Wimbledon 2024: Für Alexander Zverev geht im All England Club die Tür auf - Knieschmerzen bereiten etwas Sorgen

Alexander Zverev präsentiert sich in diesem Jahr in Wimbledon auf seinem einst ungeliebten Rasen in erstaunlich guter und konstanter Verfassung. Nach dem 6:4, 6:4 und 7:6 (17:15) über Lokalmatador Cameron Norrie sprach der Olympiasieger am Samstag über eine neue Herangehensweise mit weniger Druck, Veränderungen beim Aufschlag und sein lädiertes Knie. Diese Thematik bereitet etwas Kopfzerbrechen.

Alexander Zverev steht in Wimbledon im Achtelfinale

Fotocredit: Getty Images

Ins Detail wollte Alexander Zverev nicht gehen. "Das werde ich nicht sagen. Am Ende des Tages bin ich noch im Turnier und jeder kann lesen, was sie schreiben", sagte er freundlich aber bestimmt auf die Nachfrage eines Reporters, bei welchen Bewegungen er genau Schmerzen gehabt habe.
Zverev hatte sich im zweiten Satz seines Drittrundenspiels in Wimbledon gegen Cameron Norrie das Knie überstreckt - beim Versuch, einen Stoppball am Netz zu erlaufen. Wenige Spiele später nahm er eine medizinische Auszeit, gewann die Durchgänge zwei und drei dennoch.
In der Pressekonferenz abends gab er dann zu, Schmerzen zu haben: "Jetzt auch noch." Zudem sei er limitiert gewesen in seinen Bewegungen.
Mehr Details gab Zverev nicht preis, sagte aber nach einer kurzen Pause hoffnungsvoll: "Ich glaube nicht, dass es etwas so Ernstes sein kann. Sonst hätte ich nicht so weiterspielen können." 

Zverev gibt erste Entwarnung

Dann stand der Olympiasieger auf und verabschiedete sich für Untersuchungen ins Krankenhaus. Die "Bild" berichtete am frühen Sonntagmorgen, dass erste medizinische Tests in Ordnung gewesen seien und Zverev sein Knie nun unter Beobachtung halten müsse.
Später gab auch Bruder Mischa Zverev vorsichtig Entwarnung. Es sei "alles okay", sagte Mischa beim übertragenden Sender "Prime Video": "Wir waren auf dem Platz. Das Training war nicht lang, das muss nach drei Matches aber auch nicht sein. Wir bereiten uns auf morgen vor."
Bis zu besagtem Zwischenfall spielte Zverev sein wohl souveränstes Wimbledonturnier seiner Karriere. Wenn sich die ersten medizinischen Prognosen bestätigen, gibt es ausschließlich Positives zu berichten über Deutschlands besten Tennisspieler und seine weiteren Turnierchancen.
Die Gründe dafür sind vielschichtig.

Neue Lockerheit ist hart erarbeitet

Davis-Cup-Kapitän Michael Kohlmann etwa hatte in einer Presserunde an der Church Road erklärt, er habe Zverev in all den Jahren noch nie so locker erlebt und damit die Beobachtungen vieler bestätigt.
Er wisse nicht, ob er locker rüberkomme oder nicht, erklärte Zverev darauf angesprochen: "Ich habe das Gefühl, wenn man vor dem Turnier und in der Vorbereitung alles gemacht hat, was man machen kann und mit dieser Einstellung in ein Turnier startet, dann braucht man nicht nervös werden."
Er habe das Gefühl, in letzter Zeit alles dafür zu tun, um erfolgreich zu sein und "hoffentlich so ein Turnier" irgendwann zu gewinnen. "Dann muss das Resultat zu einem von alleine kommen und man muss nicht jeden Tag zittern, ob das Resultat kommt."

