Im Regenchaos von Sotschi hat Lewis Hamilton endlich seinen 100. Grand-Prix-Sieg gefeiert und die Führung im WM-Duell zurückerobert - Max Verstappen betrieb nach einer Wahnsinns-Aufholjagd als Zweiter aber mehr als nur Schadensbegrenzung. Weltmeister Hamilton gewann den Großen Preis von Russland vor seinem Rivalen im Red Bull, erst ein Wolkenbruch in der Schlussphase spülte das Duo ganz nach vorn.
Und so steht nun der Engländer wieder ganz vorn im Klassement, 70 Tage hatte er auf Sieg Nummer 100 warten müssen - allerdings beträgt der Vorsprung lediglich zwei Punkte. Verstappen war vom Ende des Feldes gestartet, machte 18 Plätze gut, es bleibt ein bemerkenswert enges Hin und Her im Titelkampf.
Der Spanier Carlos Sainz. im Ferrari komplettierte als Dritter das Podest, Sebastian Vettel erlebte im Aston Martin ein enttäuschendes Wochenende und landete auf Rang zwölf. Mick Schumacher schied mit einem Defekt aus.
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Bis in die letzten Runde hatte Hamiltons junger Landsmann Lando Norris im McLaren Kurs auf seinen ersten Formel-1-Sieg gehalten, dann aber entschied er sich im einsetzenden Regen gegen einen Boxenstopp - und wurde auf rutschiger Strecke durchgereicht. So konnte Hamilton die eindrucksvolle Mercedes-Serie ausbauen: Seit 2014 haben die Silberpfeile jedes Rennen in Sotschi gewonnen.

Sotschi GP: Verstappen betreibt viel Schadensbegrenzung

"Es wäre schwierig geworden, an Lando vorbeizukommen, ohne Verkehr oder einem Fehler, und Fehler hat er keine gemacht", sagte Hamilton: "Dann kam der Regen, und das Team hat einen fantastischen Job gemacht." Über das WM-Duell meinte der Brite: "Ich kann nicht beeinflussen, was hinter mir passiert. Das ist ein Traumergebnis für Max. Aber ich bin dankbar für die Punkte."
Für Red Bull war auch Verstappens zweiter Rang ein kleiner Sieg. Auf der Mercedes-Strecke hatte man sich geringe Chancen ausgerechnet, daher nahm das Team den ohnehin bald notwendigen Antriebswechsel und die damit verbundene Strafe in Kauf.
"Wir müssen Schadensbegrenzung betreiben", sagte Red-Bull-Motorsportberater Helmut Marko im Vorfeld - Verstappen gelang dass eindrucksvoll. "Nur einen Platz zu verlieren ist definitiv nicht schlecht", sagte der Niederländer: "Als ich heute aufgewacht bin, habe ich dieses Ergebnis definitiv nicht erwartet."

Max Verstappen (Red Bull) in Sotschi

Fotocredit: Getty Images

Von Beginn an war das Wetter ein Unsicherheitsfaktor rund um das 15. Saisonrennen. Am Samstag hatte der Regen über Sotschi gar zur Absage des dritten freien Trainings geführt, später wurde die abtrocknende Strecke zur Herausforderung im Qualifying - und Mercedes verpasste den Zeitpunkt zum Wechsel auf Trockenreifen.
Hamilton auf Startplatz vier, Valtteri Bottas auf sieben, so lautete das Ergebnis, an Bottas' Boliden nahm Mercedes dann gleich einen Antriebswechsel vor. Der Finne fand sich also weit hinten in der Startaufstellung wieder, nur wenige Meter vor Verstappen.
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Sotschi GP: Norris mit Strategiefehler in der Schlussphase

Als die roten Ampeln ausgingen, wurde aus dem Trio der Underdogs an der Spitze zunächst ein Quintett. Sainz zog zunächst an Pole-Setter Norris vorbei, musste die Führung aber bald wieder hergeben, dahinter hielt George Russell (Williams) seine Position - Hamilton dagegen verlor zwei Plätze an Vettels Teamkollegen Lance Stroll (Aston Martin) und Daniel Ricciardo (McLaren).
Und die Hoffnung, dass Bottas Verstappen bei dessen Aufholjagd blockieren würde, hielt bei Mercedes gerade mal sechs Runden. Dann überrumpelte der Niederländer den Finnen und nahm Kurs auf die Punkteränge: Nach einem Viertel der Renndistanz schnappte Verstappen sich Vettel und war nun Zehnter.
In diesem für Hamilton und Mercedes besorgniserregenden Stil ging es weiter: Durch Boxenstopps der Konkurrenz rutschte Verstappen kampflos noch weiter vor, war jetzt schnellster Mann im Feld und lag plötzlich nur noch drei Plätze und fünf Sekunden hinter dem Weltmeister - zu Beginn des Rennens hatten die beiden Rivalen 16 Positionen getrennt.

Lando Norris (McLaren) in Sotschi

Fotocredit: Getty Images

Zur Halbzeit gingen beide gleich hintereinander an die Box, für Hamilton brachte das die Wende. Denn der Engländer kam auf freier Strecke wieder raus, Verstappen dagegen geriet in den Verkehr und wurde so ausgebremst. Der Weltmeister begab sich nun auf die Jagd auf Norris, der einsetzende Regen sorgte für zusätzliche Spannung.
Im Finale holte Mercedes Hamilton für den Wechsel auf Intermediate-Reifen herein. Die zog weiter hinten auch Verstappen auf. Norris tat dies nicht - und sollte es bereuen.
"Ich bin sehr dankbar für diese Punkte und diesen Sieg", sagte Hamilton, "die Nummer 100 hat so lange gedauert, ich wusste gar nicht, ob sie überhaupt noch kommt." Mehr als zwei Monate und fünf Rennen hatte er warten müssen auf den Jubiläums-Erfolg.
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(SID)

Unfassbare Marke: Hamilton erzielt seinen 100. F1-Rennsieg

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