Àlex Corretja exklusiv zu Wimbledon: "Die ganze Situation ist ein Chaos"
Keine Punkte für die Weltrangliste, keine Profis aus Russland und Belarus, kein spielfreier Sonntag - es wird ein Wimbledon-Turnier der besonderen Art in diesem Jahr. So richtig zufrieden kann ob der Vorzeichen niemand sein. "Die ganze Situation ist ein Chaos", sagt Eurosport-Experte Àlex Corretja. Es sei "sehr riskant" gewesen, dass Wimbledon seine Entscheidungen im Alleingang getroffen hat.
Novak Djokovic gewann Wimbledon im vergangenen Jahr
Fotocredit: Getty Images
Álex Corretja bringt es auf den Punkt. "Es ist eine Schande, was in der ganzen Welt vor sich geht." Und bei allen hitzigen Debatten um Wimbledon müsse immer bedacht werden, dass "die schlimmsten Dinge" in der Ukraine geschehen.
Aufgrund des dortigen Krieges entschieden die Veranstalter von Wimbledon, Profis aus Russland und Belarus vom Turnier in diesem Jahr auszuschließen. "Ich verstehe, dass es für die Ukrainerinnen und Ukrainer in gewisser Weise ein Zeichen war, dass man sie verteidigt", so Corretja bei Eurosport. Gleichwohl sei es auch eine "harte Entscheidung" gewesen.
Da aber die ATP und die WTA Profis aus den beiden Nationen unter neutraler Flagge an ihren Wettbewerben teilnehmen lassen, hätten die beiden Organisationen reagieren müssen. Heraus kam die ebenfalls kontrovers diskutierte Maßnahme, im All England Club keine Punkte für die Weltrangliste zu vergeben und auch die Zähler aus dem Vorjahr zu streichen.
Aus Sicht von Corretja, einst die Nummer zwei der Welt, wäre es angeraten gewesen, dass alle Parteien gemeinsam entschieden hätten. Da dies nicht der Fall war, sei nun die "ganze Situation ein Chaos".
Dies also sind die Vorzeichen, unter denen das berühmteste Tennisturnier der Welt am Montag seine Pforten öffnet.
Keine Punkte - kein Problem für die Stars
Immerhin: Corretja glaubt nicht, dass es dem Rasenklassiker dauerhaft schaden wird, wenn in dieser Saison keine Punkte vergeben werden. "Da wird sich in ein paar Jahren niemand mehr daran erinnern." Tatsächlich haben die Stars der Szene anderes im Fokus als die Zähler fürs Ranking.
/origin-imgresizer.eurosport.com/2022/06/08/3389645-69273168-2560-1440.jpg)
Wimbledon-Quali auf Cricket-Plätzen - Rittner und Zverev erzählen kuriose Anekdote
Quelle: Eurosport
Topfavorit Novak Djokovic peilt seinen 21. Grand-Slam-Titel an und will damit den Rückstand auf Rekordhalter Rafael Nadal (22) verkürzen. Bei den Frauen arbeitet Iga Swiatek daran, ihre Siegesserie auszubauen und nach den French Open auch Wimbledon zu gewinnen. Profis wie Matteo Berrettini, Stefanos Tsitsipas oder Carlos Alcaraz wittern indes die Möglichkeit, ihren ersten Major-Titel einzufahren.
"Ich glaube, die Topspieler wird es null interessieren, ob man Punkte holt oder nicht. Sie wollen einfach nur das Turnier gewinnen", sagt auch Mischa Zverev im Eurosport-Podcast Das Gelbe vom Ball.
Corretja: "Es waren Büroentscheidungen"
Etwas anders ist die Lage für Spielerinnen und Spieler, die im Prinzip keine Chance auf den Turniersieg haben und vor allem punkten wollten, um im Ranking zu steigen. "Auf diese Profis wirkt sich die Entscheidung von ATP und WTA aus, es wird schwierig, betont Corretja. Ein prominentes Beispiel ist Eugenie Bouchard.
Die Kanadierin wollte an der Church Road eigentlich ihr Comeback geben, aber: "Wegen meiner Schulterverletzung steht mir eine begrenzte Anzahl an Turnieren zur Verfügung, bei denen ich ein Protected Ranking habe. So sehr ich Wimbledon liebe - ein Protected Ranking bei einem Event ohne Punkte zu nutzen, ergibt keinen Sinn", begründete Bouchard auf "Twitter" ihren Verzicht.
"Zusammenfassend kann man sagen, dass alles ein bisschen durcheinander geraten ist", findet Corretja. Sein Message an die Spielerinne und Spieler: "Es waren Büroentscheidungen, die man als Tennisprofi einfach akzeptieren und dennoch sein Bestes geben muss."
Das könnte Dich ebenfalls interessieren: Mischa Zverev exklusiv zur Punkte-Debatte um Wimbledon
/origin-imgresizer.eurosport.com/2022/06/09/3390130-69282868-2560-1440.jpg)
Zverev sieht Wimbledon-Farce gelassen: "Interessiert Topspieler nicht"
Quelle: Eurosport
Werbung
Werbung
/origin-imgresizer.eurosport.com/2024/12/22/image-98b602cb-ae46-4c06-8857-c6197f655aaf-68-310-310.jpeg)