Der Triumphzug von Hinze, die alle vier Sprint-Turniere der ersten Champions-League-Saison für sich entschied und sich nach ihrem Sturz vom Freitag zwar rein faktisch nur knapp, leistungsmäßig aber doch ungefährdet vor ihrer Freundin Lea Sophie Friedrich den Gesamtsieg sicherte, bestimmte die Bilder der Track Champions League aus deutscher Sicht.
Die 24-Jährige strahlte am Samstagabend im Lee Valley Park mit der Trophäe um die Wette und ließ sich als neue Sprint-Queen feiern – zurecht:
Immerhin hatte Hinze sowohl Olympiasiegerin Kelsey Mitchell als auch Weltmeisterin Friedrich in den vergangenen fünf Wochen regelmäßig souverän im Griff.
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Hinze krönt sich im Duell der Freundinnen zur Königin - vorerst
05/12/2021 AM 00:52
Trotzdem aber glänzten die drei Jahre jüngere Friedrich und der 29-Jährige Bötticher in der ersten Champions-League-Saison neben ihr. Denn auch wenn Friedrich insgesamt anerkennen musste, dass gegen Hinzes Power und taktische Cleverness kein Kraut gewachsen war, so bewies die 21-Jährige Mut und Lernbereitschaft, probierte sich renntaktisch aus und sammelte wichtige Erfahrungen, während sie ganz nebenbei auch noch Rang zwei abräumte – eben auch vor Olympiasiegerin Mitchell.

Friedrich souverän: Sieg im Keirin für die Weltmeisterin

Friedrich begeistert mit WM-Form

Friedrich bestätigte auch ohne den Gesamtsieg ihre drei WM-Titel von Roubaix und machte gemeinsam mit Hinze Lust auf mehr in den kommenden Jahren – dann auch wieder mit der in dieser Champions-League-Saison fehlenden Pauline Grabosch.
Weil die Zugehörigkeit zur absoluten Weltspitze bei den deutschen Sprinterinnen ohnehin auch nach dem durchwachsenen Olympia-Abschneiden aber nie wirklich infrage stand, war der vielleicht größte Sieger aus deutscher Sicht in den vergangenen Champions-League-Wochen sogar Bötticher.
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Der 29-Jährige gewann drei der vier Keirin-Wettbewerbe, wurde Gesamtzweiter und hätte am letzten Abend in London im allerletzten Lauf der Champions-League-Saison sogar beinahe noch die riesige Sensation geschafft und Überflieger Harrie Lavreysen im direkten Sprint-Duell bezwungen. Nur wenige Zentimeter fehlten auf der Ziellinie um die zweijährige Siegesserie des Niederländers in dieser Disziplin zu brechen.

Bötticher liefert Lavreysen heißen Fight im Sprint

Bötticher findet zurück zu alter Stärke

"Es freut mich, dass er sich hier so gut präsentieren kann, um dann in Zukunft die Lücke nach vorne wieder schließen zu können", sagte Maximilian Levy über seinen langjährigen Wegbegleiter, der 2013 zwar bereits mit 21 Jahren Sprint-Weltmeister war, in den vergangenen Jahren aber nicht mehr ganz nach vorne kam. "Das wird ihm und seinem Selbstvertrauen guttun", war sich Levy sicher.
Und der 34-jährige Berliner trug dazu auch selbst bei. Sowohl am Freitag als auch am Samstag schaffte er die Qualifikation für das Keirin-Finale, wo er dann jeweils früh attackierte und das Rennen auf diese Weise schnell machte, um Bötticher den Weg zum Sieg zu ebnen.
"Ich habe ihm in der ersten Runde geholfen, bei seinem letzten Rennen ins Finale zu kommen. Dafür war er mir ziemlich dankbar und er sagte, dass wenn es die Möglichkeit gebe, mir zu helfen, dass ich es ihn wissen lassen sollte", sagte Bötticher nach seinem Sieg. Im Vorlauf hatte er Levy ans Hinterrad genommen und im Windschatten mitgezogen, sodass beide gemeinsam ins Finale einziehen konnten.

Knappe Kiste im Keirin: Böttichers Siegesserie hält beim Finale

Dort dann machte Levy das Rennen schnell, doch während Lavreysen sich davon am Freitag noch überraschen ließ und dadurch nach hinten gebunden wurde, war der Niederländer diesmal sofort auf der Höhe.
"Ich denke er hat es diesmal erwartet. Es war ja so ziemlich dasselbe wie gestern und er hat es ziemlich gut gelöst, aber es ist immer schwer, wenn man gegen zwei fährt. So war ich dann am Ende etwas schneller", fasste Bötticher seinen Sieg über den Niederländer zusammen, der sich kurzzeitig zwischen die beiden Deutschen schob, am Ende aber trotzdem durch die deutsche Zange gut ausgespielt wurde.
Vor dem Sprint-Turnier sagte Bötticher außerdem, dass er sich freue, gegen Lavreysen zu fahren. "Er ist einfach die Nummer 1 momentan. Und das wird mich besser machen", war er sicher. Und darin dürfte er Recht haben: Diese Champions-League-Saison und die wöchentlichen Duelle mit dem weltbesten Sprinter haben auch Bötticher wieder auf ein neues Level gehoben.

Fans dürfen sich auf Bötticher 2022 freuen, aber Levy wird fehlen

Für den 29-Jährigen ist das Konzept der neuen, eng gestaffelten Rennserie mit vielen Vergleichen auf Weltklasseniveau in kurzer Zeit perfekt aufgegangen. Und so können sich die deutschen Bahnrad-Fans – von denen er selbst in den vergangenen Wochen einige neu generiert haben dürfte - darauf freuen, dass der Doppelweltmeister von 2013 in der Saison 2022 vielleicht wieder so nah an den Bötticher von vor acht Jahren herankommt, wie lange nicht mehr.
Fehlen wird ihnen in Zukunft dagegen ein Anderer: Levy. Der Berliner Olympia-Medaillengewinner von 2008 und 2012 hat in der vergangenen Woche bereits mit seinem neuen Job als Junioren-Nationaltrainer angefangen und hängt sein eigenes Rad nun – abgesehen vom möglichen Six-Days-Start in der Heimat – endgültig an den Nagel. In London verabschiedete er sich mit seinen beiden Final-Auftritten im Keirin eindrucksvoll von der Profi-Karriere.
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