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Mick Schumacher angezählt - Motorsport-Legende Hans-Joachim Stuck exklusiv: "Finde die Kritik unangebracht"
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Publiziert 14/06/2022 um 14:14 GMT+2 Uhr
Mick Schumacher steht nach seinem schwachen Saisonbeginn mit zwei schweren Unfällen bei Haas unter Druck. Teamkollege Kevin Magnussen dominiert das Duell bisher. Zuletzt zählte Teamchef Günther Steiner den 23 Jahre alten Deutschen mehrfach öffentlich an. Motorsport-Legende Hans-Joachim Stuck nahm den Sohn des Rekordweltmeisters im Gespräch mit Eurosport nun aber in Schutz und warb um Verständnis.
Mick Schumacher steht bei Haas in der Kritik
Fotocredit: Getty Images
Zum ersten Mal wirkte Mick Schumacher frustiert – und machte aus seinem Ärger keinen Hehl. "Ich bin genervt. Einfach, weil die ganze Situation ein bisschen doof ist", gab der 23-Jährige Haas-Pilot nach dem enttäuschenden letzten Platz im Qualifying von Aserbaidschan zu Protokoll.
Auch am Sonntag im Rennen kam der Haas-Pilot trotz fünf Ausfällen nicht über Rang 14 hinaus und steht nach 30 Grand Prix in der Formel 1 immer noch ohne einen einzigen WM-Punkt da.
"Von der Pace waren wir nicht da, wo wir sein wollten. Das ganze Wochenende war schwierig", erklärte Schumacher im Interview mit "Sky". Der unbekümmerte Blondschopf, der immer mit einem Lächeln durch das Paddock spazierte, wirkte am Kaspischen Meer erstmals angespannt.
Klar ist: Der Druck auf den Sohn des Rekordweltmeisters wächst. In der Fahrerwertung liegt er 15 Punkte hinter Teamkollege Kevin Magnussen, war auch in Baku deutlich langsamer als der Däne. Nach zwei heftigen Unfällen wuchsen so zuletzt auch teamintern Zweifel am 23-Jährigen.
Stuck nimmt Schumacher in Schutz
Der ehemalige Formel-1-Fahrer Hans-Joachim Stuck nimmt Schumacher im exklusiven Interview mit Eurosport nun aber in Schutz.
"Man darf das nicht so dramatisch sehen. Er ist immer noch ein Rookie in der Formel 1, hat einen sehr guten und erfahrenen Teamkollegen und sitzt nicht im besten Auto", sagte der Garmisch-Partenkirchener und stellte klar: "Ich finde die Kritik unangebracht."
Gegenwind erhielt Schumacher zuletzt allerdings vermehrt aus dem eigenen Lager. Nach Schumachers schwerem Crash in Monaco hatte Steiner vielsagend angedeutet: "Wir müssen sehen, wie wir von hier aus weitermachen". Denn unter dem neuen Kostendeckel strapazieren diese Totalschäden das ohnehin knappe Budget des klammen Teams.
Vor dem Rennen in Baku hatte der Südtiroler seinen Piloten - und damit insbesondere Schumacher - ein Crash-Verbot ausgesprochen.
Für Stuck nicht nachvollziehbar. "Dass er Unfälle hat, ist vollkommen normal. Er muss sich beweisen. Alle jungen Fahrer haben schon Unfälle verursacht", beruhigte er im Interview mit Eurosport und forderte: "Da muss man die Kirche im Dorf lassen."
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Schock und Entwarnung - die Bilder zum Schumacher-Crash
Quelle: SID
Steiner zählt Schumacher öffentlich an
Im Gespräch mit "Sky" zählte Steiner seinen Fahrer am Sonntag allerdings erneut an: "Wenn ich nach einem Rennen lese, was wir alles falsch gemacht haben. Ich habe für jede dieser Dinge zehn Sachen, wo Mick schlecht ist."
Nach dem Rennen erklärte er: "Es ist keine einfache Situation für ihn und das Team. Das ist Leistungssport und was muss man da machen? Leisten!"
