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RB-Stürmer in der Bayern-Falle: Hat sich Werner verzockt?

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Timo Werner

Fotocredit: Imago

VonTom Müller
19/06/2019 Am 19:35 | Update 19/06/2019 Am 19:35

Noch vor einigen Wochen galt Timo Werner als eines der umworbensten Transferziele im Sommer. Mittlerweile scheint sich das Interesse wieder abgekühlt haben - insbesondere beim FC Bayern München, der offenbar Werners Nationalmannschaftskollegen Leroy Sané bevorzugt. Derweil baut Ralf Rangnick auf Seiten von RB Leipzig Druck auf den jungen Stürmer auf. Hat sich Werner verzockt?

Timo Werner musste gewusst haben, dass er nach der Niederlage von RB Leipzig beim FC Bayern München (0:1) am vorletzten Spieltag der Hinrunde auf seine Zukunft angesprochen werden würde. Immerhin hielten sich bereits seit Wochen die Gerüchte über einen Abschied des Nationalstürmers hartnäckig.

"Wenn man in Deutschland bei RB Leipzig spielt und in Deutschland bleiben will, hat man eigentlich nur einen Verein, wo man hinwechseln kann", plauderte der damals 22-Jährige seine Pläne bei "Sky" überraschend offensiv aus. Und als wäre nicht jedem klar gewesen, dass es sich bei "einem Verein" um den FC Bayern handelt, war Werner mit der überflüssigen Nachfrage sogar noch ein leichtes Kopfnicken zu entlocken.

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So weit so gut. Werner steht auf Bayern, Bayern - zumindest schien es lange so - auch auf Werner. Eine Verlängerung des 2020 auslaufenden Vertrags in Leipzig? Quasi ausgeschlossen. Ein Transfer? Nur noch Formsache.

Rangnick: "Bisher hat sich noch kein Verein gemeldet"

Zeitsprung: Fast genau ein halbes Jahr später zeichnet sich ein etwas anderes Bild. Das Interesse des "einen Vereins" aus dem Süden soll laut übereinstimmender Medienberichte abgekühlt sein.

"Timo ist auf dem Standpunkt, dass er den Vertrag nicht verlängern will, aber bisher hat sich noch kein Verein gemeldet, der gesagt hat, er wäre mit Timo einig und wolle ihn verpflichten", bestätigte Noch-Sportdirektor Ralf Rangnick am Montag dem "kicker".

Ralf Rangnick (l.) würde Timo Werner (r.) gerne weiter in Leipzig sehen

Fotocredit: SID

Bedeutet: Nicht nur die Bayern zögern bei einer Verpflichtung des 23-Jährigen, auch die englischen und spanischen Top-Vereine, bei denen Werner auf dem Zettel stehen soll, schrecken vor der Ablösesumme, die zwischen 40 und 60 Millionen Euro liegen soll, zurück.

Es darf die Frage erlaubt sein: Hat sich Werner mit seiner offensiven Aussage im Dezember zu weit aus dem Fenster gelehnt? Hat sich RB's Top-Scorer der abgelaufenen Saison (19 Tore, zehn Vorlagen) verzockt?

FC Bayern: Sané und Rodrigo haben Priorität

Stand jetzt muss diese Frage wohl oder übel mit einem klaren "Ja" beantwortet werden.

Auch wenn Bayern-Coach Niko Kovac in der vergangenen Saison wenig Chancen ausließ, um Werner zu loben, scheint sich der Fokus des deutschen Rekordmeisters verschoben zu haben.

Leroy Sané ist das Transferziel Nummer eins, daraus machen die Bayern-Verantwortlichen keinen Hehl. Dass der 23-jährige Flügelflitzer von Manchester City teuer werden würde (Marktwert 100 Millionen Euro; Quelle:transfermarkt.de), ist ebenfalls bekannt. Und dass der Leidtragende dieser Entwicklung Werner sein dürfte, sollte auch jedem klar sein. Neben Sané soll zudem der defensive Mittelfeldspieler Rodrigo von Atlético Madrid absolute Priorität haben.

Hier äußert sich Sané erstmals zu den Bayern-Gerüchten

00:00:27

Irgendwie sind diese Überlegungen auch verständlich: Warum sollte der FC Bayern den Transfer von Werner, der sich quasi öffentlich angeboten hat und 2020 eventuell ablösefrei zu haben ist, forcieren?

Zudem bleibt die Systemfrage: Bayern hat mit Robert Lewandowski eine klare Nummer eins im Sturm. Der Pole hat im "kicker" zwar öffentlich um einen Back-Up gebeten, doch der FCB wird sich wohl kaum einen millionenschweren Spieler auf die Bank setzen, dessen Einsatzfähigkeit als einzige Spitze und Zielspieler in einem 4-3-3 oder 4-2-3-1 zumindest hinterfragt werden muss.

Werner und RB Leipzig: Das verflixte letzte Jahr

In Leipzig muss sich Werner diese Frage nicht stellen. Dass Neu-Trainer Julian Nagelsmann gerne weiter mit dem Stürmer zusammenarbeiten will, ist kein Geheimnis:

"Wir wünschen uns alle, dass er bleibt“, sagte der 31-Jährige noch vor zwei Wochen der "Sport Bild", machte aber eine klare Einschränkung:

Wenn er nicht verlängert, ist es schwierig, dass solch ein Spieler ablösefrei geht.

Sportvorstand Oliver Mintzlaff erklärte schon im Mai exklusiv bei Eurosport:

Wir haben immer gesagt: Wir wollen nicht in ein letztes Vertragsjahr, ohne dass wir Klarheit haben.

Sind wir realistisch: RB wird seinen Top-Stürmer ohne ein wirkliches Angebot nicht panisch auf den Markt schmeißen, auch wenn dieser eine langfristige Verlängerung ablehnt.

Timo Werner ist bei RB Leipzigs Fans sehr beliebt

Fotocredit: Getty Images

Werner: Rangnick baut emotionalen Druck auf

Dennoch hat sich Werner in eine Zwickmühle befördert. Auf Bayern hoffen und im Notfall noch ein Jahr in Leipzig spielen?

Dass dieses Szenario für Werner unschön enden könnte, deutete Rangnick bereits an:

Das könnte, je nachdem, wie seine Leistung ausfällt, auch schwierig werden mit den Fans, was sehr schade wäre, weil er sich bei uns zu einem Publikumsliebling entwickelt hat.

Ein taktischer Schachzug, um emotionalen Druck auf Werner aufzubauen? Wahrscheinlich. Ob es wirkt? Wir werden sehen.

Doch spätestens wenn sich das Transferfenster dem Ende zuneigt und sich immer noch kein Verein gemeldet hat, wird sich Werner etwas überlegen müssen. Auch, wenn ihm diese Entscheidung womöglich nicht gefällt.

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