Wenn Borussia Dortmund auf den FC Bayern München trifft, dann sind Emotionen garantiert. Auch dieses Mal ging es im Signal Iduna Park hoch her.
Am Ende hatten die Bayern beim 3:2-Sieg dank Toren von Robert Lewandowski und Kingsley Coman das bessere Ende für sich. Für den BVB trafen Julian Brandt und Erling Haaland.
Für Gesprächsstoff sorgten vor allem zwei Schiedsrichterentscheidungen, bei denen die Bayern etwas mehr Glück hatten als der BVB. Aber auch die Qualität des Fußballs im Spitzenspiel sollte Diskussionen hervorrufen. Ebenso das Verhalten des DFB.
Bundesliga
Stimmen: "Zwayer kann uns noch ein paar Stöcke in den Weg werfen"
04/12/2021 AM 21:55
Drei Dinge, die uns auffielen:

1. Spektakel ja, Weltklasse naja

Als Robert Lewandowski am Montagabend den Ballon d’Or nicht bekam, hatte das nach Meinung einiger Kommentatoren auch mit der Qualität der Bundesliga zu tun. 41 Tore in einer Saison gegen die Hoffenheims, Bielefelds und Augsburgs dieser Welt sind ja schön und gut, aber würde Lionel Messi da nicht 60 Tore schießen?
Über die Qualität der ganzen Liga wird sicher nicht in einem Spiel entschieden. Und dass es um das allgemeine Niveau der deutschen Top-Liga nicht ganz so gut bestellt ist, wird seit Jahren in der Europa League sichtbar. Aber das Duell der beiden deutschen Spitzenteams, das auch das einzige Spiel ist, das international Aufmerksamkeit produziert, gilt doch immer als Gradmesser.
Es ist unbestritten, dass die Schwarz-Gelben und die Roten ein Spektakel auf den Rasen und den internationalen TV-Markt pressten. Es ging hin und her, es ging rauf und runter. Es gab fünf Tore, strittige Elfmeterszenen mit dem besseren Ende für den FCB, eine Gelb-Rote Karte für BVB-Trainer Marco Rose, dem es auch nicht half, dass er von seinem Co-Trainer weggetragen wurde und: zehn Minuten Nachspielzeit. Natürlich fiel von "Sky"-Experte Lothar Matthäus auch das obligatorische "Werbung für den deutschen Fußball."
Also, Fußballherz, was willst du mehr? 80.000 Zuschauer, klar. Aber was noch?

Der FC Bayern bezwang Borussia Dortmund knapp

Fotocredit: Getty Images

Fangen wir mal mit weniger kapitalen individuellen Fehlern an. Daran mangelte es nämlich nicht in diesem Spitzenspiel. Die Böcke von Mats Hummels, Raphael Guerreiro und Dayot Upamecano führten direkt zu Gegentreffern. Aber das waren nur die offensichtlichsten. Wer erinnert sich beispielsweise noch an den haarsträubenden Fehlpass von Emre Can im eigenen Strafraum in Halbzeit eins?
Die Szene bringt uns zu den nächsten Mängeln dieses Spiels. Zum einen das wenig kontrollierte Ballbesitzspiel, was Marco Reus zu der Einschätzung brachte, dass es "für die Zuschauer ein geiles, aber auch wildes Spiel" gewesen sei. Am Ende standen beide Teams bei Passquoten von rund 80 Prozent (BVB: 77 Prozent, FCB: 81 Prozent).
Und zum anderen das sehr fehlerhafte Offensivspiel beider Mannschaften. Reus hatte noch viele Räume im Umschaltspiel entdeckt, "die wir besser ausspielen können". Thomas Müller analysierte völlig richtig, "dass wir noch vier, fünf Aktionen hatten, um zur Halbzeit höher zu führen".
Aber beide Teams ließen diese Möglichkeiten eben liegen und bestätigten damit die Trends der vergangenen Wochen. Und dann muss man resümieren, dass sowohl Mannschaften des BVB als auch des FCB solche Aktionen in den vergangenen zehn Jahren schon besser abgeschlossen haben.
Und bei der Frage nach der Qualität geht es auch um den internationalen Vergleich. Ob sich der FC Liverpool, der FC Chelsea oder Manchester City solche Chancen ebenfalls in diesem Maße entgehen lassen würden, darf bezweifelt werden.