Aussagen, die im Fahrerlager auf deutliches Unverständnis stießen. Mercedes-Boss Toto Wolff bezeichnete die öffentliche Kritik als "völlig falschen Weg". Und auch Stuck kritisierte Steiner für seine Aussagen im Umfeld des Baku-Grand-Prix.
"Er muss als Teamchef mit so einem jungen Mann vorsichtiger umgehen, weil er damit auf Mick einen zusätzlichen Druck aufbaut", sagte der 71-Jährige, der zwischen 1974 und 1979 in der Königsklasse des Motorsports an den Start ging und zwei Podestplätze einfuhr.
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Mick Schumacher steht bei Haas zunehmend unter Druck
Fotocredit: Getty Images
Schumacher schwimmt sich in Baku frei
Umso beeindruckter zeigte sich Stuck davon, wie Schumacher die Situation in Baku bewältigte. "Wenn ich die ganzen Aussagen und Berichte im Kopf hätte, wäre ich genauso gefahren wie er, um einen Crash zu verhindern", erklärte der frühere Brabham-Pilot im Hinblick auf den großen Rückstand auf den Teamkollegen.
"Dahingehend hat er es gut gemacht, hat sich freigeschwommen und aus seiner Sicht das Maximale herausgeholt", so Stuck.
Vielmehr ist aus dem Haas derzeit ohnehin nicht herauszuholen. Denn nach einem vielversprechenden Saisonstart verpasste der US-amerikanische Rennstall, das Auto weiter zu verbessern. Auch Magnussen, der in den ersten vier Rennen drei Mal in die Punkte fuhr, blieb in den vergangenen vier Läufen ohne einen einzigen Zähler.
"Wir wissen, dass unser Auto nicht weiterentwickelt worden ist, während andere Autos weiterentwickelt wurden. Das hilft uns natürlich nicht, weil das Mittelfeld sehr eng beieinander liegt", erklärte Schumacher.
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Mick Schumacher
Fotocredit: Getty Images
Wolff überrascht: Schumacher "auf dem Radar"
Herausziehen müsse er sich aus dem Leistungstief allerdings alleine, so Stuck: "Da muss er selbst durch." Auch wenn die Konkurrenten dem 23-Jährigen zuletzt zur Seite sprangen.
Sebastian Vettel erklärte kürzlich, man müsse Schumacher "auch Zeit geben". Mercedes-Chef Wolff überraschte am vergangenen Wochenende, indem er verkündete, man habe ihn "immer auf dem Radar".
Und auch bei anderen Teams habe man den 23-Jährigen auf dem Schirm, meint Stuck, der sich trotz aller Widrigkeiten keine Sorgen um die Zukunft des Deutschen in der Königsklasse macht.
"Sollte sich bei Haas etwas tun, bin ich sicher, dass er anderswo unterkommt. Die anderen Teams haben auch gesehen, was er in der Formel 2 und anderen Klassen geleistet hat. Ich bin sicher: Mick wird in der kommenden Saison in einem Formel-1-Auto sitzen", sagte er.
Wendet sich das Blatt in Kanada?
Ob bei Haas oder einem anderen Rennstall, wird sich zeigen. Nach dem Rennen in Baku versuchte Teamchef Steiner zumindest, die Wogen zu glätten und sagte, Schumacher habe "eine solide Leistung gebracht" und mit dem unfallfreien Wochenende "das Richtige getan".
Vor dem Rennen in Montreal am kommenden Sonntag (20:00 Uhr im Liveticker) senkte Schumacher die Erwartungshaltung bei "Sky": "Der Topspeed ist nicht unsere Stärke, auch in Kanada spielt das eine Rolle. Insofern müssen wir schauen, wie es dort läuft."
Doch gerade die niedrige Erwartungshaltung könnte Schumacher in der derzeitigen Situation helfen. "Er muss versuchen, die restlichen Rennen anzukommen, Punkte zu machen und mal ein Highlight zu setzen", erklärte Stuck.
Gut möglich also, dass Schumacher schon in Kanada Lockerheit und Lachen zurückgewinnt - und vielleicht doch bereits in Nordamerika nach den ersten Punkten seiner Formel-1-Karriere greift.
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Vettel nimmt Mick Schumacher in Schutz: "Man muss ihm Zeit geben"
Quelle: Perform
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