Wimbledon - Novak Djokovic und sein Wiedersehen mit Jannik Sinner im Halbfinale: "Versuche mir selbst zu beweisen ..."
Update 09/07/2026 um 10:03 GMT+2 Uhr
Mit 39 Jahren trotzt Novak Djokovic jeder Logik. Der 24-malige Grand-Slam-Champion setzte sich im Wimbledon-Viertelfinale nach 5:15 Stunden 7:6 (12:10), 3:6, 6:3, 6:7 (4:7), 7:6 (10:4) gegen Félix Auger-Aliassime durch und steht zum 15. Mal im Halbfinale des Rasenklassikers. Dort wartet mit Titelverteidiger Jannik Sinner nun die wohl größtmögliche Herausforderung auf den Serben.
Highlights: Zverev siegt im Nachsitzen, Djokovic historisch
Quelle: Eurosport
"Es war eines der besten Matches, die ich jemals in Wimbledon gespielt habe", sagte Novak Djokovic nach dem Mammutmatch gegen Auger-Aliassime: "Ich kann mich nicht erinnern, hier jemals ein längeres Match bestritten zu haben. Vielleicht kommt nur das Finale gegen Roger Federer 2019 von der Dauer her heran. Es war unglaublich eng. Beide hätten gewinnen können."
Mehr noch als die Qualität des Matches beeindruckte jedoch, wer dieses Match gewann. Und vor allem: Wie. Mit 39 Jahren beweist Djokovic einmal mehr, dass er sich dem biologischen Ablauf seiner Karriere hartnäckig widersetzt.
Während viele seiner einstigen Rivalen längst ihre Karriere beendet haben, misst sich der Serbe weiterhin mit Spielern, die deutlich jünger sind - und setzt sich auch in den größten Kraftproben noch durch.
Es war einmal mehr eine jener Vorstellungen, die Djokovics außergewöhnliche Karriere geprägt haben. Selbst wenn die Partie zu kippen drohte, blieb der Top-Star ruhig und schlug genau dann zu, als es darauf ankam.
Djokovic und das "Match wie ein Endspiel"
Djokovic sprach von einem Finale vor dem Finale. "Für mich war dieses Match wie ein Endspiel. Ich habe alles gegeben. Es war ein großartiges Erlebnis für uns Spieler, für die Zuschauer im Stadion und für alle, die es am Fernseher verfolgt haben. Ich bin froh, erneut Teil eines historischen Matches gewesen zu sein."
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Novak Djokovic zeigte im Wimbledon-Viertelfinale eine Weltklasse-Leistung
Fotocredit: Getty Images
Dass Djokovic noch immer solche Marathon-Duelle gegen die Weltelite gewinnt, überrascht selbst ihn ein Stück weit. "In diesem Alter weiterhin gegen Spieler anzutreten, die 15 Jahre jünger sind als ich, und sie in so engen Matches zu schlagen, ist eine schöne Überraschung", erklärte der Serbe. "Gleichzeitig habe ich aber immer die höchsten Erwartungen an mich selbst. Ich bin sehr selbstkritisch und anspruchsvoll, versuche aber auch, Momente wie diesen zu genießen."
Dass der siebenmalige Wimbledon-Champion den Court als Sieger verließ, lag einmal mehr an genau den Qualitäten, die Djokovic seit fast zwei Jahrzehnten auszeichnen. Zwar dominierte Auger-Aliassime mit seinem Aufschlag weite Teile der Partie, schlug mehr Asse, sammelte mehr Winner und gewann 25 seiner 27 Aufschlagspiele. Auf dem schnellen Wimbledon-Rasen wäre dieses Profil in den meisten Fällen gleichbedeutend mit einem Sieg gewesen.
Statistiken unterstreichen: Djokovic glänzt mit enormer Konstanz
Doch Djokovic entschied die Partie in den unscheinbareren Statistiken. Während Auger-Aliassime nach seinem zweiten Aufschlag nur 43 Prozent der Punkte gewann, kam Djokovic auf starke 64 Prozent.
