Wimbledon 2023: Alexander Zverevs Verwirrspiel auf dem "heiligen Rasen" - slang ein voller Erfolg

Alexander Zverev fliegt in Wimbledon in der Favoritenfrage unter dem Radar, erstaunt dafür aber mit überraschend direkten Aussagen. Mehr noch: Der Olympiasieger stichelt sogar gegen das eigene Team. Sportlich läuft es indes sehr gut beim einzigen Grand-Slam-Turnier, bei dem der Tennisstar noch nie über das Achtelfinale hinausgekommen ist. Es lohnt sich, bei Zverev hinzuschauen - und hinzuhören.

Alexander Zverev

Fotocredit: Getty Images

Es ist erstaunlich, wie Alexander Zverev die ersten Tage des Rasenklassikers im All England Club angegangen ist. Die beiden Siege gegen die Außenseiter Gijs Brouwer und Yosuke Watanuki waren zu erwarten, auch wenn der Hamburger keinen Hehl daraus macht, dass Rasen sein "schlechtester Belag" sei.
Kurios wurde es aber immer dann, wenn Zverev über das Turnier und seine Kontrahenten sprach.
Vor seiner Anreise wies der Olympiasieger darauf hin, dass er mit seinen 1,98 Metern zu groß sei, um auf Rasen zu reüssieren. Trotzdem reise er nicht "wie ein Kasper" nach Wimbledon. Er nehme das dritte Grand-Slam-Turnier der Saison natürlich ernst.
Die Auslosung wollte es, dass er in Runde eins auf den Niederländer Brouwer trifft - und wieder war Zverev gnadenlos ehrlich. "Wenn er hier im Raum wäre - ich wüsste nicht, wer es ist", erzählte der 26-Jährige freimütig. Dann begann das lange Warten.

Zverev aus der Warteschleife zum Dreisatzsieg

Regen und Spielverschiebungen sorgten dafür, dass die für Dienstag angesetzte Begegnung schließlich am Donnerstag über die Bühne ging. Als Zverev den ersten Ball spielte, stand Titelverteidiger Novak Djokovic schon in Runde drei. Sportlich steckte der Deutsche das Chaos locker weg und löste die Aufgabe gegen Brouwer in drei Sätzen.
Keine 24 Stunden war Zverev schon wieder im Einsatz, der Gegner hieß Watanuki. Als Nummer 116 der Weltrangliste ist der Japaner zwar 37 Plätze höher notiert als Brouwer, so recht etwas anfangen konnte Deutschlands Nummer eins aber auch mit Watanuki nicht.
Der Unterschied: Dieses Mal tat die Unkenntnis so weh, dass Zverev den zweiten Satz abgeben musste. Ein Malheur, das er seinem Team ankreidete.

Zverev übt öffentlich Kritik am eigenen Team

"Ich hatte ein bisschen einen Hals auf meine Box", gab Deutschlands Nummer eins zu. "Alle haben sich ein bisschen nach hinten gelehnt", es hätten ihm Informationen zum Spielstil des Japaners gefehlt. "Als vier Asse mit Tempo 320" an ihm vorbeigerauscht seien, habe er nur staunen können.
"Den zweiten Satz hat er verdient gewonnen und war auch gefühlt den ganzen Satz über der bessere Spieler", räumte Zverev nach dem 6:4, 5:7, 6:2, 6:2 fair ein. Allerdings dürfte die öffentliche Kritik an seiner Entourage intern noch für Gesprächsstoff sorgen.
Redebedarf hatte Zverev auch während der Partie. Nachdem er laut mit seiner Box kommuniziert hatte, bedachte ihn Stuhlschiedsrichter Jaume Campistol mit einer Verwarnung. Eine Linienrichterin hatte den Unparteiischen informiert, was dem Tennisstar gar nicht gefiel.

Zverev nervt Verwarnung: "Passiert immer in Wimbledon"

"Ich habe mit meiner Box gesprochen und sie war der Meinung, sie müsse dem Schiedsrichter erzählen, was ich da so gesagt habe. Ich habe niemanden beschimpft, sondern über mich selbst gesprochen", erklärte Zverev den Vorfall im "Sky"-Interview. "Das nervt mich etwas, denn das passiert immer nur in Wimbledon. Da haben sie offenbar das Gefühl, mehr machen zu wollen, als sie sollen."
Es habe keinen Grund gegeben für die Linienrichterin, aktiv zu werden. Er habe zwar ein Schimpfwort und "einmal das F-Wort" benutzt, aber eben nicht im Bezug auf andere, so Zverev, der aber schon wieder lächeln konnte. Man befinde sich im All England Club nunmal "auf heiligem Rasen, das gibt es andere Regeln".
Auf diesem besonderen Grün geht es für den 26-Jährige bereits am Samstag gegen Matteo Berrettini (ab ca. 19:00 Uhr live im Ticker) weiter, einen "der besten Rasenspieler der vergangenen Jahre", wie Zverev betonte. Damit erfüllt sich eine Prophezeiung, die er nach dem Auftaktmatch getroffen hatte.
"Wahrscheinlich werde ich morgen wieder spielen, und den Tag danach auch", hatte Zverev nach der Brouwer-Partie angekündigt, ehe er sich selbst einbremste und pflichtschuldigst hinterherschob: "Also wenn ich gewinne natürlich. Aber in meinem Kopf tue ich das."

Berrettini vor der Brust, Alcaraz im Kopf

Bruder Mischa ließ bei "Sky" durchblicken, dass der Blick sogar schon bis ins Achtelfinale geht. "Wenn ich gegen Alcaraz in der vierten Runde spielen muss, will ich natürlich fit und frisch sein und in den drei Tagen davor nicht drei Matches hintereinander gespielt haben", beschrieb der 35-Jährige die Gedankenwelt des Jüngeren.
Das ist insofern bemerkenswert, als dass Zverev sonst immer klarstellte, sich nur auf das nächste Match zu fokussieren und nicht mehrere Spiele vorauszukalkulieren.
Bei diesem Wimbledon-Turnier scheint sich der Weltranglisten-21. allerdings vorgenommen zu haben, vieles anders zu machen. Der Erfolg gibt ihm (bislang) recht. Und ein Problem wird sich in der 3. Runde definitiv nicht stellen: Es besteht keine Gefahr, dass ihm der Gegner so gar nichts sagt.
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Quelle: Eurosport

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