Iga Swiatek - die Krise spitzt sich zu: Polens Superstar seit fast 300 Tagen ohne Turniersieg und Endspiel-Teilnahme

Was ist mit Iga Swiatek los? Die Polin wartet nicht nur seit 285 Tagen auf einen Turniersieg, sondern erreichte seit ihrem Titel bei den French Open 2024 kein Finale mehr. Dazu kommen die negativen Schlagzeilen durch den positiven Dopingtest Ende des vergangenen Jahres und der Verlust der Führung in der Weltrangliste. Die 23-Jährige versucht, gegenzusteuern, doch das gestaltet sich schwierig.

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Quelle: Perform

Es hatte sich einiges angestaut bei Iga Swiatek - und dann brach es aus ihr heraus. Die Polin zog durch und feuerte den ihr zugeworfenen Ball in den Boden und zurück in Richtung des Balljungen.
Auf die heftige Kritik, die sie nach ihrer Halbfinal-Niederlage gegen Mirra Andreeva in Indian Wells (6:7 (1:7), 6:1, 3:6) für die Szene erntete, antworte die 23-Jährige wenig später mit einem langen Post bei Instagram, in dem sie sich für den Vorfall entschuldigte und ihr Verhalten erklärte.
Auf eine gewisse Art war der Ausraster bei dem Turnier der 1000er-Kategorie der Kulminationspunkt der wahrscheinlich tiefsten sportlichen Krise der Nummer zwei der Welt, nachdem es für sie lange Zeit nur bergauf gegangen war.
Seit ihrem Triumph bei den French Open im vergangenen Jahr hat Swiatek keinen Titel mehr gewonnen. 285 Tage dauert ihre Durststrecke mittlerweile an - und selbst wenn das Warten beim Wettbewerb in Miami nach dann 294 Tagen enden sollte, war die Warschauerin seit ihrem Durchbruch in Roland-Garros 2020 nie länger ohne einen Turniersieg geblieben.
Natürlich handelt es sich dabei um Jammern auf hohem Niveau: Selbst im gegenwärtigen Tief erreichte Swiatek bei ihren jüngsten neun Turnieren fünfmal das Halbfinale, zweimal die Runde der letzten Acht, dazu kam der Gewinn der Bronzemedaille bei Olympia in Paris.

Nur vier Siege gegen Top-10-Spielerinnen

Aber es ist durchaus auffällig, dass sie seit jenem Erfolg bei den French Open 2024 kein Endspiel mehr bestritten hat, auch ihre Bilanz gegen Top-10-Spielerinnen fällt seither einigermaßen gemischt aus.
Klammert man die WTA Finals in Riyadh aus, wo Swiatek trotz zweier Siege bereits in der Gruppenphase scheiterte, konnte die 23-Jährige seit dem Pariser Grand Slam "nur" viermal gegen Spitzenspielerinnen jubeln - bei drei Niederlagen.
Zum Vergleich: Bei ihren Triumphen in Rom und den French Open vor einem Jahr hatte sie innerhalb von drei Wochen viermal gegen Gegnerinnen gewonnen, die in der Weltrangliste unter den besten Zehn gestanden hatten.

Formtief wegen Doping-Sperre?

Eine Erklärung für den Bruch lieferte Swiatek in ihrem Instagram-Post nach Indian Wells. "Die zweite Hälfte des vergangenen Jahres war extrem herausfordernd für mich, besonders durch den positiven Dopingtest", schrieb sie dort.
Die Sperre, die sie erhalten habe, hätte ihr "die Chance genommen, am Ende der Saison für die höchsten sportlichen Ziele zu kämpfen", erklärte die 23-Jährige.
Zwar habe sie "bestimmte Dinge umgestellt", was ihr auch bei den Australian Open im Januar geholfen habe, doch sei ihr bei den Turnieren im Nahen Osten erst richtig bewusst geworden, dass sie durch ihren Doping-Bann vorerst ihre Führung in der Weltrangliste nicht zurückerobern werde, führte die Polin aus.
Der ehemalige Tennis-Profi und heutige Eurosport-Experte Àlex Corretja hielt Swiateks Erklärung für plausibel: "Was sie letztes Jahr erlebt hat, war fürchterlich. Ich kann ihre Gefühle sehr gut verstehen." Swiatek spiele "großartiges Tennis, aber sie ist auch sehr empfindlich. Man kann sehen, dass sie unter dem leidet, was über sie gesagt wird", meinte der Spanier.