Noch deutlicher fiel der Unterschied beim Return auf den zweiten Aufschlag aus: Djokovic gewann 56 Prozent dieser Punkte, der Kanadier lediglich 36 Prozent. Gerade im fünften Satz verschob sich das Kräfteverhältnis noch einmal deutlich zugunsten des Grand-Slam-Rekordchampions. Im entscheidenden Match-Tiebreak ließ Djokovic seinem Gegner schließlich mit 10:4 keine Chance.
Hinzu kam seine enorme Konstanz. Auger-Aliassime leistete sich insgesamt 84 Fehler, davon 60 unerzwungene, Djokovic blieb mit 64 beziehungsweise 46 deutlich stabiler. Besonders auf der Rückhand offenbarte der Kanadier Schwächen und produzierte dort zehn unforced errors mehr als sein Gegner.
Selbst am Netz spielte Djokovic fehlerfrei, während Auger-Aliassime auch dort wichtige Punkte liegen ließ. Es war einmal mehr die klassische Djokovic-DNA: weniger spektakulär, dafür in den entscheidenden Momenten nahezu fehlerlos.
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Wiedersehen zwischen Djokovic und Sinner am Freitag im Wimbledon-Halbfinale
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Nach dem Marathon richtet sich der Fokus nun auf das Halbfinale gegen Sinner. "Ich weiß nicht, was morgen sein wird", sagte Djokovic: "Ich bin aber noch im Turnier und möchte mindestens noch einen weiteren Schritt gehen." Dieser eine Schritt könnte allerdings der schwierigste werden.
Wiedersehen mit Sinner: "Anders als bei Australian Open"
"Die Situation ist anders als bei den Australian Open", erklärte Djokovic mit Blick auf das erneute Duell mit Sinner am Freitag: "Damals bin ich nach mehreren Monaten Vorbereitung viel frischer ins Turnier gegangen, außerdem fand das lange Match erst im Halbfinale statt. Hier war es bereits im Viertelfinale, und jetzt wartet direkt Sinner."
Dennoch sieht sich Djokovic keineswegs chancenlos. "Ich versuche mir selbst und allen anderen zu beweisen, dass ich noch immer mit den besten Spielern der Welt mithalten und sie auf den größten Bühnen schlagen kann. Das ist mir in Australien gelungen, und das ist mir hier wieder gelungen. Ich hoffe, dass mir das in London noch ein oder zwei weitere Male gelingt."
Tatsächlich spricht die jüngere Vergangenheit für Djokovic. Erst bei den Australian Open bezwang er Sinner im Halbfinale nach fünf Sätzen 3:6, 6:3, 4:6, 6:4, 6:4. Allerdings reist der Italiener diesmal unter deutlich anderen Vorzeichen an.
Der Weltranglistenerste präsentiert sich in London bislang in starker Verfassung, ließ auch Jan-Lennard Struff im Viertelfinale in drei Sätzen keine Chance und wirkt körperlich frisch. Während Djokovic mehr als fünf Stunden auf dem Centre Court kämpfen musste, konnte Sinner vergleichsweise Kräfte sparen.
Genau darin dürfte der größte Vorteil von Sinner liegen. Nach dem längsten Viertelfinale der Wimbledon-Geschichte rechtzeitig wieder bei 100 Prozent anzukommen, wird für Djokovic zur Herkulesaufgabe.
Doch genau solche Herausforderungen haben den Serben in den vergangenen zwei Jahrzehnten immer wieder ausgezeichnet. Der "ewige Djokovic" hat oft genug bewiesen, dass Alter für ihn bislang nur eine Zahl ist. Ob das auch gegen den derzeit besten Spieler der Welt noch einmal reicht, entscheidet sich am Freitag.
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Quelle: SNTV
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