Bayern, Dortmund, Schalke und Co.: Bundesliga-Profis droht Vertragschaos

Die Corona-Pandemie hat auch die Bundesliga kalt erwischt. Der Spielbetrieb ist bis mindestens 2. April ausgesetzt, doch der Termin dürfte kaum zu halten sein und ob die Saison zu Ende gespielt werden kann, ist offen. Für die Profis ist die Situation kompliziert, es gibt viele Fragezeichen. Was passiert mit auslaufenden Verträgen und wie sieht es mit dem heiß debattierten Gehaltsverzicht aus?

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Die BVB-Stars Mario Götze und Lukas Piszczek betrifft es ebenso wie Leverkusens Charles Aranguiz oder Vedad Ibisevic von der Berliner Hertha - sie alle gehören zu den mehr als 70 Bundesliga-Profis, deren Arbeitspapier am 30. Juni 2020 ausläuft.
Das Datum ist der traditionelle Stichtag für Spielerverträge in der Liga. Die Saison ist längst vorbei und ab Juli können die Profis dann im Fall eines Wechsels mit dem neuen Verein in die Saison-Vorbereitung starten. Wenn alles normal läuft. Davon ist man in diesem Jahr aufgrund der Corona-Krise allerdings weit entfernt, so etwas wie Normalität gibt es derzeit schlichtweg nicht.

Massive vertragliche Probleme drohen

Die , weshalb der Spielergewerkschaft VDV in diesen Tagen und Wochen eine enorme Bedeutung zukommt. Die 1987 von aktiven Profis gegründete VDV unterstützt ihre mehr als 1400 Mitglieder unter anderem in den Bereichen Absicherung und Arbeitsrecht. Worauf es im Moment besonders ankommt, erläutert Geschäftsführer Ulf Baranowsky gegenüber Eurosport.de:
Fakt ist: Sollte die Saison fortgesetzt werden und über den 30. Juni hinausgehen, gibt es massive vertragliche Probleme. "Es ist denkbar, dass dann Sondervereinbarungen zwischen Vereinen und Spielern getroffen werden. Anschlussverträge sind sicherlich möglich, wenngleich das Verbandsrecht kurzfristige Verträge eigentlich nicht zulässt", erläutert der auf Fußball-Themen spezialisierte Rechtsanwalt Dr. Andrej Dalinger im Gespräch mit "Sport1".

Ein-Monats-Verträge die Lösung?

Besonders knifflig wird es bei Spielern, die bereits einen Anschlussvertrag bei einem anderen Klub unterschrieben haben, wie etwa Schalke-Schlussmann Alexander Nübel, der ab 1. Juli beim FC Bayern unter Vertrag steht. Die Lösung könnten kurzfristige Ein-Monats-Verträge sein. Allerdings nur dann, "wenn das Verbandsrecht hier eine Ausnahme zulassen würde, um auf diesem Wege einen fairen sportlichen Wettkampf zu organisieren", so Dalinger.
Diese Variante ist für Spieler, die noch keinen neuen Arbeitgeber haben, allerdings mit einem hohen Risiko verbunden. Im Falle einer Verletzung während des Extra-Monats dürfte es schwer werden, zeitnah einen neuen Klub zu finden. In dieser Hinsicht könnte eine Forderung der Spielergewerkschaft helfen, die schon vor geraumer Zeit eine "Ausweitungen der Transferfenster für vereinslose Profis und 'Insolvenzopfer'" angeregt hat.

Kurzarbeit? Gladbach denkt darüber nach

Kurzarbeit ist derweil in der ersten Liga noch kaum im Gespräch. Drittligisten wie der SV Meppen oder Carl Zeiss Jena haben dagegen schon entsprechende Anträge bei der Bundesagentur für Arbeit gestellt.
Nun denkt auch Bundesligist Borussia Mönchengladbach über einen solchen Schritt nach. Ziel sei es, betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden. "Wir sind dabei, das zu prüfen", bestätigte Finanz-Geschäftsführer Stephan Schippers die Bestrebungen der Borussia, eventuell auf Kurzarbeit umzustellen.
Wie auch immer es mit dieser Bundesliga-Saison weitergeht, ob mit einem Abbruch, mit Geisterspielen oder sogar irgendwann wieder mit Zuschauern, es wird jede Menge Klärungsbedarf in Vertragsfragen geben.

Gehaltsverzicht: Söders Vorschlag schlägt hohe Wellen

Wesentlich eindeutiger ist dagegen das Thema Gehaltsverzicht. Das Thema nahm extrem Fahrt auf, nachdem Bayerns Ministerpräsident Markus Söder die Fußball-Profis unverblümt dazu aufgefordert hatte, auf einen Teil ihres Salärs zu verzichten. "Ich fände es zum Beispiel in Ordnung, wenn Spieler, die ganz große Gehälter bekommen, zur Aufrechterhaltung des Spielbetriebes ihrem Arbeitgeber gegenüber ein bisschen zurückhaltender wären mit dem Geld", so der Politiker gegenüber der "Bild". Es sei "Solidarität gefragt, nicht nur von den Vereinen, sondern auch von den Spielern".
Die klare Aussage des Ministerpräsidenten löste heftige Reaktionen in der Szene aus, vor allem Horst Heldt, Sport-Geschäftsführer beim 1. FC Köln, war erbost. Es sei "absolut sinnhaft, dass man sich mit populistischen Scheißausdrücken erst mal zurückhält", polterte der 50-Jährige.
Theoretisch ist die Umsetzung von Söders Vorschlag indes kein Problem. "Aus rechtlicher Sicht wäre ein Gehaltsverzicht ohne weiteres umsetzbar", stellt Rechtsanwalt Dalinger klar. Dies sei Verhandlungssache zwischen Profi und Verein. Allerdings: "Ohne die Zustimmung eines Spielers ist eine Kürzung des Gehalts nicht zulässig."

Fohlen gehen mit gutem Beispiel voran

Unterdessen machten die Fußballer von Borussia Mönchengladbach als erstes Team der Liga Nägel mit Köpfen - und verzichten auf einen Teil ihres Gehalts. Sportdirektor Max Eberl zeigte sich begeistert:
Nach Berechnungen der "Rheinischen Post" spart die Borussia damit monatlich mehr als eine Million Euro. "Die Mannschaft hat angeboten, auf Gehalt zu verzichten, wenn sie dem Klub und damit auch den Mitarbeitern helfen kann", so Eberl. Ein wunderbares Zeichen der Fohlen, das Nachahmer finden dürfte...
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