Wimbledon 2026: Alexander Zverev spielt sich mit Leichtigkeit, Freude und dem Gen eines Champions zum Titelfavoriten

Der French-Open-Titel hat Alexander Zverev verändert. In Wimbledon spielt der Deutsche so frei, mutig und dominant wie nie zuvor. Experten wie John McEnroe und Michael Stich sehen einen Spieler, der die Last der Vergangenheit abgelegt hat. Ist aus dem ewigen Herausforderer nun ein echter Champion geworden? Das Halbfinale gegen Publikumsfavorit Arthur Fery liefert die nächste Antwort.

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Quelle: SNTV

John McEnroe musste schnell weg. Weg vom einen Kommentatoren-Platz zum anderen. Weil sich das Achtelfinal-Match zwischen Arthur Fery und Grigor Dimitrov so in die Länge zog, wusste die Tennis-Legende keinen anderen Ausweg.
"Ich habe vertragliche Verpflichtungen, die ich erfüllen muss. Taylor Fritz ist der letzte US-Amerikaner im Feld - da muss ich hin", sagte McEnroe in seiner Funktion als Experte der "BBC".
Fortan begleitete er Fritz' ungefährdeten Dreisatzsieg gegen Alexander Bublik und urteilte anschließend: "Fritz ist für mich in der unteren Hälfte des Tableaus der Favorit aufs Finale."
Doch McEnroe machte seine Rechnung ohne Alexander Zverev. Durch einen klaren Erfolg gegen Fritz (6:4, 6:4, 6:2) stieß der Deutsche am Mittwoch erstmals ins Halbfinale von Wimbledon vor - und McEnroe musste seine Einschätzung einkassieren.
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Quelle: Eurosport

Zverev spürt Gefühl der "Unbesiegbarkeit"

"Wie Zverev hier aufgetreten ist, nötigt mir größten Respekt ab. Man merkt, wie ihm durch den French-Open-Titel eine riesige Last von den Schultern genommen wurde", sagte dei dreimalige Wimbledon-Sieger. "BBC"-Kollege Tim Henman fügte ergänzend hinzu, dass Zverev "für mich hier mit der Freiheit eines Grand-Slam-Champions spielt."
McEnroe und Henman schildern aus Experten-Sicht das, was Zverev bereits vor Beginn des Turniers kundgetan hatte: "Wenn ich ehrlich zu mir selbst bin, muss ich schon zugeben, dass es sich anders anfühlt. Mein Leben hat sich außerhalb des Platzes nicht verändert. Aber ich trainiere und spiele mit mehr Freude und auch mehr Freiheit durch das Bewusstsein, dass ich ein Grand-Slam-Turnier gewonnen habe."
Ein gewisses Gefühl der "Unbesiegbarkeit" zu haben ist das eine, es auf dem Court umzusetzen, das andere - zumal sich eine innige Beziehung zwischen Zverev und dem heiligen Gras von Wimbledon aufgrund Zverevs überschaubaren Erfolgen in der Vergangenheit nicht aufbauen ließ.
Doch Zverev ist seit dem Finalsieg in Roland-Garros ein anderer Spieler. Einer, der seine Stärken konsequent ausspielt und nicht mehr in alte Muster verfällt. Nach seinem Titel in Paris hatte Andre Agassi noch geunkt, dass Zverev vielleicht eines dieser "One-Hit-Slam-Wonder" sein könnte. Ein Spieler, der mehr durch Zufall einen der vier begehrten Pokale im Tennis abstaubt.
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Der Titel, der alles veränderte: Alexander Zverev mit dem French-Open-Pokal

Fotocredit: Getty Images

Zverev legt den mentalen Ballast ab

Zverev schickt sich dieser Tage auf der Anlage an der Londoner Church Road an, dieses Vorurteil ad absurdum zu führen. Vor allem die Leistung gegen Fritz, der zugegebenermaßen Knieprobleme hatte, nährt die Hoffnung, dass auf den Jungfern-Grand-Slam-Titel gleich der nächste folgen könnte.
Zverevs größter Gegner war in den vergangenen Jahren oft nicht sein Tennis, sondern der mentale Ballast. Er verlor Endspiele, verpasste Chancen und musste sich immer wieder den Vorwurf anhören, in den größten Momenten nicht sein bestes Tennis abzurufen. Der French-Open-Titel hat dieses Narrativ zerstört. Wer den Druck eines fünfstündigen Grand-Slam-Finals erfolgreich schultert, beweist, dass er die mentale Härte eines Champions besitzt.
Fritz bekam dies im Viertelfinale zu spüren. Von Beginn an ließ Zverev keinen Zweifel aufkommen, wer Chef im Ring ist - losgelöst von der Horrorbilanz mit sieben Pleiten gegen den US-Amerikaner in Serie. Zverev ließ Fritz früh spüren, dass für ihn nichts zu holen ist - nicht hier und nicht heute. "Mit seiner neuen Art, der Lockerheit, seiner Erfahrung und Ausstrahlung kann Sascha in Wimbledon alles erreichen", sagte Philipp Kohlschreiber bei "ntv".

Zverev hat alle Waffen für Wimbledon

Auch spielerisch bringt Zverev inzwischen vieles für Wimbledon mit. Sein erster Aufschlag gehört zu den effektivsten Waffen der Tour, seine Rückhand ist seit Jahren Weltklasse, und auf Rasen kann er mit seiner Größe und Reichweite enormen Druck erzeugen.
Der schnelle Belag verlangt permanentes Offensivspiel, schnelle Entscheidungen und eine Risikobereitschaft, die nicht immer zu Zverevs eher kontrolliertem Stil passt. Doch auch das hat sich geändert.
"Eine großartige Leistung und eines seiner besten Matches überhaupt in Wimbledon. Konzentriert, entspannt, risikobereit und mit Freude. Chapeau", sagte "Prime Video"-Experte Michael Stich, der seine Einschätzung bestätigt sah: "Ich habe nicht umsonst gesagt, dass Zverev für mich von allen, die noch drin sind, der Beste ist."
Zverev hat nach dem French-Open-Sieg das Champion-Gen intus. Champions spielen anders, wenn sie nichts mehr beweisen müssen. Und dennoch wartet im Halbfinale eine ganz besondere Herausforderung, die nicht unbedingt mit der Stärke des Gegners zu tun hat.

Zverev trifft auf Publikumsliebling Fery

Zverev trifft am Freitag auf Arthur Fery (im Liveticker), vor Wimbledon die Nummer 114 der Welt. Der Brite macht ein ganzes Königreich verrückt und lässt das Wimbledon-Publikum vom ersten britischen Triumph seit Andy Murray (2014 und 2016) träumen.
Zverev weiß, was auf ihn zukommt. "Ich bin ja nicht blöd", meinte er augenzwinkernd. Laut Kohlschreiber könnte Zverev die Atmosphäre sogar beflügeln. "Mich würde es nicht wundern, wenn Sascha noch etwas mehr aus sich herausholt, wenn das ganze Stadion gegen ihn ist", sagte er.
Ob der Wimbledon-Traum tatsächlich Wirklichkeit wird, entscheidet sich spätestens Sonntag. Fest steht aber: Zverev reist nicht mehr als Suchender durch die Tenniswelt, sondern als Champion.
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Quelle: SNTV


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