Olympia 2026 - Biathlon: Voigt knapp am Podest vorbei, Preuß vergibt Medaille – Rösch analysiert Einzel in Antholz

Franziska Preuß hat die erhoffte Olympia-Medaille im letzten Schießen aus der Hand gegeben. Im Einzel über 15 Kilometer war die Gesamtweltcupsiegerin des letzten Winters zuvor ohne Fehler geblieben, leistete sich im entscheidenden Anschlag dann aber zwei Fehlschüsse. Teamkollegin Vanessa Voigt musste sich trotz fehlerfreiem Schießen in Antholz mit Rang vier begnügen - es blieb Frust statt Freude.

Highlights: Voigt verpasst Bronze knapp - Preuß vergibt Goldchance

Quelle: Eurosport

"Dieser Flow vom letzten Jahr fehlt", brachte Eurosport-Experte Michael Rösch nach dem Rennen den Auftritt von Franziska Preuß im Einzel auf den Punkt. "Ich glaube, dass die Gedanken dieses Mal deutlich mehr waren als in anderen Situationen im vergangenen Jahr", so der Olympiasieger von 2006.
Gerade das letzte Schießen weckte Erinnerungen an den vergangenen Sonntag. In der Mixed-Staffel hatte Preuß am Schießstand ebenfalls gewackelt, da aber noch Bronze gerettet. Im Einzel am Mittwoch blieb ihr diese Möglichkeit verwehrt – mit einem Fehler weniger wäre Rang drei möglich gewesen. Preuß lasse "mehr an sich ran, es kreist mehr im Kopf – und man kommt aus so einer Situation so leicht nicht mehr raus", analysierte Rösch.
Die 31-Jährige selbst haderte vor allem mit dem entscheidenden Anschlag. "Ich habe es nicht mehr auf die Kette gekriegt. Es hat dann gar nicht mehr gestimmt vom Timing zwischen Abzug und dem Zielen", sagte Preuß selbstkritisch in der "ARD".
Die Serie bezeichnete sie als "klassisches Harakiri-Schießen". Vor dem letzten Schießen habe zudem "das Gedankenkarussell" eingesetzt. Sie habe begonnen, über eine mögliche Medaille nachzudenken – ein Moment, der sie letztlich aus dem Rhythmus brachte.
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Preuß vergibt Medaille im letzten Schießen - Simon holt Gold

Quelle: Eurosport

Voigt verpasst Olympia-Bronze knapp

Dennoch traut Rösch Preuß weiterhin Großes zu. Nun gelte es, dranzubleiben und sich auf die eigenen Stärken zu besinnen - "da ist noch nicht Ende der Fahnenstange."
Ähnlich knapp wie Preuß verpasste auch Vanessa Voigt eine Medaille, sie belegte im Einzel Rang vier – wie schon bei den Olympischen Spielen in Peking vor vier Jahren – und schrammte damit erneut hauchdünn am Podest vorbei.
"Einer muss Vierter werden. Dass ich es jetzt schon wieder bin nach Peking, ist traurig für mich", sagte die Thüringerin. Trotz der Enttäuschung war sie mit ihrem Auftritt nicht unzufrieden: "Die Welt geht nicht unter. Ich bin trotzdem mega stolz auf meine Leistung."
Nur 13 Sekunden fehlten ihr auf den Bronze-Rang, den überraschend die Bulgarin Lora Hristova belegte.
Mit vier fehlerfreien Serien am Schießstand unterstrich Voigt eindrucksvoll ihre Stärke im Einzel. Zudem liegt ihr der Schießstand in Antholz, wo sie sich sichtlich wohlfühlt. Entsprechend optimistisch blickt sie auf die kommenden Wettbewerbe mit erneut vier Schießeinlagen. "Es war das zweite Rennen. Es kommt noch einiges und ich habe schon eine Medaille in der Tasche. Deshalb bin ich nicht enttäuscht – ich habe mein bestes Rennen gezeigt und alles gegeben."
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Voigt nach Platz vier im Interview: "Unheimlich traurig für mich"

