Es wird ernst.

Gerade erst hat Mats Hummels seinen Männertrip ins Lieblingsurlaubsland Kroatien abgeschlossen, schon stehen eine ganze Menge Formalien auf dem Plan. Der Wechsel des Ex-Nationalspielers zurück zu Borussia Dortmund soll auch formell perfekt gemacht werden.

Bundesliga
Keine neue Philosophie: Zorc erklärt Gründe für Hummels-Transfer
24/06/2019 AM 08:47

Noch in dieser Woche soll der 30-Jährige erstmals wieder in Dortmund aufschlagen - der obligatorische Medizincheck steht auf dem Plan. Ist dieser erfolgreich absolviert, unterschreibt Hummels umgehend den ausgehandelten Vertrag bis ins Jahr 2022 beim Vizemeister. Dann folgen Wohnungssuche, Umzug und schließlich am 3. Juli der Trainingsstart.

Hummels ist sofort mittendrin, soll vom Start weg vorangehen.

Die Borussen-Chefetage um Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke, Manager Michael Zorc, Sebastian Kehl (Leiter der Lizenzspielerabteilung) und Matthias Sammer (externer Berater) hat Großes vor mit Hummels. Der Spieler selbst nimmt die Rolle des Hoffnungsträgers gerne an. Es ist so ziemlich das Gegenteil seiner Perspektive beim Rekordmeister. Hummels schrieb bei Instagram:

Nach den Gesprächen mit den Verantwortlichen in München und Dortmund war mir schnell klar, dass meine fußballerische Heimat zukünftig wieder beim BVB sein soll. Und deshalb freue ich mich unheimlich, zurück nach Dortmund zu kommen und hoffentlich an die erfolgreichen Jahre zuvor anknüpfen zu können. Let’s go BVB!

Mats Hummels bei Borussia Dortmund

Fotocredit: Imago

BVB-Manager Zorc lobt: "Mats weiß wie es geht"

Die von Hummels beschworenen "erfolgreichen Jahre" sind genau das, wo es wieder hingehen soll. Der BVB soll wieder Titel gewinnen. Wie 2011 und 2012 - mit Anführer Hummels. Dafür legte Oberboss Watzke vor einigen Wochen sogar demonstrativ die über Jahre fast dogmatisch wirkende Zurückhaltung im Meisterkampf ab. Attacke auf den Branchenprimus FC Bayern.

Der Hummels Transfer unterstreicht die neuen Ambitionen sportlich. Der Führungsspieler soll die Mannschaft "über den Berg" hieven.

"Mats weiß, wie es geht und er weiß, wie die Dinge zu Ende geführt werden", sagte Zorc vielsagend und nannte den Transfer einen mutigen Schritt und Aufbruch.

Er hätte es sich in München auch bequem machen können.

Tat er aber nicht. Und deshalb wird Hummels ab sofort die junge Dortmunder Mannschaft anführen. Trainer Lucien Favre hat eine Achse auf dem Zettel. Roman Bürki im Tor, Hummels in der Kette. Davor Axel Witsel und schließlich Marco Reus. An diesen erfahrenen Spielern sollen sich die vielen Jungen orientieren.

Hummels war schon immer einer, der vorangeht. Das liegt in seinem Naturell. Bis zu seinem Abschied im Jahr 2016 war er zwei Jahre lang sogar Kapitän der Borussia. Dieses Amt allerdings bleibt bei Reus, wie Zorc im "Kicker" klarstellte:

Marco ist unser Kapitän und für mich der Spieler der vergangenen Saison. Es gibt keinen Grund, daran etwas zu verändern.

Mats Hummels mit Marco Reus (Borussia Dortmund vs. FC Bayern München)

Fotocredit: Getty Images

Akanji soll reifen, Zeit für Diallo, Zagadou und Balerdi

Die Veränderung soll Hummels selbst herbeiführen - auch ohne Binde. Der Weltmeister muss dem Dortmunder "Kinderriegel" Stabilität verleihen. In der abgelaufenen Spielzeit kassierten die Schwarz-Gelben 44 Gegentore. Zwölf mehr als der spätere Meister aus München. Ein nicht unwesentlicher Grund für den Verlust des riesigen (9 Punkte) Vorsprungs.

Besonders bei hohen Bällen war die Borussia anfällig. Auch deshalb suchte man einen kopfballstarken Boss für die eigene Defensive. Hummels passt ins Profil und steigt sofort zum unumstrittenen Chef auf. Neben ihm soll Manuel Akanji reifen. Dan-Axel Zagadou (falls er bleibt), Abdou Diallo und Leonardo Balerdi sollen sich im Schatten des sechsfachen Meisters entwickeln. Zorc weiß:

Die jüngeren Spieler entwickeln sich besonders gut, wenn sie rechts und links Führungskräfte neben sich haben.

Außerdem soll Hummels als Stratege ganz direkt Einfluss auf die Spieleröffnung des BVB nehmen. Anstelle des 4-2-3-1 wird Favre in der kommenden Saison voraussichtlich vermehrt auf ein 4-1-4-1-System setzen. Der Wegfall eines "Sechsers" macht die Innenverteidiger wichtiger. Hummels' Dribbelstärke und seine präzisen langen Bälle sind gefragt.

Doch sein Aufgabengebiet endet nicht mit Verlassen des Spielfelds. Hummels soll auch neben dem Platz - gemeinsam mit Reus - die Richtung vorgeben. Es ist gewünscht, dass aus dem Mannschaftsinneren öffentlichkeitswirksame Signale gesendet werden. Vielen war die Borussia in den schwierigen Zeiten der vergangenen Rückrunde zu ruhig.

Posten nach der Karriere?

Für den Menschen Mats Hummels ist die Rückkehr nach Dortmund ein Fingerzeig. Als Profi spielte der gebürtige Münchner neben seinem Heimatklub FC Bayern nur für den BVB. Dortmund ist längst zu einer Herzensangelegenheit für den 30-Jährigen geworden.

Anfang Juli geht er in sein neuntes Jahr in Schwarz und Gelb. Am Ende des nun ausgehandelten Vertrages könnten es elf sein. Hummels wäre damit eine echte Instanz im Verein. Sportlich gehört er schon jetzt zu den erfolgreichsten Spielern, die je in Dortmund spielten.

Ähnlich wie bei Sebastian Kehl, Lars Ricken oder Mattias Sammer könnte eine derartige Laufbahn ohne Umwege in eine Führungsposition beim Klub führen. Auch das spielte beim Wechsel eine Rolle.

Der Hummels-Transfer bringt bares Geld

Die Rückholaktion tut obendrein auch der Marke Borussia Dortmund gut. Der Trikot-Verkauf stieg im Vergleich zur Sommerpause 2018 um 50 Prozent an. Statt 40.000 Shirts verkaufen die Westfalen aktuell 60.000 Stück im Monat - Tendenz steigend.

Nach Informationen von "Sport Bild" wird die Borussia erstmals die 100-Millionen-Euro-Schallmauer durchbrechen, was die Marketing-Einnahmen betrifft. In der abgelaufenen Spielzeit waren es knapp 97 Millionen Euro.

Hier hat Hummels bereits geliefert.

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