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Darum ist die Hummels-Sperre eine Chance für den BVB

Darum ist die Hummels-Sperre eine Chance für den BVB

02/12/2019 um 13:16Aktualisiert 02/12/2019 um 18:21

Auf den ersten Blick kann der BVB den Ausfall von Abwehrchef Mats Hummels aktuell überhaupt nicht gebrauchen. Schaut man genauer hin, bietet er aber auch Chancen. Vor allem für die jungen, mit wenig Spielzeit bedachten Dan-Axel Zagadou und Leonardo Balerdi. Aber auch Manuel Akanji, der wohl zum Interimsabwehrchef aufsteigt, kann von Hummels' Fehlen profitieren.

Mats Hummels sieht Gelb-Rot in Berlin

Mats Hummels sieht Gelb-Rot in BerlinGetty Images

Besonders für den Franzosen eine große Chance, aus dem Schatten der Dauerspieler (Hummels/Akanji) zu treten.

Große Chance für Zagadou

Rein visuell ist es sowieso kaum vorstellbar, dass Zagadou in irgendjemandes Schatten verschwindet. Mit 1,98 m ist er der körperlich größte Spieler im BVB-Kader und wirft damit folgerichtig auch den größten Schatten. Allerdings war dieser in dieser Saison bisher kaum auf dem Feld zu sehen.

Der 20-Jährige machte am Samstag im Berliner Olympiastadion sein erstes Bundesligaspiel über 90 Minuten in der laufenden Spielzeit. Von Sportdirektor Michael Zorc gab es anschließend großes Lob: "Dan-Axel hat ein tolles Spiel gemacht", befand der 57-Jährige.

Mit seiner Größe sei Zagadou prädestiniert dazu gewesen, "gegen die großen Kanten" von Hertha BSC zu spielen. Bislang kommt "Zaga" in dieser Saison aber nur auf die enttäuschende Bilanz von nur 118 Minuten und das, obwohl er nicht verletzt war.

Lars Stindl und Dan-Axel Zagadou

Lars Stindl und Dan-Axel ZagadouImago

Anschließend saß er jedoch wieder auf der Bank, trotz eines Akanjis, der sich seit Monaten weit entfernt von seiner Topform präsentiert.

Zagadou: Einer wie Hummels

Zagadou ist auch deshalb der perfekte Ersatz für Hummels, weil er wie der Ex-Münchner auf der linken Verteidigerseite zuhause ist. Seine Stärken ähneln denen des Abwehrchefs zudem. Der Franzose verfügt wie Hummels über ein exzellentes Aufbauspiel.

Sein Passspiel ist meist präzise und mit der richtigen Schärfe ausgestattet. Er besitzt die nötige Ruhe und Coolness, wenn er von Stürmer angelaufen wird und er ist aufgrund seines Körpers natürlich robust im Zweikampf und Kopfballstark.

Allerdings schwankten Zagadous Leistungen in der vergangenen Saison so sehr, dass ihm Favre bis heute noch nicht zu 100 Prozent vertraut. Mit Anfang 20 ist der U21-Nationalspieler Frankreichs noch unerfahren und mitunter etwas sorglos in seinen Aktionen. Das kostete den BVB in der Vergangenheit schon komplette Spiele.

Es wird daher für Zagadou jetzt darauf ankommen, sich keine weiteren groben Patzer zu leisten. Wird es brenzlig muss er die Kugel auch mal rigoros Klären – es geht um keinen Schönheitspreis, sondern darum, möglichst die Null zu halten.

Talent Balerdi rückt auf

Eine weitere, wenn auch weitaus unwahrscheinlichere, Variante ist ein Einsatz von Leonardo Balerdi. Im vergangenen Winter verpflichtete der BVB das ebenfalls erst 20-jährige Talent aus Argentinien.

Bisher spielt Balerdi allerdings bei den Profis überhaupt keine Rolle, dabei überwies Sportdirektor Michael Zorc satte 15,5 Millionen Euro für den Innenverteidiger an die Boca Juniors.

Als Ömer Toprak den BVB zu Saisonbeginn in Richtung Werder Bremen verließ, war klar, dass Balerdi nicht vorerst aufgrund mangelnder Perspektive verliehen wird, sondern Innenverteidiger Nummer vier wird. Dennoch: 0 Minuten auf Profiniveau sind bislang die Ausbeute – wenn man das überhaupt so nennen kann.

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Dass er gegen Düsseldorf am Wochende plötzlich zu seinem Bundesligadebüt kommt, ist wohl nur im Falle eines weiteren Ausfalls denkbar.

Akanji als Abwehrchef

Fix ist hingegen, dass Akanji in Hummels' Abwesenheit als erfahrenster Innenverteidiger die Verantwortung als Abwehrchef übernehmen wird. Eine Aufgabe, an der der zuletzt oft enttäuschende Schweizer wachsen kann. Auch für ihn bietet sich also die Chance, seine Kritiker mit einer zweiten guten Leistung nach Berlin mehr und mehr zum Schweigen zu bringen.

"Aus großer Kraft folgt große Verantwortung", heißt es im Marvel-Comic-Klassiker Spiderman. Auf Akanji umformuliert könnte man sagen: Aus wachsender Verantwortung folgt mehr Sicherheit.

Zumindest ist es das, was sie beim BVB hoffen. Erfüllt sich diese Hoffnung, könnte sich die Sperre von Mats Hummels im Nachhinein als Glücksfall erweisen.

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