Drama statt Triumph: Mit hängenden Schultern und leerem Blick trudelte Philipp Horn wie paralysiert ins Ziel. Der 26-Jährige war nach einer indiskutablen Schießleistung untröstlich, seine Teamkollegen Arnd Peiffer, Benedikt Doll und Erik Lesser waren fassungslos. Anstatt die deutsche Staffel in Führung liegend zum ersten Sieg seit vier Jahren zu führen, versagten Horn als Schlussläufer beim Liegendanschlag völlig die Nerven. Nach drei Strafrunden stürzte das deutsche Biathlon-Quartett im Rennen über die 4x7,5 km noch auf einen ernüchternden fünften Rang ab.
"Während des Schießens hatte ich keine Ahnung, was ich falsch mache. Ich hatte den gleichen Wind wie beim Anschießen und habe keine schlechten Schüsse abgegeben. Ich war absolut ratlos. Das tut mir für das Team und die Fans leid", sagte Horn nach einem schwarzen Freitag erschüttert und schlich wie ein geprügelter Hund aus der Interviewzone. Selbst die tröstenden Worte seiner Kollegen konnten den geknickten Biathleten vom SV Eintracht Frankenhain nicht aufmuntern.
"Das ist sehr hart. Das ist nicht das, was er sich vorgestellt hat. Das tut mir leid für ihn, aber das ist auch Teil des Geschäfts", sagte Olympiasieger Peiffer, der auf Position drei als Erster an Horn übergeben hatte. Doch Horn, der schon im Sprint am Mittwoch als 50. enttäuscht hatte, war dem Druck nicht gewachsen.
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"Vielleicht haben wir dem Philipp zu viel zugemutet. Wir sind Risiko gegangen, die Taktik ist leider nicht aufgegangen", meinte Doll. Sicher habe er derzeit "nicht das Selbstvertrauen", entgegnete Horn, "aber ich weiß, was ich kann". Am Freitag war das viel zu wenig. Zur Frustbewältigung werde er nun "vielleicht mal vorn Schrank boxen".

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Finale DSV-Aufstellung noch nicht gefunden

Das deutsche Team (3+11), das in den bisherigen zwei Staffeln des Winters starke dritte Plätze belegt hatte, kam bei leichtem Schneefall mit 2:06,4 Minuten Rückstand auf die siegreichen Franzosen ins Ziel. Frankreich (0+6) triumphierte in 1:22:28,0 Stunden knapp vor den favorisierten Norwegern (1+4/+4,2 Sekunden) um Johannes Thingnes Bö sowie Italien (0+5/+1:06,6 Minuten).
"Wir haben wahrscheinlich noch nicht unsere finale Aufstellung gefunden. Wir probieren noch ein bisschen rum", sagte Peiffer. "Spätestens" bei der WM in vier Wochen in Pokljuka hoffe er, "dass es wieder klappt. Es fehlt nicht so viel, dass unsere Staffel mal durchkommt." Zuletzt war das im Weltcup beim Sieg am 21. Januar 2017 in Antholz gelungen.
Besser als die DSV-Männer wollen es am Samstag (ab 14.45 Uhr im Liveticker bei Eurosport.de) die deutschen Biathletinnen in der Staffel über 4x6 km machen. Nach durchwachsenen Einzelergebnissen streben Franziska Preuß, Denise Herrmann, Vanessa Hinz und Janina Hettich den ersten Podestplatz des Jahres an. "Wir probieren wie immer", so Preuß forsch, "Norwegen und Schweden zu ärgern".
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