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Formschwacher Reus: Auslöser und Lösung der BVB-Krise

Formschwacher Reus: Auslöser und Lösung der BVB-Krise

04/12/2019 um 10:44Aktualisiert 04/12/2019 um 13:31

Marco Reus ist Kapitän von Borussia Dortmund, Leistungsträger und Schlüsselspieler, amtierender Fußballer des Jahres und: komplett außer Form. Natürlich ist die aktuell schwierige Phase der Dortmunder nicht allein Reus' Verschulden, dennoch hängt sie eng mit dem Leistungsloch des 30-Jährigen zusammen. Der Weg aus der Krise ist in der Theorie also recht einfach. Oder?

Um das zu ändern, nahm Kapitän Marco Reus die Mannschaft am Sonntagabend am Rande einer Charity-Veranstaltung in Köln in die Pflicht:

"Wir müssen schleunigst zusehen, dass diese Fragen nicht mehr aufkommen."

Gemeint sind natürlich Fragen nach der Zukunft des Trainers.

Die Statistik stimmt, aber...

In erster Linie nahm Reus stehe jedoch er selber als Kapitän in der Pflicht, gab der 30-Jährige offen und ehrlich zu.

In der Tat ist die Ergebniskrise, die der BVB nun schon seit Wochen durchläuft, eng mit dem Spieler Reus verbunden. Denn nach einer sensationellen ersten Saison unter Favre (36 Spiele, 21 Tore, 13 Vorlagen), sind parallel zu den Leistungen des Nationalspielers auch die der Schwarz-Gelben eingebrochen.

Marco Reus von Borussia Dortmund

Marco Reus von Borussia DortmundGetty Images

So liegt Reus aktuell bei sieben Toren und einer Vorlage in 18 Pflichtspielen. Statistisch nicht bedenklich, doch Reus strahlt in dieser Saison längst nicht mehr die Dominanz und Qualität der vergangenen Spielzeit aus. Zum Vergleich: In der vergangenen Saison lag Reus zum selben Zeitpunkt bei zwölf Toren und acht Assists.

Reus, Hazard, Brandt: Das passt noch nicht

Die Gründe für Reus' Formtief sind vielschichtig. Einer von ihnen ist das neu zusammengestellte Mittelfeld der Borussia. In der vergangenen Spielzeit hatte Reus mit Christian Pulisic und Jadon Sancho rechts, sowie Raphael Guerreiro und Jacob Bruun Larsen links reine Flügelspieler neben sich. Das verschaffte ihm in der Mitte Handlungsfreiheit und Platz.

Mit Julian Brandt und Thorgan Hazard sind nun Spieler hinzugestoßen, die genau wie Reus gerne in der Zentrale spielen und daher oft instinktiv nach innen ziehen. Der Raum in der Mitte ist so oft eng.

Julian Brandt, Achraf Hakimi und Marco Reus von Borussia Dortmund

Julian Brandt, Achraf Hakimi und Marco Reus von Borussia DortmundGetty Images

Um die Flügel besser zu besetzen, brachte Favre daher zuletzt häufig Achraf Hakimi (gelernter Außenverteidiger) auf der äußeren Mittelfeldposition. Ein Spieler mit enormem Tempo, der die Außenbahn eher selten verlässt. Das kommt Reus, der die technische Klasse und das Spielverständnis hat, solche Spieler mit Steilpässen zu füttern, um dann selbst mit nachzurücken und im Rückraum zum Abschluss zu kommen, entgegen.

Eigentlich: Denn zuletzt gelangen Reus eben solche Aktionen nicht mehr. Er wirkte fahrig und teilweise unkonzentriert – selbst einfachste Stockfehler unterliefen dem Kapitän.

Reus ist kein Gamechanger

Den Sieg in Berlin wertete Reus als "ersten Schritt" in die richtige Richtung, auch wenn er selber erneut nicht überzeugte. Es sei "unheimlich wichtig" gewesen, "weil wir die vergangenen Spiele überhaupt nicht so bestreiten konnten, dass wir damit zufrieden sein konnten".

Ein bisschen dürfte Reus dabei auch wurmen, dass er selber nicht der Typ ist, der schwache Spiele im Alleingang herumreißt. Reus schwimmt meist so mit. Soll heißen: funktioniert das Team, funktioniert auch Reus. In einem funktionierenden Kombinationsspiel ist er ob seiner unbestritten außergewöhnlichen Fähigkeiten oft der überragende Mann. Doch schwächeln die Kollegen, verliert auch Reus schnell die Lust - so zumindest der Eindruck.

Marco Reus von Borussia Dortmund

Marco Reus von Borussia DortmundGetty Images

Umgekehrt funktioniert das natürlich aus. Ein gut aufgelegter Reus kann ein ganzes Team mitziehen und auf ein neues Level heben.

Auf dem Weg der Besserung?

Zeichen der Rehabilitation? Die Mannschaft sei sich jedenfalls bewusst, "dass wir besser spielen können", verriet der Nationalspieler nach dem Sieg in der Hauptstadt. Dafür braucht sie zwingend einen Reus, der besser spielt, vor allem auswärts. Immerhin: Dortmunds sonst so verletzungsanfälliger Kapitän verpasste in dieser Saison noch kein Bundesligaspiel (18/21 Pflichtspiele), ist meist fit.

Das Fundament für den Formanstieg ist also gelegt.

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