Dortmund - FC Bayern: Warum die BVB-Pleite dem Meister besonders schmerzt

Der FC Bayern München zementiert bei Borussia Dortmund seinen verlorenen Nimbus der Unbesiegbarkeit. Erstmals seit September 2015 ist der Rekordmeister nicht Tabellenführer, BVB-Trainer Thomas Tuchel vergleicht RB Leipzig schon mit Leicester City. Für Bayern ist es die empfindlichste Bundesliga-Pleite seit 2012. Der Klub hat keine Krise, aber Konkurrenz. Und dankbarer wird das Programm nicht.

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Thomas Müller stapfte zum Bus, grantig, wie sie in Bayern sagen.
Kurzes Statement zum 0:1 seines FC Bayern München bei Borussia Dortmund, der ersten Saisonniederlage in der Bundesliga? Müller wischte die Frage weg: "Ich habe genug geredet in letzter Zeit." Auch Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge wollte keine Worte verschwenden zu einer Partie, die den Rekordmeister noch eine Weile beschäftigen könnte.
Erstmals seit 39 Spieltagen bzw. 425 Tagen (21. September 2015) ist Bayern nicht Spitzenreiter einer Liga, die in den vergangenen Jahren zu einer Bühne kühner Superiorität verkam. RB Leipzig führt jetzt, unglaublich eigentlich, der Aufsteiger hat den Champion um drei Punkte distanziert.
Kein Drama für Bayern. Aber unüblich. Und Provokateur einer gewissen Dünnhäutigkeit.

BVB mit "Topleistung", Bayern nicht

"Ist doch schön, das haben sich ja alle gewünscht", sagte FCB-Kapitän Philipp Lahm schnippisch zu "Sky", als er die plötzliche Enge im Klassement beurteilen sollte.
Wenn sogar Lahm, qua Eloquenz der Außenminister des FC Bayern, einen angesäuerten Unterton einstreut, dann ist nicht alles paletti bei diesem Verein. Auf seine Auswechslung (68.) angesprochen, raunte er: "Da müssen sie den Trainer fragen, ich bin dafür nicht zuständig. Es spielt keine Rolle, ob ich überrascht war oder nicht."
Besonders vor der Pause habe Bayern "der letzte Pass gefehlt", analysierte Lahm, etwas gesetzter. Bayern hielt sich verbal zurück, auf BVB-Seite sprühte und sprudelte es. "Wir haben in vielen Phasen sehr gelitten", meinte Trainer Thomas Tuchel.
Genau das tat Dortmund, sodass sich der Treffer von Pierre-Emerick Aubamyeang (11.) als entscheidend entpuppte. Tuchel rühmte eine "Topleistung, wir haben uns so präsentiert, wie man es sich nur wünschen kann", und ebendieses war vom Gast nicht zu vermelden.

FC Bayern: Bitterste Liga-Pleite seit 2012

Zwar wollte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke ein "großartiges Spiel von beiden Mannschaften" gesehen haben, in Wirklichkeit aber zeigten sich die Münchner statischer, ideenloser, angreifbarer als gewohnt. "Ein Sieg über Bayern ist das Größte überhaupt", trompetete Watzke, der sich erinnerte, wann Dortmund zuletzt ein Heimerfolg gegen den Südrivalen geglückt war.
Im April 2012 ließen Jupp Heynckes' Bayern die finale Meisterchance im Signal Iduna Park liegen; ironischerweise war's Robert Lewandowski, der Borussias 1:0 markierte. Es ist nicht übertrieben zu behaupten, dass Bayern nun seine empfindlichste Liga-Pleite seit jenem Abend vor viereinhalb Jahren einsteckte.
Warum? Anschließend verlor der Klub erstens selten und zweitens meist dann, wenn's eh schon egal war, im April oder Mai, mit Meisterschaft im Gepäck.

Hummels: "Wir sind nicht mehr so dominant"

Für 2016/17 deutet wenig auf einen Turbo-Titel hin. "Die Leistung war gut, das Ergebnis nicht", brummte Coach Carlo Ancelotti nach dem Gipfel, der keine klare Spielidee der Seinen offenbarte, erneut nicht. Ein Abseitstor von Franck Ribéry (55.), ein Lattenknaller von Xabi Alonso (61.), das war's in Dortmund, trotz augenscheinlicher Überlegenheit - Tuchel, die Leiden, siehe oben.
Bei "Sky" mäkelte Ex-Bayer Lothar Matthäus:
Der Nimbus der Unbesiegbarkeit ist verloren, keine neue Erkenntnis, aber eine zementierte. "Es stimmt, dass wir nicht mehr so dominant sind", sagte Mats Hummels nach seiner BVB-Rückkehr im "ZDF". Vom Gejagten zum Jäger, sowas kennen sie nicht mehr an der Säbener Straße. Und sowas wollen sie nicht kennen.
Bayern hat keine Krise, aber Konkurrenz, allein das ist einer Erwähnung wert, zumal Tuchel berühmte Vergleiche anstellte. "Wir hatten Leicester City in England. Ich glaube, dass Leipzig den exakt gleichen Weg nehmen kann", meinte er in Anbetracht des Premier-League-Sensationsmeisters.
"Auch ich rechne mit Leipzig", berichtete Manuel Neuer.

FC Bayern vs. RB Leipzig: Bescherung vor Weihnachten

"Die Automatismen fehlen noch ein bisschen", gestand Lahm, auf Bayern gemünzt. "Wir haben es nicht konsequent ausgespielt", sagte Hummels, "ich habe mich aber davon frei gemacht, jedes Spiel ausschließlich nach dem Resultat zu bewerten". Lewandowski, inzwischen im roten Trikot, sah das Gesamte:
Dankbarer wird das Programm nicht. Es wartet der Champions-League-Trip nach Russland zum FK Rostow, wo es im Fernduell mit Atlético Madrid um Gruppenplatz eins geht. Am Samstag reist Bayer Leverkusen in die Allianz Arena, es folgen Aufgaben beim 1. FSV Mainz 05 (unbequem), daheim gegen Atlético (äußerst unbequem) und den VfL Wolfsburg sowie beim SV Darmstadt 98 (kaum behaglicher).
Und schließlich, klar, eine vorweihnachtliche Bescherung, die Fußballfans so fiebrig erwarten wie Kinder das Christkind: Am 21. Dezember stellt sich RB Leipzig mal persönlich beim FC Bayern vor.
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