Wimbledon 2024: Alexander Zverev trauert nach Aus gegen Taylor Fritz um verpasste Chance - Sorgenfalten vor Olympia

Nach der knappen Niederlage gegen Taylor Fritz ( 6:4, 7:6, 4:6, 6:7, 3:6) im Achtelfinale von Wimbledon waren am Montagabend nicht nur die Gründe für das Ausscheiden von Alexander Zverev Thema. Kommende Woche hat Zverev den Titel und 500 ATP-Punkte in Hamburg zu verteidigen und in 16 Tagen starten die Olympischen Spiele in Paris. Zverev muss aber zunächst sein lädiertes Knie auskurieren.

Alexander Zverev schied gegen Taylor Fritz aus

Fotocredit: Getty Images

Novak Djokovic startete sein Wimbledonturnier keine vier Wochen nach einer Athroskopie samt Eingriff am rechten Meniskus. Dass der Grand-Slam-Rekordsieger überhaupt werde teilnehmen können - und die Olympischen Spiele für Wimbledon riskiert -  hatte an der Church Road viele überrascht.
Doch Djokovic ließ sich nach eigenen Angaben von seinem Physiotherapeuten täglich intensiv behandeln, um überhaupt für seine Matches fit zu werden. In den ersten Runden waren leichte Einschränkungen zu beobachten. Zum Weiterkommen indes reichte es.
Am Montag nun betrat er nach dem Aus von Alexander Zverev gegen Taylor Fritz (6:4, 7:6 (7:4), 4:6, 6:7 (3:7), 3:6) den Centre Court. Wie der Deutsche trug er eine Kniebandage. Doch anders als Zverev beherrschte er seinen Gegner Holger Rune und gewann locker in drei Sätzen (6:3, 6:4, 6:2).
Dabei bewegte er sich fast problemlos. Das war bei Zverev anders, der nach seinem Aus gegen Taylor Fritz mit seinem lädierten Knie und dem eigenen Schicksal haderte. Die Olympischen Spiele sollen aber nicht in Gefahr sein.

Zverev: "Ich habe auf einem Bein gespielt"

In der Pressekonferenz am Montagabend in den Katakomben des prestigeträchtigsten Turniers der Welt sagte Zverev: "Mir könnte es besser gehen. Ich bin stolz, dass ich bis zum Ende gekämpft habe, es ist eine harte Niederlage."
Es sei offensichtlich, dass er nicht bei 100 Prozent war. "Ich habe auf einem Bein gespielt."
Viel war spekuliert worden nach dem Sturz im zweiten Satz seines Drittrundenmatches gegen Cameron Norrie (6:4, 6:4, 7:6), bei dem er sich am Samstag das Knie überstreckt hatte. Die "Bild" gab nach einer ersten Untersuchung im Krankenhaus am späten Samstagabend offiziell Entwarnung.
Doch Spitzensportler im Allgemeinen und Einzelsportler im Speziellen pokern bei medizinischen Angaben zuweilen, um dem Gegner keine Einblicke und Details zu geben. Die Faktenlage 48 Stunden später jedenfalls stellte sich etwas anders, etwas schlimmer dar aus Zverevs Sicht.

Zverev konnte Sonntag nicht laufen

Zverev hatte am Sonntag nicht trainieren, ja noch nicht mal "laufen" können, wie er am Montag konstatierte. Er habe am Sonntag nochmal einen Arzt konsultiert. Der habe ein Knochenmarksödem und eine Kapselzerrung festgestellt.
Beides Verletzungen, die schmerzhaft sind, aber keinen Eingriff benötigen oder gar viel schlimmer werden können. Also griff Zverev zu Djokovic'esken Maßnahmen, streifte sich ebenfalls eine Bandage um und betrat am Montagnachmittag den Centre Court. Zu groß war die Chance, zu gut seine diesjährigen Leistungen auf dem Heiligen Rasen.
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Djokovic gibt Knie-Update: "Test war sehr erfolgreich"

Quelle: Perform

Beobachter vor Ort hatten Zverev bereits beim Warmspielen im Aorangi Park beäugt. Er hatte sich gut bewegt, die Schläge voll durchgezogen, vieles aus der Mitte gespielt. Gegen Taylor Fritz auf dem Centre Court wurde der Matchplan schnell klar.
Zverev wollte das Spiel mit guter Aufschlagquote und harten Grundlinienschlägen dominieren, lief bei den Servicegames des Amerikaners von Beginn an nicht zu jedem Ball, nicht in jede Ecke. In Richtung der Platzecken bei seitlichen Streckungen sowie bei Vorwärtsbewegungen am Netz war Zverev von Beginn an limitiert.

