Wimbledon 2023 - Jannik Sinner: So kann es klappen mit dem Coup gegen Novak Djokovic im Halbfinale

Jannik Sinner sieht sich im ersten Grand-Slam-Halbfinale seiner Karriere mit der schwersten Aufgabe konfrontiert, die der Tennissport auf Lager hat. Der 21-Jährige trifft auf Novak Djokovic, den Titelverteidiger, Rekord-Grand-Slam-Champion und klaren Favoriten in Wimbledon. Allerdings könnte das Lernprogramm oder Tutorial, das Sinner durchlaufen hat, die Tür zum Finale einen kleinen Spalt öffnen.

'Not enough to be 2-0 up' - Wilander on why Sinner must go long against Djokovic

Quelle: Eurosport

Es ist ein gewaltiger Schatten, den Novak Djokovic im altehrwürdigen All England Lawn Tennis and Croquet Club wirft. Der 36-Jährige geht mit vier Wimbledon-Titeln in Folge und 33 gewonnenen Matches in Serie ins Halbfinale (Freitag ab 14:30 Uhr MEZ im Ticker).
Mehr als zehn Jahre (!) ist es her, dass Djokovic den Centre Court als Verlierer verlassen hat. Am 7. Juli 2013 war das, als er sich Andy Murray im Endspiel geschlagen geben musste.
Einer, der in jüngerer Vergangenheit näher dran war als fast alle anderen, den Serben an der Church Road zu stürzen, ist Jannik Sinner. Vor einem Jahr führte er im Viertelfinale mit 2:0 Sätzen gegen Djokovic - und unterlag dennoch.
Am Freitag nimmt der Südtiroler erneut Anlauf, das fast Unmögliche zu schaffen. Zumindest in der Eigenwahrnehmung sind die Chancen gestiegen.

Sinner: "Schaue mir das Match noch einmal an"

"Ich habe aus der Lektion des Vorjahres gelernt und mich in vielen Bereichen verbessert", betont Sinner im Exklusiv-Interview mit Eurosport. Das gelte in physischer Hinsicht ebenso wie in mentaler. "Ich bin inzwischen ein Top-Ten-Spieler", schiebt der Weltranglistenachte nach und unterstreicht damit, dass er den Abstand zum Überflieger aus Belgrad inzwischen als kleiner wahrnimmt.
Die Bitternis der Niederlage der Saison 2022 will er jetzt in einen Vorteil umwandeln. Er werde sich daher "das Match noch einmal anschauen" vor der Revanche gegen Djokovic. Ein cleverer Schachzug, wie Deutschlands Tennis-Legende Boris Becker findet.
"Sinner hat sicher viel über das letztjährige Duell gegen Djokovic nachgedacht und ich sehe das als etwas Positives an. Er wird zeigen können, wie viel er gelernt hat und sich diese Last von seinen Schultern nehmen", betont der dreimalige Wimbledon-Champion im Gespräch mit "Sky Italia". Ob Sinner die "richtige mentale Einstellung" finde, um die Sensation zu packen, stehe auf einem anderen Papier.

Djokovic ärgern? Hurkacz macht es vor

Spielerisch hat Sinner jedenfalls einen effektiven Lernprozess durchlaufen. "Ich serviere besser. Wenn ich ans Netz gehe, weiß ich, dass ich auf einen anständigen Volley bauen kann. Das war beim letzten Duell noch mittelmäßig. Darüber hinaus bin ich in der Lage, mein Spiel mit Dropshots oder Slices zu mixen, wenn es nötig sein sollte", erläutert der Italiener. Zusammen mit seinen Trainern Simone Vagnozzi und Darren Cahill hat er sich ein Tutorial erarbeitet, das sich nun auszahlt.
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Wilander: Das ist die entscheidende Frage bei Djokovic gegen Sinner

Quelle: Eurosport

Vor allem das verbesserte Aufschlagspiel ist ein echtes Pfund auf Rasen - und ein probates Mittel, um Djokovic Paroli zu bieten. Das stellte Hubert Hurkacz, der den Serben im Achtelfinale erst zweimal in den Tiebreak zwang und ihm dann noch einen Satz abknöpfte, eindrucksvoll unter Beweis.

Wilander prophezeit Sinner guten Start

Eurosport-Experte Mats Wilander sieht Sinner ebenfalls in der Verfassung, Djokovic zu gefährden. "Es würde mich überraschen, wenn Jannik keinen guten Start hinlegen würde im Halbfinale, denn Novak kam in einigen Matches etwas langsam aus den Startlöchern. Das mag an seinem Alter liegen oder an dem straffen Programm mit den vielen späten Partien", so der siebenmalige Grand-Slam-Turniersieger.
Die eigentliche Herausforderung aber warte später in der Begegnung. "Schwieriger wird es, je länger es dauert. Wenn der Gegner nicht mehr ganz so hart und präzise agiert, im Kopf ein wenig nachlässt, dann ist Novak voll da", betont Wilander. "Er erlaubt sich in diesen Phasen so gut wie keinen Fehler mehr." Selbst eine 2:0-Satzführung gegen den Ausnahmespieler sei alles andere als beruhigend.
Was das für Sinner bedeutet? Er müsse "in der Lage sein, unter Stress das beste Tennis zu spielen, denn die Nerven sind zum Zerreißen angespannt, wenn man an der Schwelle zu einem Wimbledon-Endspiel steht", sagt Wilander. Er habe allerdings leise Zweifel daran, dass es derzeit einen Spieler gebe, der dem gewachsen sei.
Sinner übt sich vor dem Duell in Optimismus und begreift es als Privileg, den Meister im All England Club herausfordern zu dürfen. "Ich freue mich, dass ich meine erstes Halbfinale hier auf einem besonderen Court gegen einen besonderen Spieler absolvieren werde."
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Djokovic und Alcaraz Favoriten aufs Finale? Wilander bremst

Quelle: Eurosport

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