Formel 1 - Titelchance von Charles Leclerc geht in Rauch auf: Schwindet der Glaube an Ferrari?

Ferrari erlebte beim Grand Prix in Baku erneut einen herben Rückschlag im Titelrennen. Zum zweiten Mal in den vergangenen drei Rennen schied Charles Leclerc in Führung liegend aus, in der Fahrerwertung enteilen die Red Bull. Der Glaube an den ersten WM-Titel seit 2007 schwindet bei der Scuderia - und plötzlich droht sich mit den Titelchancen auch das Vertrauen in das eigene Team aufzulösen.

Charles Leclerc nach Rennen in Baku konsterniert: Verliert der Ferrari-Pilot den Glauben ans Team?

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Nach 20 Runden war der Albtraum in Rot perfekt: Auf der Start- und Zielgeraden rollte der Ferrari von Charles Leclerc aus, zog eine große Rauchfahne hinter sich her. Beinahe resigniert funkte der Monegasse an die Box: "Problem. Der Motor. Es ist vorbei." Einmal mehr lösten sich die Siegchancen des 24-Jährigen in Luft auf – oder vielmehr in Rauch.
Wie in Spanien vor drei Wochen musste Leclerc seinen Ferrari in Führung liegend abstellen. "Ein weiteres Aus. Es tut enorm weh. Ich habe nicht die richtigen Worte", sagte er nach seinem Aus bei "Sky" und gab zu: "Ich bin mehr als frustriert".
Doch das Unheil hatte sich für die Scuderia schon früh am Sonntag angebahnt. Am Start verlor der Polesitter die Führung an Red-Bull-Pilot Sergio Pérez, konnte in der Folge nicht mit dem Mexikaner Schritt halten. Teamkollege Carlos Sainz konnte dem Trio aus Pérez, Leclerc und Weltmeister Max Verstappen nicht folgen.
In Runde neun dann der erste bittere Tiefschlag für das Team aus Maranello. Sainz schied mit Bremsversagen aus – schon zum dritten Mal im achten Rennen der Saison verpasste er die Zielflagge. "Es ist schade", erklärte der 27-jährige Spanier bei "Sky". "Diese Saison läuft bisher nicht in meine Richtung", konstatierte er. Weiterhin wartet der Madrilene auf seine erste Pole Position und den ersten Rennsieg seiner Karriere.
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Charles Leclerc: Geht der Titeltraum von Ferrari in Baku in Rauch auf?

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Binotto fehlen die Antworten

Aber nur zwölf Runden später schlugen die rot gekleideten Mechaniker in der Ferrari-Box erneut die Hände über den Köpfen zusammen, als Leclerc seinen F1-75 in der Boxengasse abstellte – das erste Doppel-Aus für die Italiener seit Italien 2020. "Wir wissen, dass wir uns in Sachen Zuverlässigkeit verbessern müssen", gestand Sainz, der noch während des laufenden Rennens Rede und Antwort stand.
Antworten, die Teamchef Mattia Binotto nach dem Grand Prix dagegen fehlten. "Das bereitet uns definitiv Sorgen", erklärte der 52 Jahre alte Italiener gegenüber "Motorsport-Total" und musste gestehen: "Es ist sogar eine noch größere Sorge, weil ich nicht die Antworten habe, die ich jetzt gerne hätte."
Fünf Ausfälle musste Ferrari in den acht Rennen bisher wegstecken, drei davon aufgrund technischer Defekte. Zum vierten Mal in Folge ging Leclerc von der Pole Position ins Rennen, zum vierten Mal in Folge stand am Ende ein Red Bull ganz oben auf dem Siegertreppchen.
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Max Verstappen und Sergio Pérez feiern den Doppelsieg in Aserbaidschan

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Ferrari mit Problem bei der Zuverlässigkeit

In Miami hatte Verstappen im Rennen das schnellere Auto und kassierte Leclerc auf der Strecke. In Barcelona streikten Turbolader und die MGU-H, in Monaco warf das Team den Heimsieg des 24-Jährigen durch strategische Fehler weg. Nun das Motorproblem in Aserbaidschan.
Auch Alfa Romeos Guanyu Zhou und Kevin Magnussen im Haas schieden mit technischen Problemen aus - beide mit Ferrari-Motor im Heck.
"Wir brauchen etwas Zeit, vielleicht ist es ähnlich wie bei den vergangenen Rennen. Ich bin aber sicher, dass die Probleme bei Carlos Sainz nicht mit den Problemen in Barcelona zusammenhängen. Man muss Geduld bewahren, dann werden wir Lösungen finden", versuchte Binotto zu beruhigen.
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Quelle: Perform

Scuderia verliert den Anschluss

Doch die Zeit läuft der Scuderia davon. Nach dem nächsten "bedeutenden" Tiefschlag fehlen Leclerc in der Fahrerwertung bereits 34 Punkte auf Weltmeister Verstappen.
In der Konstrukteurswertung ist der Abstand auf Red Bull nach dem Doppelsieg von Verstappen und Pérez nunmehr auf 80 Punkte angewachsen. Ein "Desaster" in Rot, wie die italienische "Corriere dello Sport" titelte. Der Druck auf das Team aus Maranello wächst.
Erstmals seit 2018 wähnte sich die Scuderia wieder titelfähig, die Euphorie bei den Tifosi war groß. Nach drei Rennen hatte Leclerc schon 46 Punkte Vorsprung auf Rivale Verstappen – der Niederländer begrub die Chancen auf die Titelverteidigung bereits, meinte: "Ich würde 45 Rennen benötigen".