Zverev und das geschlossene Dach

Es waren neue Worte von Zverev, aber kein völlig neues Selbstverständnis. Das hat sich seit seinem Comeback 2023 nach schlimmer Verletzung bei den French Open 2022 Stück für Stück entwickelt nach konstanten Leistungen und guten Ergebnissen.
Auch Rückschläge wie das verlorene Halbfinale gegen Daniil Medvedev in Melbourne vor sechs Monaten und die knappe Finalniederlage gegen Carlos Alcaraz vor einem Monat in Paris scheinen positiv in das Gesamtbild von Zverevs mentaler Verfassung zu fließen.
Was dieser Tage in Wimbledon hilft, ist, dass Zverev wiederholt unter geschlossenem Dach antreten durfte. In London 2018 und Turin 2021 sicherte sich Zverev in der Halle bei den ATP-Finals zwei seiner größten Titel. Bei geschlossenen Bedingungen ohne Wind und weitere externe Einflüsse findet Zverev am besten zu seinem Rhythmus.
Hat er den erstmal gefunden, wird es für jeden Spieler außerhalb der Top fünf schwer. "Unwirklich" nannte etwa Norrie Zverevs Leistung am Samstag.
picture

Alexander Zverev steht im Achtelfinale von Wimbledon

Fotocredit: Getty Images

Zverev über Aufschlag: "am meisten daran gearbeitet"

Zverev traute sich zudem regelmäßig vor ans Netz. Bis zum Tiebreak des dritten Satzes hatte er 17 von 24 Netzangriffen erfolgreich beendet; den Tiebreak selbst bestritt er weitestgehend von seiner geliebten Grundlinie. In dieser entscheidenden Phase durfte sich Zverev auf seinen Aufschlag verlassen.
Generell ist Zverev über die vergangenen zwölf Monate betrachtet laut ATP-Statistiken der zweitbeste und konstanteste Aufschläger hinter Hubert Hurkacz. In Wimbledon servierte Zverev bislang im Schnitt mehr als 70 Prozent erste Aufschläge. In Runde eins gewann er nach dem ersten Aufschlag 76 Prozent der Punkte. Am Samstag gegen Norrie waren es bereits 90 Prozent.
Auf den Service wird es ebenfalls am Montag gegen Taylor Fritz ankommen. "Das ist der Schlag, an dem ich die vergangenen Jahre am meisten gearbeitet habe", erklärte Zverev am Samstag. Er verwies auf das US-Open-Finale 2020, das er wegen seines Aufschlags verloren habe. "Das muss man sich erstmal vorstellen."
2019 und 2020 habe er riesige Probleme mit dem Service gehabt. "Ich bin zwei Meter groß, aber der Aufschlag war immer eine Schwäche von mir.

Zverevs Ballwurf nun tiefer

Seit geraumer Zeit und in diesen Tagen von Wimbledon ist das Gegenteil der Fall, was laut Zverev am veränderten Ballwurf liege. "Ich habe den Ball in der Vergangenheit viel, viel zu hoch geworfen. Jetzt liege ich einen halben Meter tiefer. Das war das Nummer eins Thema, an dem ich gearbeitet habe", resümierte er. 
Die neue Konstanz haben auch die Gegner vernommen, nicht erst in Wimbledon. An der Church Road allerdings hat sich das Feld in der Auslosung auf Zverevs Seite geöffnet. Taylor Fritz ist fürs Achtelfinale selbstredend ein harter Brocken. Die Nummer 13 der Setzliste hat das Vorbereitungsturnier in Eastbourne gewonnen; Zverev hat den 26-Jährigen in Wimbledon bereits zweimal besiegt. Der Deutsche geht leicht favorisiert in das Duell mit dem Amerikaner. 
Auf den Gewinner würde Lorenzo Musetti oder der Überraschungsmann, das Aufschlaggenie Giovanni Mpetshi Perricard warten. Im Halbfinale könnte Zverev auf Novak Djokovic treffen, der sich nach der Arthroskopie am Meniskus durch das Turnier quält.
Carlos Alcaraz (gegen Frances Tiafoe) und Jannik Sinner (gegen Yannick Hanfmann und Landsmann Matteo Berrettini) mussten bereits deutlich mehr Kräfte einsetzen.
picture

Baghdatis: "Dann wird Zverev sehr gefährlich ..."

Quelle: Perform


Mehr als 3 Mio. Sportfans nutzen bereits die App
Bleiben Sie auf dem Laufenden mit den aktuellsten News und Live-Ergebnissen
Download
Diesen Artikel teilen
Werbung
Werbung