei Wochen später triumphierte er völlig überraschend auch im Finale von Wimbledon gegen Kevin Curren (USA).
36 Jahre später sicherte sich Matteo Berrettini den Titel im Queen's Club durch einen Endspielerfolg gegen Cameron Norrie (Großbritannien). Der Italiener ist der erste Spieler seit Becker, dem das bei seinem Debüt gelang. Kann er es der deutschen Tennis-Legende auch an der Church Road gleichtun?
Nach einer Trainingseinheit in Wimbledon zum Turnierstart, lief Berrettini auf der Anlage des All England Lawn Tennis and Croquet Club zufällig Becker über den Weg. "Ich war mir nicht einmal sicher, ob er mich erkennen würde", sagte Berrettini und fügte an: "Er kam vorbei und meinte 'Glückwunsch, jetzt haben wir etwas gemeinsam' und ich meinte 'oh wow'."
Becker gab Berrettini auch Tipps für das prestigeträchtigste Turnier der Welt mit auf den Weg. "Er sagte mir, ich solle meinen Geist frischhalten, keine Energie über Dinge verlieren, die nicht wichtig sind. Er sagte zudem, 'wenn du einen langen Lauf hier in Wimbledon haben willst, musst du mental bereit sein. Entspann dich einfach, schalte ab, wenn du kannst und konzentriere dich auf das, was wichtig ist'", so der Italiener. Berrettini hat offensichtlich gut zugehört.
Wimbledon: Matteo Berrettini spielt grandiose Rasensaison
Die Nummer neun der Weltrangliste ist auf Rasen in bestechender Form. Turnierübergreifend hat der 25-Jährige nun elf Siege in Serie gefeiert. Berrettini glänzt mit Spielwitz, einem starken Aufschlag und seiner Vorhand. Zudem kann er auch immer besser mit Drucksituationen umgehen.
"Ich wusste, dass ich es soweit schaffen kann. Ich habe jeden Schritt vorsichtig und langsam gemacht. Ich denke, es war das Richtige, es so zu tun. Offensichtlich ist der Job noch nicht erledigt. Ich möchte die Trophäe holen", meinte Berrettini nach seinem Halbfinalerfolg gegen Hubert Hurkacz (Polen).
Im Finale gilt der 25-Jährige gegen Dominator Novak Djokovic allerdings als großer Außenseiter. Der Serbe hat auf dem Weg in sein 30. Grand-Slam-Finale im Turnierverlauf nur einen Satz abgegeben. Doch die Nummer eins der Welt hat großen Respekt vor seinem Kontrahenten.
"Er ist wohl derjenige, der in diesem Jahr auf Rasen am besten in Form war. Er ist brandheiß", warnte der 19-malige Grand-Slam-Champion sich selbst vor dem großen Finale (am Sonntag ab 15:00 Uhr im Liveticker).
Wimbledon: Experten trauen Matteo Berrettini den Titel zu
Auch wenn die Chancen auf einen Coup gegen den schier übermächtigen Djokovic gering stehen, sehen die Tennis-Experten zumindest eine kleine Chance für den vor dem Turnier als Geheimfavoriten ausgemachten Berrettini.
"Berrettini hat das Spiel für Rasen und dazu auch das nötige Selbstvertrauen. Mit diesem dominanten Spiel, besonders bei eigenem Aufschlag muss man Berrettini erst einmal breaken", analysierte der ehemalige Davis-Cup-Kapitän und heutige "Sky"-Experte Patrik Kühnen bereits zum Wimbledon-Start.
"Auch wenn du Außenseiter bist, kannst du gewinnen. Das verbietet dir keiner. Du musst einfach dran glauben", erklärte Michael Stich bei "Sky". Der 52-Jährige besiegte selbst als großer Außenseiter im Wimbledon-Finale von 1991 Boris Becker und feierte an der Church Road seinen größten Karriereerfolg.
Der siebenmalige Grand-Slam-Champion Mats Wilander ist von der Entwicklung des Italieners beeindruckt. "Er ist ein sehr cooler Spieler. Er kann einer der besten Spieler der Welt werden und ich bin mir sicher, dass er einen Grand-Slam-Titel holen wird", meinte der Schwede bei "Ubitennis". Der letzte Italiener, der einen Grand-Slam-Titel holte, war Adriano Panatta bei den French Open 1976 (im Finale gegen den US-Amerikaner Harold Solomon).
Auch Becker hält große Stücke auf Berrettini. "Ich denke, der italienische Hengst hat eine Chance. Ich mag den Aufschlag, die Kraft, das Spiel. Ich mag seine Persönlichkeit. Ich denke, er ist mental bereit, in seinem ersten Finale zu stehen. Djokovic ist der Favorit, er hat es schon fünf Mal geschafft. Irgendwann kommt ein neuer Spieler, der übernimmt. Berrettini ist einer der wenigen Auserwählten, die die Mentalität haben, wenn man ihnen die Chance gibt, es zu übernehmen", so der dreimalige Wimbledon-Sieger.
Wimbledon: Matteo Berrettini kommt aus einer Tennis-Familie
Bislang trafen Djokovic und Berrettini zweimal aufeinander, beide Male gewann der Serbe. 2019 bei den ATP Finals setzte sich Djokovic glatt in zwei Sätzen durch, bei den French Open vor einem Monat siegte er im Viertelfinale in vier Sätzen.
Doch Berrettini hat in den vergangenen Wochen und Monaten einen enormen Leistungssprung gemacht und spielt so gut wie noch nie zuvor. Nur drei Sätze gab der gebürtige Römer auf dem Weg in sein erstes Grand-Slam-Finale ab.
Gemeinsam mit seinem zwei Jahre jüngeren Bruder Jacopo hatte er als Kind davon geträumt, es bis in ein großes Finale zu schaffen. "Wir haben so oft Tennis gespielt, auch ohne Ball. Wir haben einfach so getan, als ob wir in unserem Wohnzimmer in einem großen Finale spielen würden. Wir haben so getan, als wären wir die Spieler, gegen die ich jetzt spiele", erzählte Berrettini.
Dabei ist der Italiener das sportliche Gen im Umgang mit dem gelben Filzball bereits in die Wiege gelegt worden. "Tennis liegt in meiner Familie. Meine Großeltern spielen immer noch. Es ist etwas, dass wir in der DNA haben", so der fünfmalige ATP-Turniersieger.
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Matteo Berrettini in Wimbledon 2021
Fotocredit: Getty Images
Wimbledon: Roberto Mancini drückt Matteo Berrettini die Daumen
Ganz Italien wird am Sonntag die Blicke nach London richten. Denn nach dem Wimbledon-Finale der Herren an der Church Road sind am Abend im Wembley-Stadion auch noch die Fußballer im EM-Finale (ab 21:00 Uhr im Liveticker) gegen Gastgeber England gefordert.
"Das wird ein harter Sonntag, oder?", scherzte Berrettini bereits nach seinem Finaleinzug und fügte an: "Es ist ein großer Sporttag. Ich bin wirklich glücklich, dass Tennis jetzt zusammen mit dem Fußball eine der größten Sportarten in Italien ist."
Italiens Fußballnationaltrainer Roberto Mancini forderte die Tifosi bereits auf, volle Unterstützung für Berrettini und die Squadra Azzurra zu leisten. "Am Sonntag sind wir alle mit dem Herzen in Wimbledon und Wembley!", twitterte der 56-Jährige.
Mit einem Triumph auf dem "heiligen Rasen" würde Berrettini äußerst entspannt und gut gelaunt das EM-Finale schauen können. Und er würde auch in die Fußstapfen von Fußballfan Boris Becker treten.
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