Vor 38 Jahren spielte die "Elf vom Niederrhein“ zuletzt im wichtigsten europäischen Wettbewerb, nun ist es wieder soweit: Borussia Mönchengladbach in der Champions League. Dies hat die Mannschaft vor allem einer mit 39 Punkten hervorragenden Rückrunde zu verdanken. Doch die Verantwortlichen in Gladbach schauen nicht nach hinten, sondern nur nach vorne. Die Mannschaft wurde gut verstärkt und ist damit gerüstet für die Dreifachbelastung sowie eine erneut starke Bundesliga-Saison.
Wer kam und wer ging?
Dass die Abgänge von Max Kruse und Christoph Kramer eine große Lücke in den Gladbacher Kader reißen, ist klar. Beide waren zwei Jahre lang Leistungsträger im Verein und haben so den Sprung in die Nationalelf geschafft. Thorben Marx hat seine Karriere im Sommer beendet, Filip Daems schloss sich im Herbst seiner Laufbahn dem KVC Westerlo an. Zudem ging Talent Amin Younes nach seiner Leihe beim 1. FC Kaiserslautern direkt weiter zu Ajax Amsterdam.
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Es ist jedoch nicht davon auszugehen, dass der Kader nun deutlich schwächer ist als in der Vorsaison. Als Kruse-Ersatz wurde Josip Drmic vom Nachbarn aus Leverkusen verpflichtet, der im Sturmzentrum für die nötige Durchschlagskraft sorgen soll. Lars Stindl von Hannover 96 kann nach seinem bärenstarken letzten Jahr als Königstransfer bezeichnet werden - vor allem bei nur drei Millionen Euro Ablöse. Vom FC Zürich kam Nico Elvedi, vom FC Chelsea der junge Andreas Christensen. Beide sollen die Innenverteidigung verstärken. Chelsea, da war ja was: Thorgan Hazard hat in der abgelaufenen Saison so überzeugt, dass ihn Manager Max Eberl für acht Millionen Euro fest verpflichtet hat. Ein Transfer für die Gegenwart und die Zukunft.
So lief die Vorbereitung:
Neun Testspiele hat Borussia Mönchengladbach in dieser Sommervorbereitung absolviert. Die Bilanz ist nicht überragend, aber durchaus in Ordnung. Beim Telekom-Cup wurde die Favre-Elf Dritter, Siege gab es zudem gegen den TuS Koblenz, Standard Lüttich, den FC Porto und Newcastle United. Die Begegnungen gegen Swansea City, Stade Rennes und Bursaspor endeten unentschieden, eine Niederlage nach 90 Minuten gab es nicht.
Klartext:
"Schulz und Dahoud, Christensen und Elvedi, Ndenge und Sow, merken Sie sich diese Namen!" Dieses Zitat von Lucien Favre stammt aus einem "SZ“-Interview. Allein an der Art und Weise, wie Favre diesen Satz sagt, wird die Begeisterung und Wertschätzung des Trainers gegenüber seinen jungen Neuzugängen deutlich. Er scheint den Youngstern wirklich alles zuzutrauen: "Dahoud, Schulz, Christensen sind erst 19, aber sie sind klare Kandidaten für meine erste Mannschaft. Sie können jederzeit spielen!“ Mit dieser Marschroute fährt Favre nun seit 2011 wirklich gut, Spieler wie Kramer, Granit Xhaka, Hazard oder Julian Korb hat er sehr jung bekommen und auf ein neues Niveau gebracht. Man darf gespannt sein, was er mit seinen neuen Jungs anstellt.
Die Wunschelf:
https://i.eurosport.com/2015/08/08/1656281.jpg
Ob es in der kommenden Saison eine feste Formation bei den "Fohlen" geben wird, darf bezweifelt werden. Favre hat einen extrem breiten Kader zur Verfügung, der auf jeder Position doppelt besetzt ist - und das nahezu gleichwertig. Im Tor führt kein Weg an Yann Sommer vorbei, der im vergangenen Jahr schon seine Klasse gezeigt hat. Trotz der Neuzugänge Elvedi und Christensen werden wohl Tony Jantschke und Martin Stranzl das Duo in der Innenverteidigung bilden. Rechts ist Korb gesetzt, links streiten sich Álvaro Domínguez und Oscar Wendt um den freien Platz in der Viererkette.
