Raphaël Guerreiro - Dortmuns Hoffnungsträger im Titelkampf

Raphaël Guerreiro ist der Mann der Stunde beim BVB. Der Portugiese meldete sich in absoluter Topform aus der Corona-Pause zurück und ist vor dem Topspiel gegen den FC Bayern München nun Dortmunds ultimativer Hoffnungsträger. Die Entwicklung des 26-Jährigen ist vor allem ein Verdienst von BVB-Trainer Lucien Favre. Im geänderten System des Schweizers kommen Guerreiros Stärken endlich zum Tragen.

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Guerreiro war schon vieles beim BVB: Linksverteidiger, Sechser, Achter und Zehner - Lautsprecher oder Wortführer jedoch nicht. Dass er sich vor dem Duell mit dem FC Bayern München (Dienstag, ab 18:30 Uhr im Liveticker auf Eurosport.de) nun zu einer echten Kampfansage hinreißen ließ, zeigt, wie groß das Selbstbewusstsein des Portugiesen aktuell ist.
"Alle werden schon in den ersten Minuten sehen, dass wir brennen und siegen wollen. Wir werden sie von Anfang an unter Druck setzen", sagte der Portugiese im Interview bei "Sky".
Worte, die beim BVB aktuell niemand besser stehen als Guerreiro.

Raphael Guerreiro: Mann der Stunde beim BVB

Drei Tore in den vergangenen beiden Spielen, insgesamt schon acht Scorerpunkte in der Rückrunde (sechs Treffer, zwei Assits) - Guerreiro hat sich in absoluter Topform aus der Corona-Pause zurückgemeldet. Das Ergebnis harter, disziplinierter Arbeit während des 66-tägigen Liga-Lockdowns.
"Ich habe in der Corona-Pause sehr hart daran gearbeitet. Ich war zuletzt vor dem Tor sehr effektiv. Das gefällt mir natürlich", freut sich der Europameister von 2016, der "sehr stolz" auf seine aktuelle Form ist.
Mit acht Treffern ist er Dortmunds bester Torjäger hinter Jadon Sancho (14), Marco Reus (11) und Erling Haaland (10).

Systemwechsel kommt Guerreiro zugute

Zu verdanken hat er diese Werte vor allem Lucien Favre. Seit der BVB sein System von 4-2-3-1 auf 3-4-3 umstellte (erstmals am 13. Spieltag; 2:1-Auswärtssieg bei Hertha BSC), kommt Guerreiro ausschließlich als linker Mittelfeldspieler zum Einsatz. Eine Position, die er schon unter Thomas Tuchel ausfüllte und auf der seine Qualitäten perfekt zum Tragen kommen.
"Ich kann meine Stärken am Ball einbringen und so meinen Mitspielern immer Lösungen anbieten", beschreibt der in Frankreich geborene Nationalspieler Portugals. Zudem sei er "oft frei" und komme "in gute Abschlusssituationen". Gegen Wolfsburg veredelte er am langen Pfosten eine Hereingabe von Thorgan Hazard (zwölfter Assist) völlig frei am langen Pfosten, eine Woche zuvor im Revierderby gegen Schalke (4:0) traf er gar doppelt.
"Rapha spürt einfach den Fußball, wenn er gehen muss. Er hilft bei den Offensivaktionen und ist vor dem Tor sehr, sehr geschickt. Er hat einen sehr guten Schuss", schwärmte Favre nach dem Sieg in Wolfsburg folgerichtig.

Raphael Guerreiro: Vertragsverlängerung ein echter Coup

Dass Guerreiro überhaupt noch in Dortmund spielt, war noch vor gut neun Monaten alles andere als sicher. Der 26-Jährige tat sich schwer, seine Position im Team zu finden, rotierte zwischen Linksverteidigerposition, zentralem Mittelfeld und linkem Mittelfeld hin und her. Favre nutze ihn mal von Beginn an, mal von der Bank und mal überhaupt nicht.
Die Rolle als Allzweckwaffe konnte Guerreiro zwar ausfüllen, zum echten Leistungsträger wurde er so aber nicht. Als dann im Sommer öffentlich wurde, dass Ex-Trainer Tuchel seinen "Lieblingsschüler" zu PSG lotsen wollte, schien ein Abgang so gut wie sicher.
Als Ablösesumme standen 25 bis 30 Millionen Euro im Raum. Letztlich gelang es Sportdirektor Michael Zorc aber, den Portugiesen von einer Vertragsverlängerung beim BVB bis 2023 zu überzeugen. Ein echter Coup, wie man heute weiß.
"Raphael ist ein international erfahrener und technisch erstklassiger Fußballer, der flexibel auf mehreren Positionen einsetzbar ist und innerhalb unseres Kaders eine hohe Wertschätzung genießt", wurde Zorc in der zugehörigen Pressemitteilung zitiert.

Guerreiro endlich verletzungsfrei

Fußballerisch gehörte Guerreiro schon seit seinem Wechsel zu Borussia Dortmund zu den begabtesten Kickern im Kader. Das bestätigten alle seine bisherigen Trainer. Dass er jedoch nie unangefochtener Stammspieler wurde, hatte mit seiner Verletzungsanfälligkeit zu tun.
In seiner ersten Saison (2016/17) verpasste Guerreiro zwölf Spiele aufgrund kleinerer Blessuren, ein Jahr später waren es satte 31 Partien. Ein verlorenes Jahr. Doch seit der vergangenen Saison schafft es der Portugiese, sein Fitnesslevel mehr und mehr zu halten und sich kleinere und größere Wehwehchen vom Hals zu halten.
In der aktuelle laufenden Spielzeit fehlte Guerreiro nur an den ersten beiden Spieltagen mit einer Muskelverletzung, seitdem setzt Favre zumeist auf ihn.

Guerreiro: "Nach Dortmund gekommen, um Titel zu gewinnen"

Vor dem Duell mit Bayern strotzt Guerreiro deshalb vor Selbstbewusstsein und unterstreicht im "Sky"-Interview noch einmal die schwarz-gelben Titelambitionen: "Schon vor der Saison war die Meisterschaft unser Ziel. Durch die Corona-Pause hatten wir viel Zeit zum Nachdenken und das hat unser Gefühl nur verstärkt."
Auch eine Etage höher gab man sich vor dem Duell mit dem Tabellenführer kämpferisch. Die 0:4-Pleite aus dem Hinspiel sei laut Favre "total vorbei", und auch Zorc verkündete mit breiter Brust: "Wir müssen uns unserer eigenen Stärke in der Offensive bewusst sein. Wir können gegen Bayern immer Tore schießen - wir können sie schlagen."
Ein Sieg gegen die Bayern, darüber ist sich Guerreiro völlig klar, ist Pflicht, wenn der Traum von der Schale (voraussichtlich) Ende Juni Realität werden soll. Der Glaube, den Rekordmeister in diesem Jahr endlich knacken zu können, ist jedenfalls da:
"Ich bin nach Dortmund gekommen, um Titel zu gewinnen. Den DFB-Pokal und den Supercup habe ich schon. Nur der Titel in der Liga fehlt noch. Das ist mein großer Traum. Vergangene Saison hat nicht viel gefehlt. Wir wollen uns beim FC Bayern revanchieren und den Titel endlich in unseren Händen halten."
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