Lewis Hamilton im Qualifying von Saudi-Arabien historisch schlecht - Mercedes-Boss Toto Wolff schlägt Alarm

Lewis Hamilton scheiterte im Qualifying in Saudi-Arabien bereits im Q1. Historisch schlecht: Nie zuvor hatte der Rekordweltmeister im Mercedes den zweiten Quali-Abschnitt verpasst, weil ihm die Pace gefehlt hatte. Nach dem großen Abstand zu Ferrari und Red Bull beim Auftakt in Bahrain schrillen bei den Silberpfeilen nach der Demütigung am Samstag schon vor dem zweiten Rennen die Alarmglocken.

Lewis Hamilton

Fotocredit: Getty Images

Es war die Überraschung eines chaotischen Qualifyings in Saudi-Arabien. Lewis Hamilton scheiterte in Dschidda im Q1 – zum ersten Mal seit Interlagos 2017. Aber nicht etwa, weil er seinen Boliden wie vor fünf Jahren in Brasilien in die Leitplanke setzte. Dem Rekordweltmeister fehlte am Samstag auf dem Jeddah Corniche Circuit schlicht und ergreifend die Pace.
Zuletzt war ihm das vor 13 Jahren passiert. Damals noch im McLaren-Mercedes hatte dem Briten beim Heim-Grand-Prix in Silverstone 2009 die Performance gefehlt, um in den zweiten Qualifying-Abschnitt zu fahren. "Es tut mir so leid", entschuldigte sich der Rekordweltmeister über den Boxenfunk bei seiner Crew.
Doch schon vor dem zweiten Rennen der neuen Formel-1-Ära schrillen bei Mercedes die Alarmglocken. "Wir schwimmen ein bisschen im Niemandsland", sagte der erfolgsverwöhnte Teamchef Toto Wolff. "Es fehlt uns einfach an Pace. Jetzt kommt der Punkt, an dem wir uns wirklich zusammenreißen müssen. Denn das ist nicht so, wie wir uns es vorstellen", schimpfte der 50 Jahre alte Österreicher bei "Sky".
In den vergangenen acht Jahren hatten die Silberpfeile acht Mal die Konstrukteursweltmeisterschaft und sieben Fahrerweltmeisterschaften gewonnen. Doch nach den Regeländerungen vor der Saison scheinen sich die Kräfteverhältnisse verschoben zu haben. Schon beim Auftaktrennen in Bahrain fehlte dem deutschen Team die Geschwindigkeit, um mit Ferrari und Red Bull mitzuhalten.
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Lewis Hamilton

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Nächster Tiefschlag für den Rekordchampion

Nur durch den Doppel-Ausfall von Max Verstappen und Sergio Pérez kurz vor dem Rennende retteten sich Hamilton und Teamkollege George Russell auf die Plätze drei und vier. Nun folgte nur eine Woche später der nächste Tiefschlag: Seit seinem Wechsel zu Mercedes 2013 hatte Hamilton den zweiten Abschnitt am Samstag niemals aufgrund fehlender Performance verpasst.
Während das Qualifying noch lief, stand der 37-Jährige bereits ratlos vor den Mikrofonen. "Ich hatte einfach Probleme mit der Balance des Autos. Wir stehen nicht da, wo wir sein wollen", konstatierte er.
Schuld war offenbar ein schlechtes Setup am Auto des Rekordweltmeisters. "Ich verstehe es nicht. Es war plötzlich schwierig zu fahren. Schwieriger als jemals zuvor. Es war ein Albtraum", rätselte Hamilton. "Er hatte überhaupt keinen Grip auf der Hinterachse. Da bist du dann sofort weg vom Fenster", erklärte Wolff und kritisierte das Team für das "Experiment" mit dem Setup: "Das hätten wir uns sicher sparen können."
Noch bitterer für den Briten: Teamkollege Russell fuhr im Q1 sechs Zehntel schneller als sein Landsmann und spazierte in den zweiten Qualifying-Abschnitt. "Wenn das andere Auto so schnell ist, dann ist es enttäuschend, dass ich nicht in der Lage bin, zu liefern", sagte Hamilton bei "Sky".
Doch auch der Mercedes-Neuzugang Russell kam schlussendlich nicht über den sechsten Startplatz hinaus und konnte das schwache Teamergebnis nicht kaschieren.