Im Mittelfeld gestaltet es sich schwieriger: Im 4-4-2 bzw. 4-4-1-1 mit hängender Spitze gilt es vorerst, Kramer auf der Doppelsechs zu ersetzen. Hier wird die Wahl neben Xhaka wohl auf Neuzugang Stindl fallen, der sich auch selbst im Zentrum sieht. Es ist eine deutlich offensivere Variante als im Vorjahr. Rechts führt kein Weg an Patrick Herrmann vorbei, links dürfte Hazard wirbeln. Neben oder hinter Drmic, der die Stürmerposition etwas klassischer interpretieren wird als Kruse, sollte wie in den vergangenen Jahren Raffael auflaufen.
Doch klar ist, dass nichts klar ist. Stindl kann überall spielen, Hazard auch gerne auf der Zehn. Dazu wollen und werden auch André Hahn, Ibrahima Traoré und Branimir Hrgota ihre Einsatzzeit bekommen.
Problemzone:
Bei einem Kader, der auch in der Breite so gut bestückt ist, lässt sich eine wirkliche Problemzone schwer finden. Interessant wird sein, ob und wie sich die Offensivabteilung neu ausrichtet. Favre selbst sagt, dass "Josip Drmic ein völlig anderer Spielertyp als Max Kruse“ sei. Der Schweizer kommt nicht so sehr aus der Tiefe, sondern gibt eher den klassischen Mittelstürmer. Hier muss Favre seine Spieler neu aufeinander abstimmen. Die Gefahr liegt auf der Hand, wie Favre weiß: "Wenn eine einzige Zutat nicht passt, dann ist der Kuchen kaputt! Dann kannst du ihn nicht essen!“ Doch kein Grund zur Sorge für alle Gladbacher, denn: "Ich werde eine Lösung finden.“ Und dann wird’s auch schmecken.
Player to watch:
In einer oft grauen Hannoveraner Elf war Lars Stindl in der vergangenen Saison einer der wenigen Lichtblicke. Aufgrund eines Außenbandrisses kam der 26-Jährige nur auf 21 Bundesligaspiele, erzielte dabei jedoch zehn Tore und gab vier Vorlagen. Kein Wunder, dass Stindl Begehrlichkeiten weckte. Borussia Mönchengladbach schlug zu und machte bei einer Ablösesumme von nur drei Millionen Euro ein echtes Schnäppchen. Auch Trainer Favre ist begeistert vom Mann aus Speyer: "Stindl kann wirklich sehr viele Positionen sehr gut spielen. Er kann die Acht, die Sechs oder die Neuneinhalb spielen. Im Moment probiere ich ihn neben Xhaka auf der Doppelsechs." Als polyvalent - dieses Wort, das Favre selbst in der Bundesliga einführte - will er Stindl (noch) nicht bezeichnen. Aber wer weiß, wie die Bewertung nach einem Jahr aussieht.

Lars Stindl wechselte von Hannover 96 zu Borussia Mönchengladbach

Fotocredit: Imago

Eurosport-Prognose:
"Einstelligkeit, nahe an den europäischen Plätzen.“ So lautet das von Max Eberl ausgerufene Saisonziel von Borussia Mönchengladbach. Mit diesem Kader allerdings müssen sich Eberl und Favre vor nicht allzu vielen Teams fürchten, Bayer Leverkusen und Schalke 04 sind nicht in allen Mannschaftsteilen so gut aufgestellt. Klar, Gladbach muss sich erst auf die zusätzliche Belastung durch die Champions League einstellen, aber das wird dem Team einen zusätzlichen Schwung verleihen. International wird Borussia Mönchengladbach daher auch 2016/17 spielen.
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