Stillstand ...

Kein Ball fliegt durch die Luft oder wird mit Urgewalt von oben in einen Korb gedrückt, der immerhin in einer Höhe von 3,05 Metern hängt. Keine Dribblings oder überraschende Pässe. Nichts. Stillstand ...

NBA
Nach Boykott: NBA setzt Spielbetrieb auch am Donnerstag aus
27/08/2020 AM 20:12

Die beste Basketball-Liga der Welt (NBA) hat beim Finalturnier in Orlando nach einem Spielboykott der Milwaukee Bucks einen gesamten Spieltag im Freizeitparadies abgesagt. Die Damenliga folgte. Die Baseballer schlossen sich an. Auch Fußball wurde nicht mehr gespielt. Denn es ist wieder passiert.

Die Gewalttat gegen einen Afroamerikaner in Kenosha, nahe der Heimat der Bucks, hob die Proteste gegen den anhaltenden Rassismus in den Vereinigten Staaten auf ein neues Niveau. Jacob Blake wurde mit sieben Schüssen in den Rücken so schwer verletzt, dass es einem Wunder gleicht, überlebt zu haben. Er wird querschnittsgelähmt bleiben.

Nach Kaepernick-Protest keine wirklichen Veränderungen

Auf den Tag genau vor vier Jahren kniete der Footballspieler Colin Kaepernick aus Protest gegen die Polizeigewalt beim Abspielen der Nationalhymne nieder. Und seitdem? Stillstand. Alle Ankündigungen von Veränderungen hin zu einer Gesellschaft, in der es Benachteiligungen der Herkunft wegen nicht mehr geben soll, waren nicht mehr als Lippenbekenntnisse.

Jetzt nutzt der Sport seine besondere Rolle in der Gesellschaft, die Aufmerksamkeit, die er generiert, um auf die weiterhin verbreiteten Missstände hinzuweisen. Der Sport dreht den Spieß um. Das ist eine neue Dimension, eine komplette Neuausrichtung.

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Politiker sonnen sich im Glanz des Sports

Bislang nämlich wurde der Sport von der Politik ausgenutzt. Er war willfähriger Spielball verschiedener Interessen. Alleine die vielen Boykotts der Olympischen Spiele offenbaren in brutaler Deutlichkeit, wie Sportveranstaltungen instrumentalisiert wurden von Regierungen jedweder Staatsform. Das begann schon vor dem Zweiten Weltkrieg und endete eigentlich erst 1992 in Barcelona, den ersten Spielen, die man guten Gewissens als "boykottfrei" bezeichnen kann.

Politiker sonnen sich zudem gerne im Glanz des Sports. Sie sitzen auf den bequemen Plätzen im VIP-Bereich und drücken selbstverständlich öffentlichkeitswirksam ihrem Team die Daumen. Und sie versuchen nach wie vor über den Sport ihre unterschiedliche politische Grundausrichtung zu untermauern durch den Gewinn möglichst vieler Medaillen. Die Grenzen des Fairplay werden dabei längst außer Acht gelassen. Der mögliche Erfolg scheint alle Mittel zu rechtfertigen. Der Sport wird vergewaltigt.

Ein starkes Zeichen

Aber er ließ das leider bislang auch zu. Denn Sportfunktionäre drängen sich nach wie vor an die Plätze neben den Politikern jedweder Couleur. Das Thema "Menschenrechte" etwa fällt bei der Vergabe von Großereignissen gänzlich unter den Tisch. Ökologische Bedenken? Fehlanzeige.

Der Sport biedert sich unterwürfig an, obwohl er doch die Kraft hätte, Strukturen zu verändern mit klaren Bekenntnissen und einem deutlichen Anforderungsprofil. Muskeln könnte er zeigen, anstatt diejenigen noch zu unterstützen, die ihre Politik nur der eigenen Machterhaltung wegen betreiben. Jetzt könnte sich das Blatt erstmals wenden. Der Streik der verschiedenen Ligen in den USA offenbart eine große Solidarität und legt deutlicher als je zuvor den Finger in die Wunde.

Den Millionen Fans im ganzen Land wird so das Versagen ihrer Politik nachdrücklich vor Augen geführt. Einer Politik, die nichts verändern kann oder will und die in vielen wichtigen, gesellschaftlichen Fragen nur einen Aggregatzustand kennt: Stillstand ...

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