Alarmsignale beim FC Bayern: Muss Niko Kovac schon den Kopf hinhalten?
Der FC Bayern München rauscht binnen elf Tagen in eine handfeste Krise. Nach dem 0:3 gegen Borussia Mönchengladbach wirkt Trainer Niko Kovac ratlos, wehrt sich aber entschieden gegen eben diesen Vorwurf. Neben sich mehrenden individuellen Fehlern und der Unfähigkeit, sich klare Torchancen herauszuspielen, ist die bröselnde Kaderdecke das größte Alarmzeichen bei den Münchnern.
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Kurz vor der Halbzeit tagte der Trainer-Rat. Niko Kovac, Robert Kovac und Peter Hermann steckten auf der Bayern-Bank die Köpfe zusammen, während Sportdirektor Hasan Salihamidzic neugierig rüber guckte.
Ein bisschen wurde diskutiert, vor allem aber sahen sie ziemlich ratlos aus, da auf der Bank, beinahe geschockt von der ihnen dargebotenen Leistung der Spieler des FC Bayern München.
Nun ist der FC Bayern auch gegen Borussia Mönchengladbach nicht kollabiert - aber doch gehörig gestrauchelt.
Bayern-Problem: Jeder Schuss ein Treffer
Krasse individuelle Fehler führten abermals zu sehr einfachen Gegentoren. Gefühlt musste der Gegner gar nicht mal alles aufbieten, was er hatte, um die Bayern zu blamieren - so wie schon Hertha BSC beim 2:0 vor einer Woche.
Am Ende standen 3:3 Schüsse aufs Tor zu buche, das nackte Ergebnis aber, 0:3, versetzte die Bayern in Alarmstimmung.
"Es ist im Moment so: jeder Schuss ein Treffer. Und wir schaffen es nicht, unsere Chancen zu nutzen", sagte ein sichtlich angeschlagener Niko Kovac im "ZDF".
Drei Gegentore, drei Fehlerketten
Vor allem die individuellen Fehler hatte der Bayern-Trainer als Genickbrecher ausgemacht. Vor dem 0:1 verlor Niklas Süle den Ball, konnte in der Folge nicht Alassane Plea am Tor hindern (10.).
Beim 0:2 unterlief Thiago Alcántara ein fürchterlicher Ballverlust vor dem eigenen Strafraum und Mats Hummels kam nicht mehr in den Zweikampf mit Torschütze Lars Stindl (16.).
Beim 0:3 machten Leon Goretzka und Hummels im Strafraum fast schon wehrlos den Weg frei für Patrick Herrmann (88.).
Individuelle Fehler häufen sich
"Wir machen im Moment zu viele individuelle Fehler, die bestraft werden und Unsicherheit in die Mannschaft bringen", sagte Kovac: "Das macht keiner absichtlich, aber auf diesem Niveau werden solche Fehler bestraft."
Das Problem: Diese Rückschläge steckt sein Team zusehends schlechter weg.
"Wir kriegen aus dem Nichts das 0:1 und kommen vorne nicht durch, bekommen keine klaren Tormöglichkeiten. Dann kassierst du das zweite Tor und rennst wieder hinterher", sagte Manuel Neuer.
Der Kapitän weiter:
"Da fängt der Kopf an zu streiken, dann werden die Beine schwer", fügte der Bayern-Coach so dahin, was eigentlich ziemlich alarmierend ist, so als Zustandsbeschreibung am 7. Spieltag einer Saison:
Kovac fehlen die Lösungsansätze
Zweites Bayern-Problem: Fehlte es gegen Augsburg (1:1) und Hertha BSC (0:2) noch an Effizienz vor dem Tor, spielten sich die Bayern gegen Ajax (1:1) und nun Gladbach kaum mehr Chancen heraus.
"Die Situation ist für uns auch brutal, weil wir schon einen Aufwand betreiben, aber scheinbar nicht die richtigen Dinge machen und vor allem nicht die Ergebnisse bringen", sagte Thomas Müller.
Viel Ballbesitz, wenig Ertrag, wenige Torraumszenen. Stürmer Robert Lewandowski hing mit nur 16 Ballaktionen völlig in der Luft. Bei seiner einzigen nennenswerten Szene, als der Ball dann doch mal im Gladbacher Tor zappelte, stand er zuvor wenige Zentimeter im Abseits.
"Wir haben viel Ballbesitz, nur wissen wir mit ihm nicht viel anzufangen, weil die Gegner sehr tief stehen", analysierte Kovac, was nun allerdings wahrlich kein neues Phänomen ist - und wozu er eigentlich Lösungsansätze parat haben sollte.
Arjen Robben meinte:
Alaba der vierte Verletzte
Das dritte und wohl derzeit schwerwiegendste Problem: Bayern fliegt die naive Kaderplanung aus dem Sommer um die Ohren. Nach den Langzeitverletzten Corentin Tolisso (Kreuzbandriss), Kingsley Coman (Syndesmosebandriss) und Rafinha (Innenbandriss im Sprunggelenk) meldete sich gegen Gladbach David Alaba verletzt ab.
Kovac vermutete einen Muskelfaserriss und ließ zumindest für einen Moment hinter die Fassade blicken, indem er sagte:
Ansonsten wich er allen Nachfragen nach der möglicherweise zu optimistischen Kaderplanung mit nur 21 Profis - viele davon verletzungsanfällig - mehr oder weniger gekonnt aus. " Darüber will ich jetzt nicht reden", sagte der 46-Jährige mehrfach. Und:
Aber nun vier Spiele nicht mehr.
Kovac weist Ratlos-Vorwurf von sich
Dass er ratlos wirke, wollte Kovac dann übrigens nicht auf sich sitzen lassen. "Ich bin nicht ratlos, weil ich ja weiß, warum es nicht geklappt hat", sagte er auf der Pressekonferenz nach dem Spiel. Details seiner Erkenntnisse nannte er keine, sagte aber:
Dass ihm Uli Hoeneß bereits unter der Woche medial etwas merkwürdig ausrichtete, "am Ende müsse Kovac den Kopf hinhalten", sei laut Kovac und Salihamidzic lediglich eine Feststellung zur Rotation gewesen, sollte ausdrücken, dass der Trainer eben die Verantwortung trage.
Nach dem 0:3 gegen Gladbach musste Kovac aber auch eingestehen: "Ich kenne den Mechanismus im Fußball beziehungsweise in der Bundesliga. Ich bin der Meinung, dass wir es sieben Spiele lang gut gemacht haben und jetzt eben nicht. Ich weiß, dass ich beim FC Bayern München bin und die Zeit hier anders läuft als vielleicht woanders."
Stand jetzt ist er Bayern-Trainer. Und hat - Stand jetzt - nun während der Länderspielpause mit einem dezimierten Kader Zeit, das Ruder wieder rumzureißen.
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