Zverev limitiert und doch fast erfolgreich

Obwohl er quasi nicht sprinten konnte, gewann er mit dem Selbstverständnis und -vertrauen aus drei überzeugenden Matches gegen Fritz die ersten beiden Sätze.
Ein Aufschlagspiel von Fritz im ersten, in dem Zverev die läuferische und kämpferische Einstellung um wenige Prozentpunkte anhob und ein fehlerloser Tiebreak im zweiten Durchgang reichten dazu.
Mit fortlaufender Spieldauer hatte Zverev jedoch mehr körperliche Probleme. Das Abstoßen aus den Beinen beim Aufschlag fiel ihm schwerer. Die Quoten beim ersten Aufschlag fielen zwar nur gering in den Sätzen drei bis fünf.
Signifikante Veränderungen gab es beim zweiten Service, bei dem er in den ersten beiden Durchgängen noch deutlich mehr als die Hälfte aller Punkte erzielte. Als sich das Momentum in Satz drei änderte, gewann er nur zwei seiner neun Punkte nach dem zweiten Aufschlag.
Fritz griff zu, breakte bei 4:4, servierte den Satz zu null aus und war fortan in allen Belangen mindestens auf Augenhöhe und schlussendlich einfach in der körperlich besseren Verfassung.

Zverev: "Wollte auf keinen Fall aufgeben"

"Ich weiß auch, dass das Match nicht auf hohem Niveau war", sagte Zverev später: Es habe keine wirklich langen Ballwechsel mehr gegeben, "weil ich keine langen Ballwechsel spielen konnte".
Und weiter: "Es war nicht wirklich physisch." Er habe alles selbst entschieden. "Ich war dazu nicht in der Lage. Ich muss ihm zugute halten, dass er zurückgekommen ist, aber es war kein tolles Tennismatch."
Zverev sprach von einer "großen" verpassten Chance. "Sonntag konnte ich überhaupt nicht trainieren,  konnte ich nicht einmal laufen. Heute habe ich mich viel, viel besser gefühlt. Deshalb habe ich versucht zu spielen."
So gut habe er sich wahrscheinlich noch nie auf einem Wimbledon-Platz gefühlt. "So gut habe ich vielleicht noch nie hier gespielt. Ich wollte auf keinen Fall kampflos aufgeben."

Turnierplanung auf der Kippe

Die Enttäuschug war gerechtfertigt. Schließlich hatte sich am Montag nicht nur das Momentum in Zverevs Match geändert. Gefühlt hat sich der gesamte Turnierbaum in Zverevs Hälfte verändert.
Zverev galt ob der Leistung bis zu seinem Kniefall als die Option Nummer eins und als leichter Favorit in einem möglichen Halbfinale gegen Novak Djokovic, weil der eben angeschlagen sei.
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Alexander Zverev musste gegen Taylor Fritz mit einem bandagierten Knie spielen

Fotocredit: Getty Images

Nun in der zweiten Woche Wimbledons angekommen, ist Zverev angeschlagen ausgeschieden, während Djokovic beschwerdefrei wirkt und als Favorit auf das Finale gilt. Tennis ist eine verrückt schnelllebige Sportart. 
Statt wie üblich mit seinen Kräften hauszuhalten in der zweiten Woche eines Grand Slams, muss Zverev nun über seine Turnierplanung nachdenken.

Wie geht es Richtung Olympia weiter?

Der ursprüngliche Plan: Das ATP-Turnier in Hamburg kommende Woche als Lokalmatador und Titelverteidiger auf Sand zur Vorbereitung auf die Olympischen Spiele in Paris.
Die Spiele beginnen am 26. Juli. "Paris will ich gewinnen", sagte Zverev kurz und erklärte: "Mein Knie ist relativ geschwollen. Aber es ist nichts, das außergewöhnlich schlimm ist oder weswegen ich länger ausfalle. Es ist eine Sache von vielleicht ein, zwei Wochen."
Die Verletzung schmerze sehr. "Es ist aber nichts, was ich operieren lassen müsste. Es ist nichts, was nicht von selbst heilen würde. Es braucht einfach Zeit." Die Heilungsphase leitet Zverev zunächst in seiner Wahlheimat Monte Carlo ein. Hinter der Teilnahme in Hamburg steht ein Fragezeichen.
Doch Zverev liebt und braucht eigentlich Rhythmus, gerade nach einem Belagwechsel. Sein Team und er müssen nun genau abwägen, um Olympia nicht zu gefährden und doch perfekt vorzubereiten.
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Quelle: Perform


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