Getty Images

Drei Dinge, die auffielen: Das nächste alarmierende Déjà-vu

Drei Dinge, die auffielen: Das nächste alarmierende Déjà-vu

09/02/2020 um 10:38

Borussia Dortmund muss sich nach zweimaliger Führung mit 3:4 (2:2) im Topspiel bei Bayer Leverkusen geschlagen geben. Dabei erlebt der BVB das nächste alarmierende Déjà-vu auf fremdem Platz und offenbart einmal mehr individuelle Schwächen in der Defensive. Auf der anderen Seite gehen Peters Boszs Offensiv-Bemühungen diesmal auf. Drei Dinge, die uns auffielen.

1. Lautsprecher Can gibt verheißungsvolles Startelfdebüt

Es hätte so ein schöner Abend für Emre Can werden können.

In der 33. Minute schaute der Neuzugang kurz, fasste sich ein Herz und zog aus gut 25 Metern ab. Mit einer perfekten Flugkurve senkte sich der Ball hinter dem vergeblich fliegenden Lukas Hrádecky in den rechten Knick. 2:1 für Borussia Dortmund zu diesem Zeitpunkt. Ein absolutes Traumtor.

Emre Can

Emre CanGetty Images

"Ich bin erst seit kurzem dabei, die Mannschaft hat viel Potenzial, aber muss noch eins lernen: Wenn man in Führung geht, muss man - auf gut Deutsch gesagt - dreckiger spielen, manchmal Foul spielen, besser verteidigen", monierte der Mittelfeldspieler bei "Sky".

Zwar sah Can beim 3:3 (81.) selbst unglücklich aus, als er Kevin Volland im Sechzehner mit einer Grätsche stoppte und den Ball dadurch Torschütze Leon Bailey vor die Füße legte, ihm hier jedoch einen Fehler zu unterstellen, wäre falsch. "Blöd gelaufen", kommentierte der deutsche Nationalspieler die Szene nüchtern, gab aber offen zu:

"Heute war es nicht einfach für mich, ich habe lange nicht gespielt. Das soll keine Ausrede sein, ich kann besser spielen, ich kann der Mannschaft besser helfen. Es wird in der Zukunft kommen."

2. Das nächste alarmierende BVB-Déjà-vu

Spannungsverlust in der zweiten Hälfte. Folgenreiche Abwehrfehler. Eine verspielte Führung und ein im Interview nach Erklärungen suchender Lucien Favre. Es kommt einem langsam so vor, als wären die Auswärtsspiele des BVB geskriptet.

Dortmund erlebte in Leverkusen ein weiteres Déjà-vu. "Das tut weh", analysierte Sportdirektor Michael Zorc nach Abpfiff und hatte die Ursache für Dortmunds unrühmliche Auftritte in der Fremde auch schnell gefunden:

"Wir bekommen zu viele Gegentore. Deswegen stehen wir nicht besser da und haben die Probleme."

Darin waren sich am Samstagabend alle einig. Besonders Manuel Akanji entpuppte sich einmal mehr als Risikofaktor in der schwarz-gelben Abwehrreihe. Diesmal als rechter Verteidiger in einer Viererkette aufgeboten, sah der Schweizer bei beiden Treffern (20./43.) von Bayer-Stürmer Volland alles andere als gut aus.

Kevin Volland von Bayer Leverkusen

Kevin Volland von Bayer LeverkusenGetty Images

Beim 0:1 stand er falsch zum Mann, vor dem 2:2 attackierte er Nadiem Amiri auf der rechten Seite viel zu passiv und ließ den 23-Jährigen in aller Ruhe flanken.

Dass Akanji ansonsten ein ordentliches Spiel machte (78% gewonnene Zweikämpfe), passte ins Bild. Dortmund schafft es auswärts einfach nicht, ein Spiel über 90 Minuten zu kontrollieren.

"Wir hatten ein sehr überlegenes Auswärtsspiel. Aber ab der 70., 75. Minute sind wir sehr passiv geworden und haben uns in der eigenen Hälfte einschnüren lassen", fasste Torschütze Mats Hummels (22.) die wiederkehrenden BVB-Probleme passend zusammen.

Antworten hatte jedoch auch er nicht:

"Wir wissen, dass das so ist, aber bekommen es leider nicht abgestellt."

3. Boszs Kniffe gegen den Ex-Klub zeigen Wirkung

Peter Bosz war anzusehen, was ihm dieser Sieg gegen seinen Ex-Klub bedeutete: "Ich bin sehr stolz. Wir haben gegen einen sehr guten Gegner gespielt, es ist sehr schwierig, da Zugriff zu bekommen", so der grinsende Bayer-Coach, der 2017 ein halbes Jahr die Geschicke in Dortmund geleitet hatte:

"Die Mannschaft hat eine Riesenmentalität, einen Riesenwillen gezeigt."

Im Hinspiel in Dortmund war die Werkself noch mit 0:4 untergegangen. Dieses Mal zeigten Boszs Kniffe Wirkung.

Sven Bender (Bayer Leverkusen) und Raphael Guerreiro (BVB)

Sven Bender (Bayer Leverkusen) und Raphael Guerreiro (BVB)Getty Images

Mit einem Doppelschlag innerhalb von 82 Sekunden belohnten der eingewechselte Bailey und Lars Bender (82.) die Leverkusener Offensiv-Bemühungen und machten aus der BayArena ein Tollhaus.

Die drei Punkte im Topspiel geben der Werkself nach einer unglücklichen Niederlage vergangene Woche in Hoffenheim wieder Auftrieb. "Das Spiel war von den Punkten her brutal wichtig, dass wir oben dranbleiben", strahlte Verteidiger Jonathan Tah:

"Jetzt müssen wir weitermachen. Wir feiern noch ein bisschen den Sieg und danach konzentrieren wir uns auf das nächste Spiel."

Video - Favre konsterniert: "Wir haben ein paar Probleme"

01:06