Wimbledon 2026: Jan-Lennard Struff vor dem Match seiner Karriere - was Jannik Sinner nun Sorgen bereiten könnte

Jan-Lennard Struff steht erstmals im Wimbledon-Viertelfinale - und gegen den Titelverteidiger sowie Weltranglistenersten Jannik Sinner spricht mehr für den Deutschen, als es die Weltrangliste vermuten lässt. Mit enormer Ausdauer, Nervenstärke und dem besten Aufschlag des Turniers hat sich der 36-Jährige eine echte Chance erarbeitet. Wie Sinner mit der anhaltenden Hitze umgeht, bleibt abzuwarten.

Wimbledon-Champion Sinner: Das sind die zwei schärfsten Rivalen

Quelle: Perform

"Es ist unglaublich. Ich stand jetzt zum vierten Mal im Achtelfinale und bin sehr glücklich, dass ich zum ersten Mal den Schritt ins Viertelfinale geschafft habe. Dass das ausgerechnet hier in Wimbledon passiert ist, ist einfach geil."
Jan-Lennard Struff musste nach seinem historischen Erfolg erst einmal tief durchatmen. Verständlich. Mit 36 Jahren steht der Warsteiner erstmals im Viertelfinale eines Grand-Slam-Turniers. Nun wartet das größte Match seiner Karriere gegen den amtierenden Champion Jannik Sinner.
Auf dem Papier scheint die Rollenverteilung eindeutig. Doch schaut man genauer hin, bringt Struff Eigenschaften mit, die Sinner durchaus gefährlich werden könnten. Vor allem eine: den langen oder vielleicht sogar längeren Atem.
Denn der Deutsche hat sich in Wimbledon nicht irgendwie ins Viertelfinale gespielt, sondern auf die denkbar härteste Art. Gegen Brandon Nakashima gewann Struff nach fünf Sätzen, vier davon gingen in den Tiebreak.
Gegen Daniil Medvedev entschied er gleich zwei Tiebreaks für sich, ehe er im Achtelfinale gegen Hubert Hurkacz erneut über fünf Sätze kämpfen musste, bevor der Pole verletzungsbedingt aufgab. Fast logisch, dass auch der Auftakt ins Turnier gegen Sebastián Baéz ein Fünfsatz-Duell war.

Struffs Gesamtpaket: Mentalität, Risiko und Ass-Rekord

Es ist ein Turnier der Geduld geworden. Und genau darin scheint Struff seine größte Stärke gefunden zu haben. Michael Stich brachte dieses Phänomen bei "Prime Video" treffend auf den Punkt.
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Jan-Lennard Struff in Wimbledon

Fotocredit: Imago

"Ich habe immer daran geglaubt, weil Struffi eben Struffi ist. Als er den dritten Satz im Tiebreak gewonnen hatte, dachte ich: Er geht einfach nicht weg. Er gibt seinem Gegner das Gefühl: 'Wir können auch noch vier Stunden spielen - ich verlasse diesen Platz nicht, bevor das Match entschieden ist.' Das ist die tolle Mentalität von Jan-Lennard Struff", erklärte der Wimbledon-Sieger von 1991.
Je länger die Matches dauern, desto stärker wirkt Struff. Dabei spielt der Deutsche keineswegs auf Sicherheit. Im Gegenteil. Auffällig ist, dass er in sämtlichen vier Partien mehr Winner als seine Gegner schlug. Struff sucht konsequent den Punktgewinn, spielt mutig, geht volles Risiko und verlässt sich auf einen Aufschlag, der bislang zu den gefährlichsten des gesamten Turniers gehört.
Mit 45 Assen gegen Nakashima stellte Struff einen deutschen Wimbledon-Rekord auf. Nach vier Runden steht er bereits bei exakt 100 Assen und führt damit die Statistik im gesamten Turnier an.

Kommen Sinners Hitzeprobleme Struff zugute?

Diese Mischung könnte gegen Sinner entscheidend werden, denn der Italiener zeigte zuletzt durchaus eine mögliche Schwachstelle.
Bei den French Open geriet der Weltranglistenerste in der zweiten Runde gegen Juan Manuel Cerúndolo zunehmend an seine körperlichen Grenzen. Vor allem die Hitze und die Länge der Partie setzten ihm sichtbar zu, schlussendlich schied er nach einem Fünfsatz-Drama aus.
Zwar arbeitete Sinner in den vergangenen Wochen intensiv daran, seine Belastbarkeit unter hohen Temperaturen zu verbessern, doch auch in London werden weiterhin sommerliche Bedingungen bei Temperaturen um die 30 Grad Celsius erwartet.
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Bisher souverän unterwegs: Jannik Sinner

Fotocredit: Getty Images

Ob ihm das diesmal keine Probleme bereitet, muss sich zeigen. Sollte das Viertelfinale über vier oder gar fünf Sätze gehen, könnte sich das Kräfteverhältnis zumindest etwas verschieben. Struff hätte damit genau die Situation, die ihm bislang in Wimbledon so gut gelegen hat.

Petkovic über Struff: "Absolut klassische Himmelsmusik"

Für Andrea Petkovic kommt dieser Erfolg ohnehin nicht überraschend. Bei "Prime Video" erklärte die 38-Jährige: "Das klingt wie absolut klassische Himmelsmusik für mich, dass er im Viertelfinale ist. Man muss die spielerischen Qualitäten von Jan-Lennard Struff nach diesen vier Siegen nicht mehr erklären."
Petkovic unterstrich in dem Zusammenhang insbesondere die harte Arbeit von Struff. "Jan-Lennard Struff und Laura Siegemund gehören zu den Spielerinnen und Spielern auf der Tour, die jeden Tag alles geben. Und das wird irgendwann belohnt. Manchmal nicht im ersten Jahr, manchmal nicht einmal im fünften. Aber es wird belohnt."
Natürlich bleibt Sinner der klare Favorit. Doch Struff reist mit etwas an, das sich kaum in Statistiken messen lässt. Wimbledon hat dem Routinier gezeigt, dass Ausdauer, Mut und Überzeugung manchmal mehr wiegen als jede Weltranglistenposition. Sollte das Viertelfinale am Dienstag (ab 14:00 Uhr MESZ Liveticker) zur Kraftprobe werden, könnte genau darin seine größte Chance liegen.
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Quelle: SNTV


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