Leclerc und Ferrari: Die Stimmung droht zu kippen

Doch nur fünf Grand Prix und fünf Triumphe für den österreichischen Rennstall später hat sich das Blatt vollkommen gewendet – die Stimmung bei der Scuderia ist im Keller. Schon nach dem Aus in Barcelona wusste Leclerc: "Wir können uns das in Zukunft nicht erlauben."
Nach dem verschenkten Heimsieg zählte Leclerc seine Mannschaft so deutlich an wie selten zuvor. "Manchmal können Fehler passieren, aber heute sind uns zu viele unterlaufen. Das darf nicht passieren", sagte er und nahm seine Mannschaft in die Pflicht. "Ich habe an diesem Wochenende alles getan, damit alles passt", betonte der 24-Jährige und sprach davon, dass "die" (das Team, Anm. d. Red) ihre Schlüsse daraus ziehen müssen.
In Baku schien die Stimmungslage erneut eine Andere. "Es ist schwierig in Schwung zu kommen, wenn die Konstanz fehlt. Ich muss Runden und Rennen fahren, um Erfahrung zu sammeln", klagte Sainz. Doch während der Titelkampf für den Spanier ohnehin gelaufen ist, wirkt Leclerc zunehmend konsterniert.
PlatzFahrerTeamPunkte
1.Max VerstappenRed Bull150
2.Sergio PérezRed Bull129
3.Charles LeclercFerrari116
4.George RussellMercedes99
5.Carlos SainzFerrari83

Leclerc droht, das Vertrauen zu verlieren

Noch in Barcelona war der Monegasse sicher, man werde "stärker zurückkommen". In Baku war davon lediglich die Hoffnung, "die Probleme in den Griff zu bekommen", geblieben. Leclerc scheint der Glaube an den Titel schon vor der Sommerpause zu entgleiten. Noch schlimmer: Dem Monegassen scheint auch das Vertrauen in das eigene Team zu schwinden.
Die Zweifel kommen keinesfalls aus dem Nichts. Ferrari droht einmal mehr, Chancen auf die erste Fahrerweltmeisterschaft seit 15 Jahren leichtfertig zu verspielen. Es wäre nicht das erste Mal.
Bereits 2017 und 2018, damals mit Sebastian Vettel im Cockpit, versagten der Scuderia im WM-Kampf gegen Mercedes und Lewis Hamilton die Nerven. Auch damals fiel Ferrari im Laufe der Saison hinter den Konkurrenten zurück. Die Schwierigkeiten ähneln sich.
"2017 hatten wir Zuverlässigkeitsprobleme. Was wir 2017, 2018 und 2019 nicht konnten, war unser Auto weiterzuentwickeln", erklärte Binotto in der vergangenen Woche gegenüber der "BBC".
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Charles Leclerc war nach dem Rennen in Baku vollkommen konsterniert

Fotocredit: Eurosport

Verbrennt mehr als nur die Titelchance?

Doch nach den strategischen Fehlern in Monaco, dem mangelnden Fortschritt in den zurückliegenden Rennen und den gravierenden Zuverlässigkeitsproblemen drängt sich die Frage auf, ob Ferrari nach den Rückschlägen in der Lage ist, zurückzukommen.
"Wir hatten zu Beginn der Saison keine großen Probleme, jetzt schon ein wenig mehr. Eigentlich haben wir aber das Auto verbessert, es ist schwierig das jetzt zu verstehen", legte Leclerc bei "Sky" seine Ratlosigkeit offen. Umso wichtiger wäre es, das Momentum schnell wieder umzudrehen.
Doch viel Zeit, die Schwierigkeiten aufzuarbeiten, bleibt der Scuderia nicht. Der Abstand zu den starken Red Bull wächst und schon in sieben Tagen steht in Montreal (20:00 Uhr im Liveticker) das nächste Rennen an. Die Euphorie der Tifosi ist vor dem Grand Prix in Kanada - auf der Strecke, die nach Ferrari-Legende Gilles Villeneuve benannt ist - längst verflogen.
Auch beim Monegassen. Es scheint, als sei in der 20. Runde in Baku bei Charles Leclerc nicht nur der Motor in Rauch aufgegangen.
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Quelle: Perform

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