2. Warum immer wieder Zwayer?

Am Ende waren sich alle Beteiligten einig: Sie würden eigentlich viel lieber über Fußball sprechen. Aber das ging nach diesem Spiel nicht so einfach. Die für viele entscheidende Frage war: Warum gab es einen Handelfmeter für den FC Bayern und keinen Foulelfmeter für den BVB?
Marco Reus war nach Ansicht der Bilder fast schockiert: "Oh, mein Gott", entfuhr es dem BVB-Kapitän. Im Spiel habe er die Szene gar nicht so klar wahrgenommen. Seinen Zweikampf mit Lucas Hernández hatte auch Schiedsrichter Felix Zwayer als nicht so eindeutig eingeschätzt. Und nach Rücksprache mit dem VAR in Köln auch auf weiterspielen entschieden.
Weitergespielt wurde zunächst auch als Mats Hummels nach einer Ecke den Ball mit dem Ellenbogen abwehrte. Zwayer hatte die Szene nach eigener Aussage gesehen, aber war sich nicht sicher, ob er sie richtig wahrgenommen habe. Wieder nach Rücksprache mit dem VAR in Köln schaute er sich die Szene nochmal an und entschied auf Strafstoß, den Robert Lewandowski zum Siegtreffer verwandelte. Aus Sicht von Bayern-Trainer Julian Nagelsmann und Thomas Müller ein "unstrittiges" Handspiel.
Aus Sicht der Dortmunder hatte Zwayer mit zweierlei Maß gemessen – und das zum wiederholten Male zu Gunsten der Bayern, wie Emre Can monierte. Man kann die Szenen drehen und wenden, wie man will. Und je nach Fanlager wird man wohl weiterhin zu unterschiedlichen Ansichten kommen.
Aber am Ende schwebt eine noch größere Frage über dieser Thematik: Warum immer wieder Zwayer?

Felix Zwayer (l.) zeigte BVB-Trainer Marco Rose die Rote Karte

Fotocredit: Getty Images

Schon im Vorfeld wurde die Ansetzung in beiden Lagern kritisch gesehen, beide haben mit ihm schon ihre Erfahrungen gemacht. Unter Schiedsrichterbeobachtern zählt der Berliner nicht gerade zu den besten seines Fachs in Deutschland. Der vor dieser Saison in den Ruhestand geschickte Manuel Gräfe sagte im Sommer gar: "Wer einmal Geld angenommen und Hoyzers Manipulation ein halbes Jahr verschwiegen hat, sollte keinen Profifußball pfeifen." Und weiter: "Der DFB befördert Zwayer auch noch, trotz durchschnittlicher Leistungen."
Es kommt also nicht von ungefähr, dass Jude Bellingham in einem Interview genau diese Geschichte thematisierte. Es ist davon auszugehen, dass der DFB diese Aussage sanktionieren wird.
Es sollte aber auch darüber diskutiert werden, warum der DFB Felix Zwayer weiterhin in der Bundesliga einsetzt und ihm dann auch noch das wichtigste Spiel der Hinrunde anvertraut.

3. Bayerns Standards brauchen ein Upgrade

Als Ex-Bayern-Trainer Hansi Flick seinen Job beim DFB antrat, brachte er einen neuen Mann mit: Mads Buttgereit. Der Däne ist nun Spezialtrainer für Standards der deutschen Nationalmannschaft. Flick wollte Buttgereit auch schon zum FC Bayern holen, was aber nicht klappte.
Flick selbst war bei der erfolgreichen Weltmeisterschaft 2014 für die Standards verantwortlich und hatte damit einen großen Anteil am WM-Titel in Brasilien. Beim FC Bayern war von dieser Qualität aber während seiner Ära nicht mehr viel zu sehen. Ruhende Bälle wurden stiefmütterlich behandelt. Hin und wieder fand aber eine von Joshua Kimmich getretene Freistoßflanke oder ein Eckball zum Erfolg.
Zur ganzen Wahrheit gehört auch, dass die Standards von Kimmich auch schon eine viel zu große Streuung hatten. Seit Kimmichs Abwesenheit ist die Qualität der Ecken und Freistöße aber nochmal gesunken.

Thomas Müller im Zweikampf mit Emre Can

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Die Bayern haben zwar mit Robert Lewandowski und Leroy Sané zwei Spieler im Kader, die bei direkten Freistößen immer für ein Tor gut sind, Ecken und Freistöße schießt aber aktuell Thomas Müller.
Seinen ehemaligen Kollegen Toni Kroos überraschte dieser Umstand schon im Spiel gegen Bielefeld, dass er bei Twitter auf einen Tweet Müllers mit der Ein-Wort-Frage "Eckenschütze?" reagierte. Müllers Antwort: "Das ist doch bei Fußballern öfters zu lesen, dass sie nach neuen Herausforderungen suchen. Ich mach das anders."
Eine Herausforderung sind die Standards auch für Trainer Julian Nagelsmann und seine Assistenten.
Die Bayern brauchen hier dringend ein Upgrade.
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