Wimbledon 2023 - Carlos Alcaraz erbringt gegen Novak Djokovic den letzten Beweis: Die Revolution ist da

Carlos Alcaraz hat seiner aufregenden Laufbahn den wohl größten Sieg hinzugefügt. Das 1:6, 7:6 (8:6), 6:1, 3:6, 6:4 im Wimbledon-Finale gegen Novak Djokovic war eine Meisterleistung - und zwar gerade deshalb, weil es nicht von Beginn an rund lief. Indem er zwei Makel beseitigte, die ihm Kritiker noch vorhielten, hat der 20-Jährige den letzten Beweis geliefert, dass er zurecht die Nummer eins ist.

'This is a huge moment' - Wilander on whether Alcaraz win over Djokovic was 'changing of the guard'

Quelle: Eurosport

Es war ein typischer Carlos-Alcaraz-Satz, den der frischgebackene Champion auf dem Centre Court zum Besten gab.
"Selbst, wenn ich verloren hätte, wäre ich sehr stolz auf mich, weil ich bei diesem schönen Turnier Geschichte geschrieben und gegen eine Legende unseres Sports gespielt habe", sagte der junge Spanier.
Der Punkt ist: Er hat nicht verloren, trotz eines furchtbaren ersten Satzes, trotz der Größe seines Gegners, trotz der Erlebnisse von Roland-Garros. Bei den French Open vor fünf Wochen nämlich war Alcaraz der Aufgabe Djokovic im Halbfinale nicht gewachsen.
Physisch und mental überfordert kassierte der Shootingstar eine 3:6, 7:5, 1:6, 1:6-Niederlage, die er hernach mit bemerkenswerter Offenheit erklärte. "Ich hatte Krämpfe vor lauter Nervosität und Anspannung, weil ich gegen eine Legende wie Djokovic gespielt habe."

Alcaraz läutet die Revolution ein

Dennoch war es Alcaraz, der als Nummer eins im ATP-Ranking nach Wimbledon reiste. Ein Status, der eigentlich Djokovic gebühre, wie Kritiker befanden. Tatsächlich hat der Serbe aufgrund seines Verzichts auf eine Coronaimpfung in der vergangenen Saison zwei von vier Grand-Slam-Veranstaltungen verpasst.
So etwa die US Open, die prompt Alcaraz für sich entschied. Natürlich wurde der damals 19-Jährige für seinen Coup gefeiert und geehrt. Unterschwellig schwang aber schon mit, dass er da einen Major-Wettbewerb in Abwesenheit von Djokovic gewonnen hatte. Der Sieg gegen den Superstar beim Madrid Masters 2022 änderte wenig an der Sichtweise, dass die klare Nummer eins der Welt aus Belgrad kommt.
Vor diesem Hintergrund wird deutlich, was der Finalerfolg im All England Club bedeutet: Alcaraz ist die Revolution gelungen.
picture

Wilander says he will remember Alcaraz v Djokovic final ‘for the rest of his life’

Quelle: Eurosport

Er hat gezeigt, dass er einen Djokovic in Bestform auf der prestigeträchtigsten Tennisbühne der Welt im wichtigsten Match dieses Sports schlagen kann. Das Toptalent aus Murcia hat den für viele Experten größten Spieler der Geschichte auf dem heiligen Rasen in die Knie gezwungen. Mehr geht nicht.

Alcaraz in den Spuren von Becker und Borg

Man wird sich abgewöhnen müssen, Alcaraz fortan noch als Talent zu beschreiben. Er ist der Branchenprimus, der Beste seines Fachs - ein Champion.
Dabei hat der drittjüngste Wimbledon-König nach Boris Becker und Björn Borg mit Rasen lange gefremdelt. Vor Beginn dieser Rasensaison standen genau sechs Partien auf dem grünen Belag in der Karrierebilanz des Schützlings von Coach Juan-Carlos Ferrero.
Dann nahm die grüne Welle ihren Lauf. Alcaraz holte sich völlig überraschend beim Vorbereitungsturnier im Londoner Queen's Club den Titel, um direkt danach im nur fünf Kilometer Luftlinie südlich gelegenen All England Lawn Tennis and Croquet Club ein Märchen zu schreiben.
picture

'I wish Novak was 10 years younger' - Alcaraz/Djokovic rivarly excites Wilander

Quelle: Eurosport

Und wie! Alcaraz löste auf seinem Weg knifflige Aufgaben, wie etwa gegen den einstigen Wimbledon-Finalisten Matteo Berrettini (Achtelfinale), Holger Rune (Viertelfinale) oder Daniil Medvedev (Halbfinale). Es war nicht immer glanzvoll, was der Weltranglistenerste ablieferte, aber er passte sein Spiel peu à peu an die Erfordernisse des so besonderen Belags an.

Alcaraz bei Eurosport: "Schwierig, die Nerven zu bewahren"

"Für mich war es beim ersten Mal, als ich auf dem Centre Court gespielt habe, schwierig, die Nerven zu bewahren, weil ich auf diesem schönen Platz spiele", gab Alcaraz im Exklusiv-Interview mit Eurosport zu. Es sei "unglaublich", wie schnell der Youngster auf Rasen zurechtgekommen sei, staunte selbst Djokovic.
Der 36-Jährige weiß genau, dass er fortan an Alcaraz vorbei muss, wenn er seine Sammlung von 23 Grand-Slam-Titeln ausbauen möchte. Er wird umdenken müssen, denn einem Kontrahenten wie ihm sei er "noch nie" gegenüberstanden. "Er ist der beste Spieler der Welt und bringt alles mit für eine lange Karriere auf allen Belägen."
Djokovic attestierte seinem Bezwinger, "das Beste aus drei Welten" zu vereinigen und spielte damit darauf an, dass er die Qualitäten von Roger Federer, Rafael Nadal und ihm, Djokovic, vereine. Dies verbinde sich bei Alcaraz mit einer "spanischen Stierkampf-Mentalität".

Presse jubiliert: Alcaraz "Big One"

"Carlos bringt ein kleines Lächeln und eine offensichtliche Freude mit auf den Platz, und das steckt sowohl die Fans als auch die Gegner an. Bei den Matches, die er spielt, herrscht immer ein großartiger Geist", schwärmte der siebenmalige Grand-Slam-Turniersieger Mats Wilander bei Eurosport. Alcaraz habe das Potenzial, zu einem "der wichtigsten Spieler zu werden, die wir jemals bei den Männern hatten".
Ebenso euphorisch wurde er in der spanischen Heimat gefeiert. In Anlehnung an die Big 3 des Tennis, deren Zeit unweigerlich zu Ende geht und im Fall von Roger Federer schon abgelaufen ist, adelte die "Marca" Alcaraz als "Big One". Soweit ist es freilich noch nicht. Gänzlich unrealistisch ist dieses Szenario mittelfristig aber nicht ...
Das könnte Dich ebenfalls interessieren: Emotionale Worte - Nadal adelt Alcaraz
picture

Wilander backs Alcaraz to win 'between 10 or 15' Grand Slam titles

Quelle: Eurosport

Mehr als 3 Mio. Sportfans nutzen bereits die App
Bleiben Sie auf dem Laufenden mit den aktuellsten News und Live-Ergebnissen
Download
Diesen Artikel teilen
Werbung
Werbung