Dortmunds neuer Wunderknabe Erling Haaland hatte gerade mit eisiger Miene einige extrem kurze Sätze zur 3:4-Niederlage in der BayArena formuliert, als einer seiner zahlreichen Offensivkollegen um die Ecke humpelte.

Im Schneckentempo bewegte sich Julian Brandt an seiner früheren Wirkungsstätte Richtung Ausgang und deutete mit einem gequälten Lächeln kurz hinunter auf sein lädiertes Sprunggelenk. "Der Knöchel ist ziemlich dick", berichtete der 23-Jährige über seine Blessur, die er sich gleich zu Beginn der Partie in einem Zweikampf mit dem Ex-Kollegen Lars Bender zugezogen hatte.

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Brandt fehlt gegen Frankfurt

Zur Pause blieb Brandt, in den vergangenen Wochen stets einer der auffälligsten Dortmunder, in der Kabine. Nach Kapitän Marco Reus, der wegen einer Muskelverletzung aus dem verlorenen Pokalspiel in Bremen etwa vier Wochen fehlen wird, muss der BVB in der kommenden Liga-Partie gegen Eintracht Frankfurt auf den zweiten deutschen Nationalspieler verzichten. Am Sonntagmorgen gaben die Westfalen die Diagnose bekannt: Anriss des Außenbandes im Sprunggelenk. Ein weiterer bitterer Ausfall, doch zumindest besteht Hoffnung, dass Brandt im Champions-League-Achtelfinale gegen PSG (18. Februar) wieder einsatzbereit ist.

Schon im vergangenen Jahr kassierte das Team von Lucien Favre im Monat Februar mit nur einem Sieg in sechs Spielen die entscheidenden Rückschläge in Pokal, Meisterschaft und Königsklasse. Nun droht sich die Geschichte zu wiederholen. Und die Art und Weise der Pleite gegen den direkten Konkurrenten Bayer 04 fühlte sich für die Schwarz-Gelben nach mehr an als nur nach einer Niederlage.

"Das war ein Rückschlag. Aber die Saison ist noch lang, es kann noch viel passieren", sagte Juventus-Leihgabe Emre Can, der bei seinem ersten Bundesligaspiel seit fünfeinhalb Jahren gleich durch enorme Präsenz und mit einem Traumtor zum zwischenzeitlichen 2:1 für die Gäste glänzte, Bayers Leon Bailey beim 3:3 allerdings unglücklich den Ball auflegte.

Defensivprobleme als Dauerbegleiter

"Blöd gelaufen", kommentierte Can – der gleich zum Einstieg einen scharfen Abriss der Dortmunder Hauptprobleme präsentierte: fehlende Abgezocktheit in entscheidenden Spielphasen – und immer wiederkehrende Nachlässigkeiten in der Defensive. "Die Mannschaft hat extrem viel Potenzial, muss aber eines lernen: Wenn man in Führung geht, muss man dreckiger sein. Manchmal ein Foul spielen, besser verteidigen", monierte der gebürtige Frankfurter und betonte: "Ich meine damit die gesamte Mannschaft, von vorne bis hinten."

Die Favre-Elf steckte Mitte der ersten Halbzeit einen Rückstand zwar völlig unbeeindruckt weg, gab aber letztlich auch zwei Führungen aus der Hand. Einer Spitzen-Mannschaft ist das nicht würdig – und besonders nachdenklich machte die Borussen ihr passives Verhalten in der Phase nach Raphael Guerreiros Treffer zum 3:2 nach gut einer Stunde.

"Wir können eine internationale Top-Mannschaft sein. Aber das sind wir nicht, wenn wir dem Gegner während einer Partie jedes Mal wieder das Spiel überlassen", murrte Abwehrchef Mats Hummels, der gar rekapitulierte: "Irgendwann kam der Moment, in dem wir gehofft haben, dass das Spiel gleich vorbei ist. Wenn man das hofft, dann geht’s schief."

Nach dem orkanmäßigen Start in die Rückrunde mit 15 Toren in den ersten drei Liga-Spielen droht die Stimmung beim BVB zu kippen. "Wir waren als Team nicht gut genug. Wir müssen mehr und härter arbeiten", kommentierte Mittelstürmer Haaland mit versteinertem Blick. Und Sportdirektor Michael Zorc zürnte: "Es ist eklatant, wie einfach wir es dem Gegner machen, Tore gegen uns zu erzielen. Das war in Bremen so, das war hier so. Das Thema begleitet uns schon ein bisschen länger. Und das ist ein Mechanismus, warum wir in der Tabelle nicht weiter oben stehen."

Favre konsterniert: "Wir haben ein paar Probleme"

Die Bayern drohen zu enteilen

Im Kampf um die begehrten Eintrittskarten in die Königsklasse macht Leverkusen nun von unten spürbar Druck – und ganz oben können die Bayern den Dortmundern mit einem Sieg über Leipzig am Sonntagabend um sechs Punkte enteilen. Wohl auch deshalb erklärte Trainer Favre in der BayArena: "Diese Niederlage ist sehr schwer zu verdauen."

Dass der Schweizer dabei die Schwächen seines Teams bei der Balleroberung und fehlende Geduld bemängelte, deutete auf einen erkannten Rückschritt hin. Und das in einem besonders unpassenden Moment. "Man braucht nur einen Blick auf die Tabelle zu werfen, um zu wissen", betonte Sportchef Zorc, "dass wir heute ein wichtiges Spiel verloren haben. Im Kampf um die Champions-League-Plätze – aber auch, um ganz nach oben zu schauen."

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