Tränen nach Olympia-Pleite

Es ist klar, dass die negative Resonanz in der internationalen Öffentlichkeit durch den Dopingtest einer jungen Frau Anfang 20 mental zusetzen kann. Doch beim Blick zurück fällt auf, dass es vorher schon Anzeichen gab, wie sehr Swiatek unter Anspannung steht.
Auf dem Weg zu ihrem French-Open-Titel vor einem Jahr hatte die Polin in der 2. Runde gegen Naomi Osaka (7:6 (7:1), 1:6, 7:5) bereits mit dem Rücken zur Wand gestanden, sich aber schlussendlich durchgesetzt. Im Anschluss flossen Tränen der Erleichterung.
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Quelle: Eurosport

Anders war es beiden Olympischen Spielen in Paris: Nach ihrer Halbfinal-Niederlage gegen Qinwen Zheng weinte die damalige Weltranglistenerste in den Katakomben nach dem Match bitterlich und löst eine Welle der Anteilnahme aus.
Der Druck, den die fünfmalige Grand-Slam-Gewinnerin sich selbst macht und unter dem sie aber auch öffentlich steht, wurde zu groß. Angesichts der Erwartungen an die Sommerspiele war die Bronzemedaille, die sie anschließend im kleinen Finale gegen Anna Karolina Schmiedlova holte, lediglich ein Trostpreis.

Ein Riss in der Fassade

Die Tränen waren auch ein Riss in der Fassade der Polin, die vorher oft mehr als rational denn als emotional gegolten hatte. Ein Bild, das ihr scheinbar ebenfalls zusetzt, wie sie in ihrem Post nach Indian Wells durchblicken ließ.
"Wenn ich hoch konzentriert bin und auf dem Platz wenige Emotionen zeige, werde ich als Roboter und meine Attitüde als unmenschlich bezeichnet", schrieb die 23-Jährige.
Die Kritik nach Indian Wells, sie sei "unreif oder hysterisch", da sie mittlerweile mehr Emotionen zeige, stelle "keinen gesunden Standard" dar. Zumal sie vor einem halben Jahr noch das Gefühl gehabt habe, dass ihre Karriere auf Messers Schneide stehe und sie "drei Wochen täglich geweint" habe.
Zeilen, aus denen man herauslesen kann, dass es sie beschäftigt, es offenbar niemandem recht machen zu können. Eine weitere Hürde auf dem Weg zurück zu großen Erfolgen, doch Swiatek ist gewillt, den Kampf aufzunehmen.

Wird der Tief- zum Wendepunkt?

Schon im Oktober des vergangenen Jahres gab die viermalige French-Open-Triumphatorin kurz vor den WTA Finals bekannt, zukünftig mit dem belgischen Spitzen-Coach Wim Fissette zusammenzuarbeiten.
Unter dem 44-Jährigen zeigt ihre Formkurve wieder nach oben. Drei ihrer vier Siege gegen Top-10-Spielerinnen seit dem vergangenen Juni sammelte die Polin unter dem Belgier. Dazu kamen Halbfinalteilnahmen bei den Australian Open und den 1000er-Turnieren in Katar und Indian Wells sowie das Viertelfinale in Dubai.
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Quelle: Eurosport

Ein Titel sprang zwar noch nicht heraus, doch in Miami hat Swiatek, die am Freitag zum Auftakt auf die Französin Caroline Garcia (6:2, 7:5) bezwang, die nächste Gelegenheit, ihre Durststrecke zu beenden und das dunkelste Kapitel ihrer bisherigen Karriere endlich abzuschließen.
Letztlich könnte sich der Ausbruch in Indian Wells noch vom Tief- zum Wendepunkt entwickeln - wenn Swiatek den Titel in Miami holt.
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Quelle: SNTV


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