Nick Kyrgios: Warum die Niederlage gegen Novak Djokovic im Wimbledon-Finale (fast) mehr wert ist

Nick Kyrgios hat sich in den vergangenen zwei Wochen in Wimbledon eine große Portion sportlichen Respekt verdient. Nur ein Sieg fehlte dem Australier, dann wäre sein Name in den berühmten Pokal eingraviert worden. Einzig Novak Djokovic stand zwischen Kyrgios und dessen erstem Grand-Slam-Titel. So groß die Enttäuschung auch war, die Niederlage könnte fast mehr wert sein als ein Triumph.

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Quelle: Eurosport

Was wäre passiert, wenn Nick Kyrigos Wimbledon gewonnen hätte?
Der Tennissport hätte einen umstrittenen Wimbledon-Champion bekommen.
Einen, der bei seinen regelmäßigen Ausbrüchen auf dem Platz nur allzu häufig die Grenze zur Unsportlichkeit überschreitet. Einen, der es den Referees gegenüber oft an Respekt fehlen lässt. Einen, der am 2. August in Canberra vor Gericht erscheinen muss, weil eine Ex-Freundin hässliche Vorwürfe gegen ihn erhebt.
Sportlich betrachtet wäre Kyrgios ein Sieger gewesen, dessen Spiel begeistert, mitreißt, fasziniert. Ein Mann fürs große Spektakel, ein Publikumsmagnet.

Kyrgios offen: Motivationsprobleme bei Sieg

Und noch etwas wäre geschehen, wenn der "Bad Boy" der Szene Novak Djokovic im Finale des Rasenklassikers geschlagen hätte: "Wenn ich heute gewonnen hätte, dann hätte ich in Zukunft Probleme bekommen, mich für andere Turniere wie etwa ein 250er Event zu motivieren", gab Kyrgios gewohnt offen zu.
Man habe ihm "das ganze Leben lang erzählt, dass der Titel in Wimbledon die ultimative Leistung" sei. Hätte er dieses "höchste Ziel" seines Sports nun in London erreicht, wäre es schwierig geworden, den nötigen Antrieb zu finden.
Aus dieser Perspektive betrachtet ist die Niederlage möglicherweise irgendwann mehr wert als es ein Erfolg gewesen wäre. Kyrgios ist mit 27 Jahren theoretisch erst in der Mitte seiner Profilaufbahn angelangt, was er zu leisten im Stande ist, führte er in Wimbledon eindrucksvoll vor.

Djokovic erwartet eine Menge von Kyrgios

Die bisherigen "sechs Turniersiege sind eigentlich zu wenig, wenn man Nicks Potenzial bedenkt", befand der einstige Wimbledonsieger Michael Stich bei "Sky". Der bis dato letzte Titel stammt aus der Saison 2019, als Kyrgios die Wettbewerbe von Acapulco und Washington für sich entschied. Zuvor setzte er sich in Brisbane (2018) sowie im Jahr 2016 in Marseille, Atlanta und Tokio durch.
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Quelle: Eurosport

Djokovic bezeichnete den Australier nach dem Endspiel als "phänomenalen Tennisspieler und Athleten". Dies sei Kyrgios bereits seit Jahren, aber nun komme "alles zusammen". Er erwarte von seinem Gegner "noch eine Menge in den entscheidenden Phasen künftiger Grand-Slam-Turniere".
Nur: Dazu muss die Motivation bei Kyrgios 100 Prozent betragen.
Ist das nicht der Fall, ist er auf höchstem Niveau nicht konkurrenzfähig. Geht Kyrgios mit vollem Antrieb zu Werke, kommen sportliche Glanzstücke wie der Australian-Open-Titel im Doppel oder just der Einzug ins Endspiel von Wimbledon heraus.

Kyrgios: "Alle haben doch gedacht, dass ..."

Er habe eine Menge "Selbstvertrauen gezogen" aus der Partie gegen Djokovic. "Alle haben doch gedacht, dass irgendwas passiert - aber dann habe ich den ersten Satz so gespielt, als wäre ich derjenige mit den vielen Finals. Mit dem Druck bin ich sehr gut klargekommen", berichtete Kyrgios. "Ich habe gegen einen der Größten der Geschichte gespielt und war voll da."
Die große Frage wird sein, ob das Enfant terrible der Tour dieses sportliche Hochgefühl konservieren und daran anknüpfen kann.
An der Motivation sollte es nach dem verpassten Titel nicht liegen.
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Quelle: Eurosport

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