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FC Bayern München: Pfiffe für Uli Hoeneß? Was bei der Jahreshauptversammlung 2018 ansteht

Hoeneß drohen Pfiffe: Was bei Bayerns Hauptversammlung passiert

30/11/2018 um 10:04Aktualisiert 01/12/2018 um 18:34

Beim FC Bayern München funktionieren Jahreshauptversammlungen wie Parteitage, so politisch-staatstragend geht's zu. Dieses Mal wird alles noch ein bisschen aufgeregter und aufregender. Es gibt eine sportliche Krise, viele offene Fragen und massiv Druck auf Uli Hoeneß. Was lange undenkbar war, könnte am Freitag tatsächlich Realität werden: Pfiffe gegen den Präsidenten.

Karl-Heinz Rummenigge liest ab, Uli Hoeneß redet frei - so war das immer beim FC Bayern München, und es beschrieb die Verhältnisse ganz gut. Hier der Technokrat Rummenigge, dort der Bauchmensch Hoeneß.

Allein: Als Rummenigge zuletzt ablas und Hoeneß improvisierte, war Oktober und die Chronik des FC Bayern um eine absurde Pressekonferenz reicher. Ob Rummenigge also richtig liegt, wenn er bei der Jahreshauptversammlung 2018 einen "ruhigen Abend" erwartet?

Hoeneß alarmiert: "Müssen alles hinterfragen"

Die Krise in der Bundesliga, die Debatte um Trainer Niko Kovac, der "Maulwurf" in der Mannschaft, der überfällige Umbruch, die Handgreiflichkeit von Franck Ribéry, die Tribünen-Vertreibung von Paul Breitner, die vielen, seltsamen, auch widersprüchlichen Aussagen von Hoeneß: Da hat sich eine Menge aufgestaut beim Rekordmeister.

Folgt am Freitag die Entladung? "Wir sollten nicht den Fehler machen, weil wir in der Tabelle nicht ganz da sind, wo wir gerne wären, alles in Frage zu stellen", hat Rummenigge neulich gesagt. "Wir müssen alles hinterfragen", hat Hoeneß noch neulicher gesagt.

Es wird eher kein ruhiger Abend. Eurosport.de skizziert, was bei Bayerns JHV ansteht.

Abteilung Finanzen

Sie dürfen sich feiern lassen für imposante Zahlen. Im Geschäftsjahr 2017/18 wurden Gesamteinnahmen von 657,4 Millionen Euro verzeichnet, knapp 17 Millionen mehr als zuvor, Rekord. Mit 29,5 Millionen Euro erwirtschafteten die Münchner ihren dritthöchsten Gewinn der Vereinsgeschichte (historischer Bestwert: 39,2 Millionen Euro).

Seit Ausgliederung der Lizenzspielerabteilung in die FC Bayern München AG anno 2002 konnten die Einnahmen um 355 Prozent (!) gesteigert werden. Rummenigge sagte mit Blick auf die geplante Transferoffensive 2019: "Das Pulver ist trocken."

Abteilung Attacke

Die finanzielle Bilanz stimmt, die sportliche nicht unbedingt und die zwischenmenschliche erst recht nicht. Es rumort an der Basis. Lange undenkbar: Wenn Präsident Hoeneß die Versammlung mit Punkt 1 der Tagesordnung eröffnet, könnten sich Pfiffe in den Applaus mischen.

Gut möglich, dass Hoeneß seine devote Haltung aufgibt ("Jetzt von der Meisterschaft zu reden, wäre etwas überheblich") und in griffiger Hoeneß-Manier zum Angriff bläst. Wie 2010, als er das Erreichen des Champions-League-Finals 2012 in der Allianz Arena verlangte. Oder 2016, als er die aufstrebenden Leipziger als "Feind" bezeichnete. Themen lägen genug auf der Straße.

Abteilung Transfers

Bayern versucht eine Ära in ihren letzten, wirklich allerletzten Zügen zu konservieren, von 21 gestandenen Profis kratzen zehn an der 30er Marke oder sind darüber hinaus. Für Highlights wie gegen Dortmund oder Benfica können sie sich noch aufraffen - aber sonst?

"Man muss den Spielern sagen, dass sie die nächsten drei, vier Monate unter Druck sind", betonte Hoeneß im "kicker"; danach werde entschieden, "wer zu gebrauchen ist und wer nicht". Weicht der FC Bayern seine Prinzipien auf, um im Armdrücken mit Europas Elite mithalten zu können?

Abteilung Personal

Die Zukunftsplanung muss forciert werden, gerade als Signal nach außen. Hoeneß (66) ist bis November 2019 gewählt, der Vertrag von Rummenigge (63) läuft Ende 2019 aus.

Alles deutet darauf hin, dass der Vorstandsvorsitzende um weitere zwei Jahre verlängert. Hoeneß wird bei den Wahlen 2019 höchstwahrscheinlich final kandidieren, die Anhänger erwarten Lösungen, zumindest aber Lösungsansätze für den FC Bayern der Moderne.

Stünden "morgen" Nachfolger bereit, "von denen ich überzeugt bin, würde ich morgen aufhören", sagte Hoeneß kürzlich. Allerdings gestalte sich die Suche schwierig: "Es gibt keine erste und keine zweite Lösung. Es gibt Gedanken."

Abteilung Überraschung

Voraussetzung wäre wohl ein baldiger Rückzug Rummenigges. Denkbar also, dass Kahn nach einer Art Einlernen als Sportvorstand ab 2021 zum Klubboss aufsteigt. Ebenfalls spekuliert wird über Gladbachs Manager Max Eberl oder Philipp Lahm, bis 2024 eigentlich als Gesicht der Heim-EM vorgesehen. Was dann mit Salihamidzic (Vertrag bis 2020) passiert, ist offen.

Die sogenannten "Ulianer" muss Hoeneß am Freitag nicht beeindrucken. Fragt sich halt, wie groß die andere Gruppe inzwischen ist...