Quelle: Eurosport

Rösch leidet mit Voigt

"Es ist bitter", sagte Rösch mitfühlend, der im Stadion Vanessas Bruder Kevin Voigt traf – die Enttäuschung sei der Familie deutlich anzumerken gewesen.
Gleichzeitig betonte Rösch die starke Entwicklung der immer wieder von Rückschlägen geplagten Voigt: "Vanessa hat ein super Rennen gemacht. Sie muss nur mal zurückschauen, wo sie letztes Jahr stand. Dafür Respekt und Chapeau. Ich weiß, dafür kann sie sich nichts kaufen und ich kenne die Situation. Aber ich finde es trotzdem total klasse, dass sie heute auf den Punkt allen Kritikern gezeigt hat, was machbar ist."
Verbesserungspotenzial sieht der Experte dennoch am Schießstand. Dort habe Voigt wertvolle Sekunden liegen lassen. "Klar, schade um die Schießzeit. Am Ende schießt sie schneller, schießt sie vielleicht einen Fehler mehr. Es ist einfach bitter", sagte Rösch. Tatsächlich verlor die Deutsche am Schießstand 27 Sekunden auf die drittplatzierte Bulgarin Hristova – am Ende fehlten genau diese Sekunden zum Podest.
Schon am Samstag bietet sich für die deutschen Biathletinnen die nächste Gelegenheit, anzugreifen. Im Sprint über 7,5 Kilometer werden die Karten neu gemischt. Zuvor sind am Freitag die Herren gefordert. Michael Rösch hat dabei vor allem Philipp Nawrath im Blick: "Wenn er im Sprint durchkommt, ist er ein Medaillengarant."

Simon gewinnt Doppel-Gold trotz Vorgeschichte

Der Sieg im Einzel ging an die Französin Julia Simon. Die 29-Jährige krönte sich in Antholz zur Olympiasiegerin im Einzel und machte damit den französischen Doppelsieg perfekt. Gemeinsam mit Lou Jeanmonnot stand sie ganz oben auf dem Podest. Sportlich ein Glanzmoment. Doch über dem Olympia-Triumph schwebte auch die Frage, wie unbelastet dieser Erfolg im Team nach den Turbulenzen der vergangenen Monate gefeiert werden kann.
"Ich bin seit Beginn dieser Spiele überhaupt nicht gestresst, es ist unglaublich", wunderte sich Simon nach dem Rennen selbst. "Ich habe riesigen Spaß, es macht mir unglaublich viel Freude. Ich bin einfach nur hier, um zu genießen und mein Bestes im Biathlon zu geben."
Dass dieser Auftritt alles andere als selbstverständlich war, zeigt der Blick zurück. Erst im Herbst hatte Simon gestanden, mit gestohlenen Kreditkartendaten ihrer Teamkollegin Justine Braisaz-Bouchet sowie einer Team-Physiotherapeutin Waren im Wert von rund 2.500 Euro im Internet bestellt zu haben. Ein Gericht verurteilte sie daraufhin zu einer dreimonatigen Haftstrafe auf Bewährung und zu einer Geldstrafe in Höhe von 15.000 Euro. Entsprechend schwierig galt ihr Stand innerhalb der Mannschaft.
In Antholz setzte sie nun vor allem sportlich ein Zeichen. Nach Gold mit der Mixed-Staffel sicherte sie sich auch den Olympiasieg im Einzel – ihre erste olympische Einzelmedaille überhaupt und zugleich die Krönung ihrer bisherigen Karriere.
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Simon nach Gold im Einzel: "Möchte, dass man mich in Ruhe lässt"

Quelle: Eurosport

Simon: "Wir sind hier, um Medaillen zu gewinnen"

In der Südtirol-Arena überwog deshalb vor allem der Respekt für die Französin. "Sie hat den Spirit, und darum geht es einfach", sagte Eurosport-Experte Michael Rösch nach dem Einzel. "Egal, was sie privat gemacht hat – da ziehe ich meinen Hut. Rein sportlich war das Weltklasse."
Die vergangenen Monate hätten sie geprägt, sagte Simon mit bewegter Stimme: "Ich danke meiner Familie, meinen Eltern, meinen Schwestern, meinen Freunden, die mich nie fallen gelassen haben. Sie haben dafür gesorgt, dass ich heute hier bin."
Zugleich formulierte sie einen klaren Wunsch: "Jetzt würde ich mir wünschen, dass man mich ganz ehrlich in Ruhe lässt. Ich habe gestern Abend wieder Dinge gelesen, die keinen Spaß machen." Sie habe niemandem mehr etwas zu beweisen: "Ich denke, ich habe niemandem mehr etwas zu beweisen, und jetzt würde ich einfach gern mein Biathlon machen."
Sportlich ist die Botschaft klar: Doppel-Gold bei diesen Spielen – und eine Athletin, die unter maximalem Druck ihre vielleicht stärksten olympischen Rennen zeigte.
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Voigt und Wierer schenken sich nichts im Liegendanschlag

Quelle: Eurosport


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