Dieter Hecking verfolgte die finalen Minuten an der Seitenlinie des Volksparkstadions mit versteinerter Miene, seine tief enttäuschten Schützlinge sanken frustriert auf den Rasen.

Als Schiedsrichter Frank Willenborg die Partie zwischen dem Hamburger SV und dem SV Sandhausen exakt um 17:24 Uhr beendete, waren die Hoffnungen der Hausherren auf zwei Relegationsspiele gegen den SV Werder Bremen und somit einen versöhnlichen Saisonabschluss längst gestorben.

2. Bundesliga
Neue Hiobsbotschaft für den HSV: Kreuzbandriss bei van Drongelen
28/06/2020 AM 18:53

Stattdessen herrschte beim HSV nach der 1:5 (0:2)-Blamage gegen die Gäste aus der Kurpfalz die traurige Gewissheit, auch in der kommenden Spielzeit - der dritten in Folge - in der ungeliebten 2. Bundesliga verweilen zu müssen.

Hamburger SV | Sonny Kittel

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"Wir brauchen nicht nach großen Erklärungen oder Worten zu suchen nach so einem Heimspiel wie heute. Da ist das fehl am Platz. Wir müssen uns an die eigene Nase packen", konstatierte Präsident Marcel Jansen nach dem Debakel und betonte:

"Es gibt keine Entschuldigungen. Wir brauchen nicht nach Ausreden zu suchen. Wir haben uns in der Corona-Zeit nicht belohnt und uns viele Punkte wegnehmen lassen. Dann war Druck da, und dann ist eine Leistung wie heute nicht zu entschuldigen."

HSV kann Bielefelds Steilvorlage nicht nutzen

In der Tat lieferte der HSV gegen Sandhausen über die komplette Spielzeit eine erschreckend schwache Vorstellung ab und vermittelte zu keinem Zeitpunkt ernsthaft das Gefühl, sich an den letzten Strohhalm Richtung Bundesliga klammern zu wollen.

"Man hat heute gesehen, dass wir unter sehr großer Anspannung gespielt haben. Ich habe damit gerechnet, dass Bielefeld Heidenheim schlagen wird. Aber dann dürfen wir nicht nach 20 Minuten zwei solch leichte Gegentore kriegen. Das bringt uns noch mehr unter Druck und das konnten wir das ganze Spiel über nicht mehr ablegen", erklärte Hecking.

Dabei hatte Aufsteiger Arminia Bielefeld im Parallelspiel gegen den 1. FC Heidenheim mit einem überzeugenden 3:0-Erfolg die dringend benötigte Schützenhilfe geliefert. Profitieren konnten die Rothosen davon aber nicht - ganz im Gegenteil: Bereits zur Pause lag die Hecking-Elf verdient mit 0:2 zurück.

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Hecking vermisst "letzte Entschlossenheit und Galligkeit"

Erst der Anschlusstreffer von Aaron Hunt vom Elfmeterpunkt nach gut einer Stunde entfachte bei den HSV-Verantwortlichen neue Hoffnung (62.). Wer im Anschluss an den ersehnten Treffer jedoch mit einem Offensivfeuerwerk rechnete, sah sich jedoch arg getäuscht: Der HSV wirkte auch in der Folge kopflos, ratlos, völlig verunsichert.

"Nach dem 1:2 habe ich die letzte Entschlossenheit und Galligkeit vermisst, es noch mal zu erzwingen. Man hat gesehen, dass wir in gewissen Situationen zu einfache Fehler machen. Deshalb ist das ein Stück weit erklärbar. Natürlich wünscht man sich als Trainer was anderes, aber das haben wir heute nicht abgeliefert", bemängelte der ehemalige Trainer von Borussia Mönchengladbach.

Joel Pohjanpalo vom Hamburger SV

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Den Schlusspunkt eines aus Hamburger Sicht völlig verkorksten Nachmittags setzte ausgerechnet Dennis Diekmeier, der über acht Jahre beim HSV hinweg gänzlich ohne Torerfolg blieb, mit dem 5:1-Endstand. Zu jenem Zeitpunkt hätten die Gastgeber bereits deutlich höher zurückliegen können.

Mitleid konnte der Torschütze mit der prekären sportlichen Situation seines Ex-Klubs nicht aufbringen: "Ich war acht Jahre hier, bin jetzt aber bei Sandhausen. Da mache ich mir nicht so viele Gedanken mehr. Ich will hier was erreichen, aber für die Jungs wird es schwierig."

HSV: Personaldiskussionen beginnen von vorne

Während Heidenheim nun Werder Bremen in zwei Relegationsspielen herausfordert (2. und 6. Juli), gehen beim HSV die Personaldiskussionen nach dem zweiten vierten Platz in der Endabrechnung hintereinander wieder von vorne los. Die Zukunft von Hecking, dessen Vertrag sich nur bei einem Bundesliga-Aufstieg verlängert hätte, ist ungewiss.

"Jonas Boldt und Dieter Hecking haben sich dazu schon geäußert. Wir werden uns zusammensetzen, analysieren und die richtigen Schlüsse ziehen", kündigte Jansen an.

In die gleiche Kerbe schlug auch Hecking. "Irgendwas aus der Emotion heraus zu sagen, wäre falsch. Wir werden ein, zwei Tage Abstand gewinnen und es dann aufarbeiten. Da sind wir alle in der Pflicht, das sauber zu analysieren und nicht irgendwo den Schuldigen zu suchen. Wir haben es alle nicht geschafft."

Dem HSV stehen somit wieder einmal äußerst unruhige Wochen und Monate bevor.

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(mit SID)

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