Russell: "Es wird dauern"

"Wir sind nicht hier, um für Platz fünf und sechs zu kämpfen. Wir wollen mehr", sagte Russell nach der Zeitenjagd bei "Sky UK" deutlich und ergänzte: "Und wir waren heute neun Zehntel hinter Pérez."
Zwar war Teamchef Wolff weitgehend zufrieden mit der Leistung des 24-Jährigen, der in seinem letzten Versuch Zeit liegen ließ, stellte aber auch klar, dass selbst mit einer perfekten Runde nicht mehr in dem Mercedes gesteckt hätte: "Am Ende bist du irgendwo zwischen Verstappen und Ocon - und das macht die Sache auch nicht besser."
Denn auch das Qualifying von Russell konnte nicht über die Probleme hinwegtäuschen.
"Als Team war es einfach kein guter Tag. Wir bekommen das Auto nicht wirklich unter Kontrolle. Es ist natürlich für alle frustrierend", sagte Russell. Eine schnelle Lösung sei demnach nicht in Sicht: "Es wird dauern."
Für das Rennen am Sonntag deutete Wolff an, dass Hamilton aus der Boxengasse starten könnte. Dann nämlich dürfte das Mercedes-Team das Setup am Auto vor dem Rennen noch einmal verändern.

Plant Mercedes Start aus der Boxengasse?

"Ich denke, es macht keinen Unterschied, von wo er startet", sagte Wolff und ergänzte, die Mechaniker in der Boxengasse "werden versuchen, das Auto wieder gerade hinzustellen, um morgen bessere Voraussetzungen zu haben."
"Das Auto war unfahrbar, von daher ist es vielleicht nicht wert, von meinem Startplatz zu starten", zog auch Hamilton einen Start aus der Box in Erwägung. Dann würde Hamilton dem gesamten Feld hinterherfahren.
Im November startete Hamilton strafversetzt in Brasilien vom letzten Startplatz, rollte das Feld von hinten auf und gewann sensationell in Interlagos. Ein Husarenritt. "Ich kann mich an kein anderes Wochenende wie dieses erinnern", hatte er nach seinem Meisterstück gesagt.
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Quelle: SID

Ein halbes Jahr später scheint eine derartige Aufholjagd vor dem Rennen in Dschidda ausgeschlossen – zu schwach ist der Mercedes seit dem Jahreswechsel. Umso mehr übte Wolff nun auch Druck auf sein Erfolgsteam aus: "Jetzt ist Zeit aufzuwachen!"

Druck auf Mercedes wächst

Schon früh in der Saison droht der Dominator der zurückliegenden Formel-1-Ära den Anschluss an die WM-Spitze zu verlieren. Vor neun Jahren waren die Mercedes letztmals ohne Chance auf einen Titel. "Alles was man verändern kann, werden wir verändern, um zurückzukommen", kündigte der Teamchef an und blickte zurück auf die erste Saison an der Seite von Hamilton.
Vor neun Jahren übernahm er die Geschicke von Norbert Haug als Motorsportchef und durchbrach ein Jahr später eine vierjährige Dominanz von Red Bull und Sebastian Vettel. "Wir haben diese Situation zu Anfang meiner Zeit bei Mercedes 2013 gehabt, haben das Ruder herumgerissen und Rennen gewonnen. Das werden wir auch hier tun", gab sich Wolff bei "Sky" optimistisch.
Am Sonntag in Dschidda (19:00 Uhr im Liveticker) geht es für Mercedes und Hamilton aber erst einmal um nicht mehr als Schadensbegrenzung. Doch Schadensbegrenzung und der Kampf um die Punkte sind nicht der Anspruch eines siebenmaligen Weltmeisters, der nur wenige Monate nach der Enttäuschung beim WM-Finale in Abu Dhabi mit dem historisch schlechtesten Qualifying im Silberpfeil die nächste Demütigung verkraften muss.
"Ich werde am Sonntag mein bestes tun und sehen, was möglich ist", sagte Hamilton. Leicht süffisant erklärte Wolff: "Ich denke schon, dass er morgen weiter nach vorne kommen wird."
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Quelle: SID

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